Kommentar der Börsen-Zeitung
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Lufthansa-Aktien im Sinkflug

Carsten Spohr
Carsten Spohr, © Lufthansa

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FRANKFURT - Lufthansa wird mit 2019 nicht warm. Der Preiskampf mit Ryanair und Easyjet zehrt Gewinne auf - Lufthansa-Aktien haben sich in dieser Woche zweistellig verbilligt. Ab Juli drohen auch noch Streiks der Kabinengewerkschaft UFO. Konzernchef Carsten Spohr braucht dringend eine zündende Idee.

Nachdem es Lufthansa trotz Abstrichen durch die Brüsseler Wettbewerbshüter gelungen war, signifikante Anteile der Pleite gegangenen Konkurrentin Air Berlin zu übernehmen und damit den Marktanteil der eigenen Low-Cost-Tochter Eurowings im deutschen und europäischen Geschäft auszuweiten, kannte der Jubel der Investoren keine Grenzen.

Nach einem steilen Kursanstieg 2017 überflog die Lufthansa-Aktie um die Jahreswende die 30-Euro-Marke. Der Marktaustritt von Air Berlin nährte vor allem Hoffnungen auf eine Preisberuhigung in den umkämpften Marktsegmenten der Kurz- und Mittelstrecke. Indes hatten sich die Anleger zu früh gefreut.

Die ertragsstarke Billigkonkurrenz zeigt sich entschlossen, ihr jeweiliges Stück aus dem Air-Berlin-Kuchen mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Ryanair, der letztlich die Konzernperle Niki zugefallen ist, kämpft mit Niedrigstpreisen um Marktanteile im europäischen Kurztrip- und Ferienverkehr und nimmt dafür im laufenden Geschäftsjahr auch einen Gewinnrückgang in Kauf; Easyjet ist ebenfalls sehr preisaggressiv auf den innerdeutschen Routen von und nach Berlin.

Die Lufthansa tut sich in diesem Gefecht schwer, denn die Kostenschere zwischen Eurowings und den Wettbewerbern ist noch immer groß, zumal die Sparmaßnahmen nicht im erhofften Tempo vorankommen.

Eine tragfähige Mischkalkulation aus höheren Erträgen im geschäftlichen Vielfliegerverkehr und niedrigeren Einnahmen aus dem preisbewussten Urlaubersegment hat die Tochter bisher offenbar nicht gefunden. In der Folge muss Eurowings nicht nur den für dieses Jahr avisierten Turnaround aufgeben, sondern traut sich auch keine Prognose zu, wann dieser stattdessen erreicht werden soll.

Weitere Risiken im Sommer

Der Vertrauensverlust bei den Anlegern ist gravierend, zumal die Auswirkungen des widrigen Preisumfelds im Konzern immerhin durch geringere als zunächst kalkulierte Treibstoffkosten abgefedert werden. In dieser Lage wird es nicht genügen, auf das langfristig intakte Wachstumsprofil der Luftverkehrsbranche hinzuweisen, um der Aktie neues Leben einzuhauchen.

Denn kurzfristig drohen jenseits des Erlösdrucks noch weitere Belastungsfaktoren, falls die diesjährige Sommersaison in organisatorischer Hinsicht nicht wesentlich besser läuft als letztes Jahr - und danach sieht es zumindest aus Sicht von Experten nicht unbedingt aus.
© Börsen-Zeitung, OTS | Abb.: Lufthansa | 22.06.2019 08:44

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Beitrag vom 25.06.2019 - 09:51 Uhr
...fragt sich, was mehr ist?
die Basis (der Gewinn) ist doch davon unbeeinflusst und kann durch den Prozentsatz der Gewinnausschüttung auch nicht verändert werden. Insoweit ist die neue. höhere Prozentzahl mehr = besser. Diese aussage kann auch den Kurs positiv beeinflussen, und unter anderem für die Kursentwicklung wird der Vorstand bezahlt.
Wie sich die Gewinne der LH und der Branche in den nächsten Jahren entwickeln werden? Wenn ich da mehr wüßte, also den Glaskugelblick hätte, würde das meinem Portfolio schon gut tun, ist aber leider nicht...
Beitrag vom 25.06.2019 - 08:56 Uhr
Wir erinnern uns : Freier Markt (naja, sowas ähnliches zumindest) und ein wenig eingeschränkter Wettbewerb sind in diesem Geschäft relativ neue Entwicklungen, die in den letzten 20 Jahren zwar das Fliegen deutlich billiger aber nicht unbedingt besser oder sicherer gemacht haben.
Im Gegenteil.
Woran machen Sie das fest?
Besser wäre Geschmacksache, aber sicherer wurde es laut IATA Statistik auf jeden Fall.

Ich sagte nicht, Fliegen wäre unsicherer geworden.
Na ja, "...nicht unbedingt besser oder sicherer gemacht haben. Im Gegenteil." heißt genau das.

Wenn man es drauf anlegt, kann man alles falsch verstehen.
Also: Welche Maßnahme zur Kostenersparnis hat das Fliegen in den letzten 20 Jahren sicherer gemacht?

Aber es ging ja ursächlich um die Verteilung der Gewinne. Die werden ordentlich verteilt.

Tatsächlich geht es in dem Bericht durchaus auch um die Art, wie die Gewinne heute erzielt werden [müssen] ("Stückkosten runter oder Du bist raus").
Und das eröffnet die Fragestellung, ob denn die in der Luftfahrt vorgenommene Deregulierung, auch in den Arbeitsverhältnissen, die weit über die typische Deregulierung in anderen Berufsfeldern hinausgeht, tatsächlich im gegenwärtigen Umfang sinnvoll ist.

Dieser Beitrag wurde am 25.06.2019 09:00 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 24.06.2019 - 20:47 Uhr
Wir erinnern uns : Freier Markt (naja, sowas ähnliches zumindest) und ein wenig eingeschränkter Wettbewerb sind in diesem Geschäft relativ neue Entwicklungen, die in den letzten 20 Jahren zwar das Fliegen deutlich billiger aber nicht unbedingt besser oder sicherer gemacht haben.
Im Gegenteil.
Woran machen Sie das fest?
Besser wäre Geschmacksache, aber sicherer wurde es laut IATA Statistik auf jeden Fall.

Ich sagte nicht, Fliegen wäre unsicherer geworden.
Na ja, "...nicht unbedingt besser oder sicherer gemacht haben. Im Gegenteil." heißt genau das.
Aber es ging ja ursächlich um die Verteilung der Gewinne. Die werden ordentlich verteilt.


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