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Studie: Jeder dritte Pilot ist schon im Cockpit eingeschlafen

Boeing 777 Cockpit
Cockpit-Crew einer Austrian Boeing 777, © Ingo Lang

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FRANKFURT - Jeder dritte Pilot in Europa ist einer Umfrage zufolge schon einmal hinter dem Steuerknüppel eingeschlafen. Neun von zehn Piloten waren demnach im Cockpit schon einmal zu müde, um weiterfliegen zu können. Vier von fünf deutschen Flugzeugführern berichten, dass sie aus Müdigkeit Fehler gemacht haben. Das geht aus einer in der "Bild am Sonntag" veröffentlichten Umfrage der europäischen Pilotenvereinigung Cockpit bei 6000 Flugzeugführern hervor.

Ein Sprecher der Vereinigung Cockpit e.V. bestätigte die Angaben. "Aus meiner eigenen Erfahrung halte ich die Ergebnisse auch für realistisch", sagte der Pilot.

Die Flugzeugführer wehren sich laut Cockpit deshalb gegen die bestehenden Arbeitszeitregelungen, aber auch gegen die Pläne der Europäischen Luftsicherheitsbehörde (EASA) für künftige Regelungen. "Grundsätzlich sind die Flugdienstzeiten zu lang", sagte der Pressesprecher der Organisation, Jörg Handwerg. Die Piloten hielten einen Einsatz von bis zu zwölf Stunden für vertretbar, erlaubt seien aber Einsätze von bis zu 14 Stunden.

Auf Kritik der Piloten stößt auch ein EU-Gesetzesvorschlag, den eine Arbeitsgruppe der EASA fertiggestellt hat. Er sieht nach Handwergs Darstellung vor, dass Piloten nachts bis zu elf Stunden im Einsatz sein können, obwohl Mediziner höchstens zehnstündigen Nachteinsatz empfehlen, weil ansonsten die Gefahr von Übermüdung drohe.

"Nicht gut", lautet Handwergs Kommentar. Im Augenblick allerdings sei die Situation noch schlimmer, derzeit seien Einsätze von fast zwölf Stunden pro Nacht erlaubt. Die EASA habe zunächst auch zwölfstündige Nachteinsätze anvisiert, nach der Stellungnahme der Wissenschaftler habe sie ihren Vorschlag dann auf elf Stunden verringert. Nach Handwergs Angaben soll aus dem Gesetzesvorschlag eine Verordnung werden. Eine Verordnung wird unmittelbar gültig. Der bisherige Spielraum der einzelnen EU-Mitgliedsländer für abweichende nationale Regelungen fiele damit also weg.
© dpa | 18.11.2012 19:10

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Beitrag vom 20.11.2012 - 14:01 Uhr
Die Airlines bei denen Bürozeit und Simulator bezahlt werden, kann man auch bald als Stecknadel im Heuhaufen finden. Als direkt betroffener kann ich nur sagen, dass Dienstzeiten die sich rasch ändern (in einem 6-er Block Früh-, Spät- und Nachtdienste kombiniert) wirklich Gift für den Körper sind. Eingeschlafen bin ich noch nicht, aber ich habe schon mehrere Piloten gesehen, die plötzlich weggekippt sind. Manchmal nach einem 12-stündigen Nachdienst, spüre ich, dass der Boden schwankt. Da hab ich mir schon oft gedacht, wenn mich nun die Polizei erwischt, dann habe ich ein Problem. Für die Airlineindustrie ist das aber kein Problem.
Beitrag vom 20.11.2012 - 11:40 Uhr
@HEYDU

Wir meinen irgendwie das Gleiche. Ja es gibt andere Berufe, die genauso schwer und schwerer sind, schlechter bezahlt werden und trotzdem die gleichen Unwegsamkeiten haben obwohl sie grosse Verantwortung tragen.

Trotzdem muss ich mich nicht deshalb verschlechtern, um mich anzupassen, sondern wünsche allen Anderen in diesen Berufen eine VERBESSERUNG. Sie haben es verdient.
Im Punkt soziales Leben, Erschwernis und allem Anderen sind sie mindestens gleichwertig benachteiligt wie das fliegende Personal.

Da ich bei LH fliege, kann ich sagen, dass Flugvorbereitung auf keiner Flotte bezahlt wird. Aus Bekanntenkreisen weiss ich definitiv, dass bei Condor, Air Berlin, und Hapag AUCH KEINE VORBEREITUNG bezahlt wird. Mir wäre es auch nicht bekannt, dass irgendeine Airline Flugvorbereitung ( Check in ist ca 1:00 - 1;45 Std vor Abflug je nach Airline und Base) bezahlt.

Es wird nach Blockzeit bezahlt, Ausnahmen sind Simulatorstunden und gewisse BÜROTAGE ( ca 3-4 im Jahr, die mit 3,75 Std pro Tag auf die Blockzeit angerechnet werden )

Zu den Diensten, alles korrekt. Aber wir waren beim Thema Flugdienstzeitverlängerung / Ruhezeitverkürzung, und auch wenn man nun 4 Legs am Tag fliegt mit einer normalen Arbeitszeit von 12 Std, dann ändert es nichts daran, dass eine Verlängerung / Verkürzung die Sicherheit schmälert, wenn man am 1. Tag morgens um 6 Uhr Abflug ( also um 430 Uhr Checkin hat ) und am nächsten Tag dann erst um 17 Uhr anfängt bis morgens um 6 Uhr. Es geht um den Belastungsrhytmus, den der Gesetzgeber versucht in einem generellen Gesetz ( was eigentlich unmöglich ist ) zu regeln.

Wie ich schon sagte geht es hier weniger um die KONKRETE Flugdienstzeit von 11 oder 14 oder 16 Std. Im Einzelfall betrachtet ist es egal.
Hier muss und will der Gesetzgeber ein generelles Gesetz erlassen bzw. ändern.

Es geht darum, dass jeder Flugmonat individuell ist, und auch das Müdigkeitspensum. Hatte man gerade Urlaub oder schon seit 5 Monaten nicht. Hat man mal eine kürzere Tour oder eine Längere.
Da man aber nun nicht für JEDEN Mitarbeiter in Abhänggkeit vom geflogen Monat etc spezielle Regeln aufstellen kann, kann man es nur über allgemeine engere Grenzen der max. FDZ im Zaum halten.
Und was wir im Moment als Grenze definiert haben, bringt viele oftmals an den Rand des Machbaren.

Zu den Golfairlines: ich bin nicht dagegen. Sie haben wie Ryanair auch alle eine Daseinsberechtigung und am Ende entscheidet der Kunde.
Sie haben ein gutes Produkt, aber wenn ich die Anfänge der EK sehe und nun mal Deadhead mit denen gehe, fällt mir auf, dass das ehemals tolle Produkt sich auch immer mehr dem Standardbrei angleicht.

Freundlichkeit, Service, Essen, etc sind heute nicht besser oder schlechter als bei LH / BA / AF.... Deshalb kann ich dieses "Hochgelobe" der Golfairlines nicht mehr hören, weil es einfach falsch ist.

Die Einzigen, die wirklich rausstechen sind Korean Airlines, Asiana und Singapore.

Dieser Beitrag wurde am 20.11.2012 11:58 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 20.11.2012 - 11:18 Uhr
Man kann ja auch schwer Firmeninterna hier im Forum als Quellenangabe bringen. Es gibt aber auch "Insider" die berichten, dass die Flugvorbereitung bei der LH bezahlt werden, bei Töchtern der LH aber nicht. Desweiteren kenne 5/3 Dienste also 5 Tage arbeiten und 3 Tage frei haben. Weiterhin sehe ich tagtäglich wie Crews für 4 Lags (Kurzstrecke) den Flieger besteigen - was einer ganz normalen Arbeitszeit gleich kommt. LH Techniker erzählen, dass sie völlig konfuse Arbeitszeiten haben - die sind da wenn die Firma die braucht. Das kann dann so aussehen. 3Früh, 1Frei, 2Nacht, 3Frei, 3Spät, 2Früh, 1Nacht, 3Frei, 1Früh, 1Frei, 3Spät, 2Früh, 2Frei, 3Nacht usw. Wie sollen diese Menschen (die auch Verantwortung tragen) ein Gesundes Leben führen und unter Müdigkeit keine Fehler begehen? Und was vlt noch wichtiger ist, wie sollen sie ein soziales Leben führen. Familie, Freunde und Arbeit unter einen Hut bringen?

Natürlich braucht man nicht nach hinten/unten schauen uns sich demnach anpassen. Aber man kann auch das gesamte ein bisschen im Auge behalten und feststellen, dass der Traumberuf ein schwerer, anstrengender und komplizierter ist, aber dennoch ein Traumberuf bleibt mit allgemein sehr guten Arbeitsbedingungen (und damit mein ich nicht das Gehalt)

Zum Thema Emirates: Ich hoffe, dass über solche Meldungen mal offiziell berichtet wird und viele auf dieser Welt verstehen, was bzw. wen sie damit unterstützen. Die deutschen sind nicht um sonst teuer...


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