Sicherheit
Älter als 7 Tage

Erste Lockerung von Flüssigkeitenverbot im Handgepäck

Duty Free
Duty Free am Flughafen Frankfurt, © Fraport AG

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BRÜSSEL - Sie sind ein ständiger Quell des Ärgers an den Sicherheitskontrollen: Die strengen EU-Vorschriften, die Flüssigkeiten im Handgepäck seit 2006 verbieten. Was Flugpassagiere nervt, soll dazu dienen, Terroranschläge mit flüssigem Sprengstoff zu verhindern. Bis ins Detail ist alles genau geregelt. Zahnpastatube und Handcreme-Tiegel dürfen nicht größer als 100 Milliliter sein und müssen in eine Klarsichttüte.

Seit den vereitelten Anschlägen von London vor fünf Jahren filzen Sicherheitsleute Handtaschen und Rücksäcke, allein an deutschen Flughäfen konfiszieren sie jeden Tag sechs Tonnen Kosmetika und Getränke. Mitten in den Osterferien lockert die EU nun erstmals die Regeln (29. April).

"Es ist ein kleiner Schritt, aber er bereitet die für 2013 geplante Aufhebung des kompletten Verbots vor", kündigt EU-Verkehrskommissar Siim Kallas an. Was er nicht sagt: Nur die wenigsten Fluggäste werden von der Lockerung profitieren. Denn diese gilt nur für Transferpassagiere mit Einkäufen aus dem Duty-Free. Wer Alkohol oder Parfüm in einem Nicht-EU-Land gekauft hat, darf die verschweißte Tüte künftig beim Umsteigen in Europa behalten und mit auf seinen Anschlussflug nehmen. Für alle sonstigen Flüssigkeiten, die ein Kunde von zuhause mitbringt, ändert sich nichts.

Auf den ersten Blick ist das gut für die Passagiere, auf den zweiten kommen aber Zweifel auf, ob das Verbot in zwei Jahren überhaupt fristgerecht aufgehoben werden kann. Die Praxis stimmt nicht zuversichtlich. Während Deutschland die Frist an diesem Freitag einhält und an den Airports schon neue Geräte stehen, machen von den 27 EU-Staaten sieben auf unbestimmte Zeit einfach nicht mit - darunter Großbritannien und Frankreich mit den großen Drehkreuzen Paris und London.

"Von einer europaweiten Regelung kann keine Rede sein, das ist eine Mogelpackung", kritisiert der SPD-Experte im Europaparlament, Knut Fleckenstein. Auch der Verband Europäischer Fluglinien AEA spricht von einer "unübersichtlichen Lage". "Jeder Passagier muss sich selbst einen Überblick verschaffen", sagt die AEA-Sprecherin.

Die Bremser-Staaten führen Sicherheitsbedenken an und halten die Technik nicht für ausgereift. Von Freitag an müssen Europas Flughäfen neue Screening-Geräte einsetzen, die Whisky zuverlässig von Sprengstoff unterscheiden können. Das gelingt nicht immer: Im Test gaben die Scanner häufig Fehlalarm. Dann müssen Fahnder die Champagner-Flasche oder die Creme-Tube öffnen und eine Probe entnehmen. "Wie werden Passagiere reagieren und wer entschädigt sie?", fragt die internationale Flughafenvereinigung ACI, die zudem vor langen Warteschlangen und Verspätungen warnt.

An Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt, der jährlich 53 Millionen Passagiere zählt, bleibt man dagegen gelassen. "Wir rechnen mit mehreren tausend zusätzlichen Kontrollen im Monat - das können wir leisten", sagt ein Sprecher des Betreibers Fraport . "Es wird kein Chaos ausbrechen."

Für die Zusatzkosten werden die Passagiere zur Kasse gebeten. Die Kosten für die teuren Geräte schlagen Flughäfen und Airlines auf die Sicherheitsgebühr auf, die Kunden zahlen müssen. Das gilt auch für die umstrittenen Körperscanner, die Flüssigkeiten am Körper von Passagieren erkennen sollen und derzeit europaweit getestet werden.

Ob 2013 für Passagiere wieder die alten Zeiten zurückkommen, als man ungehindert Getränke mit an Bord nehmen durfte, hängt davon ab, ob die Industrie zuverlässige Geräte entwickelt. Und davon, wie die EU-Staaten die Gefahr von Terroranschlägen dann einschätzen werden. "An den Flughäfen prüft man haargenau, während zu Bahnhöfen jeder potenzielle Terrorist Zutritt hat", kritisiert der Abgeordnete Fleckenstein. "Das ist alles nicht schlüssig."
© dpa | Abb.: Fraport AG | 26.04.2011 08:35


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