LBA schließt Flugbetrieb
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Hamburg International steht unter Gläubigerschutz

Hamburg International
Hamburg International Boeing 737-700, © Gerhard Vysocan, edition airside

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HAMBURG - Hamburg International steht unter Gläubigerschutz. Das Amtsgericht Hamburg hat ein Insolvenzverfahren über das Vermögen der Fluggesellschaft eröffnet (Az. 67b IN 25810). Am heutigen Mittwoch fallen Charter-Verbindungen des Unternehmens von Nürnberg, Dresden, Bremen und Hamburg aus. Mindestens vier Airbus A319 - die Hälfte dieser Flotte - gehen nach Informationen unserer Redaktion an Leasinggeber zurück.

Der Insolvenz vorausgegangen war "ein Investorenprozess, der leider nicht in der erforderlichen Schnelligkeit realisiert werden konnte", schreibt Hamburg International am Mittag auf ihren Internetseiten. "Die Gespräche mit den Interessenten werden nunmehr gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter weiter geführt."

Bislang sei es trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelungen, alle Passagiere an ihren Zielort zu bringen. "Diese Bemühungen werden in den kommenden Tagen durch die Mitarbeiter der Fluggesellschaft engagiert fortgesetzt", erklärt das Unternehmen. Der Vertrieb von Tickets über die Internetseiten wurde am Mittwoch eingestellt.

Die 1998 gegründete Fluggesellschaft verfügte zuletzt über acht Airbus A319 und eine Boeing 737-700 in ihrer Flotte. In diesem Jahr wollte Hamburg International erstmals die Marke von einer Million Passagiere nehmen. Das Unternehmen gehört den geschäftsführenden Gesellschaftern Norbert Grella, Klaus Schlichtmann und Christoph von Saldern. Ein Minderheitanteil liegt beim Reiseunternehmer Vural Öger.

Rückzug aus Weeze

Hamburg International beschäftigt etwa 320 Mitarbeiter. Das fliegende Personal ist auf Stationen in Hamburg, Berlin, Friedrichshafen, Köln/Bonn, München, Stuttgart, Saarbrücken und Weeze verteilt.

Das Unternehmen wird seinen Flugbetrieb in jedem Fall deutlich einschränken. Die Verbindungen ab Weeze werden gestrichen. "Diese Information haben wir (von der Fluggesellschaft, Red.) erhalten", bestätigte ein Flughafensprecher am Mittwoch gegenüber aero.de. Hamburg International bediente ab Weeze zwölf Ferienziele vorwiegend im Mittelmeerraum. Im Jahr 2009 stationierte Hamburg International eine Maschine ihrer Flotte fest am Niederrhein.

Update 16.15 Uhr: LBA schließt Flugbetrieb

Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) hat am Mittwoch das Ruhen der Betriebsgenehmigung sowie des Luftverkehrsbetreiberzeugnisses von Hamburg International ab dem 20. Oktober 2010, 24.00 Uhr, angeordnet.

"Nach Feststellung des Luftfahrt-Bundesamtes kann das Luftfahrtunternehmen seine laufend nachzuweisende wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nach der Verordnung (EG) Nr. 1008/2008 nicht mehr erbringen", begründete die Behörde den Schritt. Hamburg International ist daher ab dem oben genannten Zeitraum nicht mehr berechtigt, mit seinen Flugzeugen Fluggäste, Post und  Fracht im gewerblichen Luftverkehr zu befördern.

© aero.de | Abb.: Flughafen Weeze | 20.10.2010 09:36

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Beitrag vom 21.10.2010 - 08:16 Uhr
So geht das, ist gar nicht so lange her da sah ich noch Flyer für die Beteiligung an Flugzeugfonds die Maschinen an HI verleasen. Dachte mir noch die Zinsen sind aber zu schön um wahr zu sein.
Nun wissen wir warum.

Zum Glück geht es in der Luftfahrt wieder aufwärts, da finden die Kollegen schnell eine andere Stelle.


Beitrag vom 20.10.2010 - 21:44 Uhr
Ich möchte ja nicht meckern, aber über das Vermögen von Hamburg International wurde noch kein Insolvenzverfahren eröffnet. Es wurde lediglich vorläufige Insolvenzverwaltung, d.h. eine Sicherungsmaßnahme um das Vermögen der Insolvenzschuldnerin bis zu einer etwaigen Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu sichern, angeordnet. Auch den Begriff des Gläubigerschutzes gibt es in diesem Sinne im deutschen Recht nicht. Es wurden lediglich auf Anordnung des Insolvenzgerichtes Zwangsvollstreckungsmaßnahmen gegen Hamburg International untersagt. Vielleicht gelingt es dem vorläufigen Insolvenzverwalter kurzfristig die Betriebsgenehmigung wiederzuerlangen, wenn Sanierungsmöglichkeiten bestehen und deren Finanzierung gesichert ist.
Beitrag vom 20.10.2010 - 12:02 Uhr
Steht jetzt auch im offiziellen Insolvenzregister (insolvenzbekanntmachungen.de). Die Insolvenzverwaltung wurde an den Kollegen Undritz von White & Case übertragen. Eingang des Insolvenzantrags war offenbar schon gestern Mittag. Wenn Maschinen zurückgegeben wurden, muss das ziemlich last minute vor der Insolvenz über die Bühne gegangenen sein.


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