"Der SPIEGEL"
Älter als 7 Tage

Piloten hatten "gravierende Probleme" mit der Flugsteuerung

SCHÖNEFELD - Die Global 5000 der Flugbereitschaft hat bei der dramatischen Notlandung in Berlin-Schönefeld "erhebliche strukturelle Beschädigungen" davongetragen. Experten sind der Ursache des Zwischenfalls auf der Spur.

Unkontrolliere Rollbewegungen und zwischenzeitlicher Strömungsabriss: aus dem Routineflug nach Köln-Bonn wurde für die Crew der deutschen Global 14+01 am vergangenen Dienstag unmittelbar nach dem Start eine fliegerische Grenzerfahrung mit einem kaum noch kontrollierbaren Flugzeug.

Notlandung in Berlin-Schönefeld, © dpa

In 6.000 Meter Höhe stellten die Piloten "gravierende Probleme mit der Flugsteuerung" fest, zitiert das Nachrichtenmagazin "Der SPIEGEL" aus einer internen Unfall- und Schadensanalyse der Bundeswehr. Bei der Rückkehr nach Schönefeld kippte der Jet in 300 Metern Höhe stark nach rechts weg.

Flugzeug verpasste Landebahn

Das Flugzeug verfehlte danach die Landebahn 07L, setzte hart auf einem Vorfeldbereich auf und schoss über mehrere Taxiways und Rasenflächen. Kontaktschäden an beiden Tragflächen und Stauchbelastungen an Rumpf und Fahrwerk haben Techniker der Bundeswehr laut Insidern im ersten Schadensprotokoll vermerkt.

Vor dem Zwischenfall befand sich der Jet zu einem 30-Monats-Check im Hangar. Laut "SPIEGEL"-Informationen gehen Unfallermittler dem Verdacht nach, dass im Zuge der Wartungsarbeiten Klappen fehlerhaft eingestellt worden sein könnten.
© aero.de | 19.04.2019 16:17

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Beitrag vom 22.04.2019 - 11:21 Uhr
Ich möchte mich als "interessierter" Laie ganz herzlich für diese sachliche und lehrreiche Diskussion bei allen Beteiligten bedanken.
Beitrag vom 22.04.2019 - 09:58 Uhr
Google ist aus dem autonomen Fahren ausgestiegen, weil es "zu komplex" sei. [...]
Ich glaube, von KI in der Passagierluftfahrt sind wir noch sehr, sehr weit weg.

Sorry, dass wir jetzt OT werden, aber ich möchte das kurz richtig stellen.
Google ist keineswegs beim autonomen Fahren ausgestiegen, eher das Gegenteil. Googles Schwesterfirma Waymo hat Ende 2018 den ersten kommerziellen Betrieb mit autonomen Fahrzeugen gestartet.

Trotzdem denke ich auch, dass der Weg in der Passagierluftfahrt noch ein sehr weiter ist. Und das ist auch gut so. Aber der Nutzen wird kommen.
Beitrag vom 22.04.2019 - 08:28 Uhr
Der BW-Flieger ist gelandet. Die Blackboxes und ein paar Fotos sind vorhanden. Jetzt wird nach dem Schuldigen gesucht!

In erster Linie wird nach der Fehlerursache gesucht. Die Luftfahrt und die zuständige Gesetzgebung (und das ist auch gut so) ist sehr strikt darauf ausgerichtet, Ursachen zu finden und durch entsprechende Maßnahmen zu beheben. Einen "Schuldigen" gibt es letztlich nur dann, wenn grobe Fahrlässigkeit oder Absicht unterstellt werden müssen.

Stellt sich also nun heraus (und davon ist wohl auszugehen), dass im Rahmen der Wartung ein Fehler gemacht wurde, sind Fragen zu stellen wie:
- Hatte der ausführende Mitarbeiter die notwendigen Trainings und ausreichende Erfahrung (Verantwortung des Betriebs)
- Hatte der ausführende Mitarbeiter alle erforderlichen Werkzeuge und Unterlagen zur Hand (Verantwortung des Betriebs)
- Haben die Verfahren des Unternehmens eine Zweitkontrolle vorgesehen (gem. EASA Part-145 vorgeschrieben bei Arbeiten an primary flight control systems)

Erst wenn diese Fragen mit "ja" beantwortet werden können, geht es um den eigentlichen Mitarbeiter und Fragen wie

- Ist er von Verfahren abgewichen? Und wenn ja, bewusst oder unbewusst?
- Konnte der Mitarbeiter erkennen, welche Folgen eine Abweichung von Verfahren haben kann?
- etc. etc.

Der Mitarbeiter, der den Flieger freigegeben hat, wird mit Sicherheit die eine oder andere schlaflose Nacht hinter sich haben.
Letztlich sprechen wir hier aber auch über ein sehr renommiertes und gut organisiertes Unternehmen (ich kenne den Betrieb sehr gut als Kunde), das die Prinzipien von "Just Culture" sehr gut umsetzt und seine "no-blame-policy" tatsächlich lebt.


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