Luftfahrtgipfel
Älter als 7 Tage

Gezerre um milliardenschweres Rettungspaket für Flughäfen

Flughafen Paderborn-Lippstadt
Flughafen Paderborn-Lippstadt, © Flughafen Paderborn-Lippstadt

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BERLIN - Die Flughäfen in Deutschland brauchen dringend viel Geld - Steuergeld. Sonst drohten an vielen Standorten die Lichter auszugehen, warnten Teilnehmer des "Luftverkehrsgipfels" von Politik und Wirtschaft am Freitag. Die Coronakrise hat die Passagierzahlen einbrechen lassen, eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht.

Die Flughäfen haben wenig Einnahmen, müssen aber laufende Betriebskosten aufbringen. So weit die Lage. Über ein staatliches Rettungspaket von einer Milliarde Euro aber gibt es Gezerre.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) konnte der Branche bei der digitalen Konferenz keine feste Zusage des Bundes geben. In der Abschlusserklärung heißt es, Bund und Länder wollten in den kommenden beiden Wochen nach finanziellen Lösungen suchen.

Scheuer hatte vor dem Gipfel die Forderung nach einem Rettungspaket von einer Milliarde Euro platziert. Am Freitag schlug er dann ein 50:50-Modell vor: Die Verantwortung solle zur Hälfte bei Ländern und den Kommunen liegen, in den denen Flughäfen ansässig seien und zu 50 Prozent beim Bund.

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) ließ den Kollegen aber erst einmal auflaufen. Ein Sprecher sagte am Freitag, das Ministerium habe den Vorschlag "zur Kenntnis genommen".

Das Kabinett habe gemeinsam den Entwurf für den Haushalt 2021 beschlossen, dort seien derartige Vorhaben nicht enthalten. Mit Blick auf die Flughäfen sei es dem Finanzministerium wichtig, dass die Eigentümer in der Verantwortung stünden. Dies betreffe auch den Bund dort, wo er Eigentümer ist. Der Bund ist beteiligt an den Flughäfen in Berlin, Köln-Bonn und München.

Länder sollen sich beteiligen

Scholz will angesichts der hohen Kosten für den Bund in der Corona-Pandemie offenbar erst einmal abwarten, ob und wie weit sich die Länder bewegen - sie sind schließlich gemeinsam mit Anrainer-Kommunen die Eigentümer der meisten Flughäfen. Die Länder-Finanzminister und Kommunen aber sind in Corona-Zeiten finanziell nicht auf Rosen gebettet. Entsprechend zurückhaltend sind bisher die Äußerungen.

Zwar stellte etwa Niedersachsen dem Flughafen Hannover Hilfen in Aussicht. In Kreisen der NRW-Landesregierung hieß es, grundsätzlich sei Unterstützung für die Flughäfen denkbar, ähnlich wie beim öffentlichen Personennahverkehr.

NRW ist am Flughafen Köln/Bonn beteiligt, hat aber auch noch fünf weitere Internationale Verkehrsflughäfen im Land. Bund und Länder hatten die ÖPNV-Verkehrsunternehmen angesichts eingebrochener Fahrgastzahlen mit Milliarden unterstützt - daran erinnerte auch Scheuer am Freitag mehrfach.

Zugleich aber hieß es bei den Ländern, zunächst sei der Bund in der Pflicht. "Der Bund muss sich zügig einigen, wie die angekündigte Milliarde für die Flughäfen aufgetrieben und verteilt wird", sagte die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD), zugleich Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz.

Zugleich sagte sie: "Wir waren uns im Luftfahrtgipfel einig, dass es unsere gemeinsame Verantwortung ist, die finanziellen Schieflagen der Flughäfen auszugleichen und zu schauen, welche Refinanzierungsmöglichkeiten es gibt." Es müsse nun schnellstmöglich eine tragfähige Lösung her.

Tausende Arbeitsplätze auf der Kippe

Die Branche jedenfalls versuchte alles, um die Dramatik der Lage deutlich zu machen. Der Branchenverband BDL sieht mindestens 60.000 der 260.000 direkten Arbeitsplätze unmittelbar bedroht. Viele seiner Mitglieder kämpften ums Überleben, berichtete Stefan Schulte, Präsident des Flughafenverbands ADV.

Grundsätzlich sei Deutschland dezentral und föderal organisiert, benötige daher flächendeckend Flughäfen wie auch Breitbandkabel. Die entsprechende Struktur müsse erhalten und durchfinanziert werden.

In einem ersten Schritt verlangen die Flughäfen die Erstattung der sogenannten Vorhaltekosten aus der ersten Shutdown-Zeit von März bis Juni. 740 Millionen Euro habe es gekostet, die Flughäfen auf Wunsch der Politik für Versorgungsflüge offen zu halten, rechnet der ADV vor.

Aktuell gebe es einen faktischen zweiten Shutdown, so dass man auch zu mittelfristigen Kostenentlastungen kommen müsse. Forderungen etwa der Linken und des Umweltverbandes BUND, schon vor der Krise unrentable Regionalflughäfen wie Kassel-Calden auch aus Klimaschutzgründen dicht zu machen, lehnte Schulte ab: "Diese Diskussion müssen wir in Ruhe führen".

Gewerkschaften beklagen mangelnde Beteiligung

Kritischer zeigte sich der Luftfahrtkoordinator des Bundes, Thomas Jarzombek. Er verwies darauf, dass viele Experten mit einem auch langfristig geringeren Luftverkehr rechneten. Da müsse man schauen, was das für jeden einzelnen Regionalflughafen bedeute.

Scheuer wollte von Schließungen einzelner defizitärer Flughäfen allerdings nichts hören. Der Minister sagte, er sei in der Krise ein "Infrastruktur-Erhaltungsminister" - und kein "Infrastruktur-Abbauminister".

Nur am Rande des Gipfels kamen die Belange der Beschäftigten zur Sprache, wie die teilnehmenden Luftverkehrsgewerkschaften monierten. An fast allen Standorten werde man bereits mit Szenarien zum Abbau von Arbeitsplätzen konfrontiert, beklagten Flughafen-Betriebsräte und die Gewerkschaft Verdi.

Auch das fliegende Personal verlangte über die Gewerkschaften Ufo und Vereinigung Cockpit, dass staatliche Hilfen daran gekoppelt werden müssten, möglichst viele Arbeitsplätze oder zumindest Qualifikationen zu erhalten.
© dpa | Abb.: Fraport AG | 06.11.2020 16:10

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Beitrag vom 25.11.2020 - 10:27 Uhr
Hier noch ein passender Bericht:

 https://www.tagesschau.de/wirtschaft/regionalflughaefen-corona-krise-luftfahrt-101.html
Beitrag vom 07.11.2020 - 08:26 Uhr
Nun fällt allen der "Landratspistenwahn" der vergangenen anderthalb Dekaden auf die Füße. Das war in normalen Zeiten schon nicht finanzierbar, jetzt ist es das gar nicht mehr. Schluss für Paderborn, Kassel, Baden, Weeze, Dortmund, .......vielleicht sogar Nürnberg,. Bremen, Dresden und so weiter und so weiter.
Klar, keiner konnte Corona erahnen, aber auch ohne diesen Brandbeschleuniger war das alles schon Humbug.
Scheuer blickt es auch mal wieder nicht, leichter als jetzt kann er Ballast nicht abwerfen, oder träumt er von der autarken 4 Personen Drohne von Parchim nach Peking?

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Wann, wenn nicht in der Krise sollen Kranke Strukturen beseitigt werden?
Wann, wenn nicht in der Krise sollen schwache Unternehmen vom Markt?

Das gilt doch für die Flughäfen genauso. Milliarden hat man in Pisten in der Pampa versenkt, damit nur Ryanair subventioniert und den Markt verzerrt, anstatt die Infrastruktur zu clustern und vernünftig auszubauen.
Statt Memmingen wäre es wesentlich besser in MUC eine 3. Bahn zu haben und einen vernünftigen Fernbahnanschluss.

Deutschland braucht maximal 10 Verkehrsflughäfen.
FRA, MUC, BER, HAM, Ruhrpott - DUS oder ein zentraler Flughafen würde es tun, wenn man da im Eck zw. Düsseldorf - Duisburg - Dortmund einen Ruhrpott Zentralflughafen bauen würde -
dazu vlt. CGN, Sachsen, STR, dass würde reichen.
Dan hätte man die Nachteile gebündelt und man könnte das vernünftig anbinden in einem gesamtknozept mit Bahn, etc.
Jeder der Flughäfen könnte einen ICE Halt haben, vernünfitge Autobahnanbindung, usw.

Man wäre weg von diesem Klein - Klein und würd auch PAX aus dem Ausland anziehen.
Ausserdem wäre es günstiger.

Wann wenn nicht in der Krise will man den ganzen Kleinscheiss den zusperren?
Einfach keine Hilfen auszahlen, nur wenn die Infrastruktur kritisch ist.
Der einizg irgendwie nicht extrem deffizitäre Regionalairport war FMM, und das auch nur wenn man mal davon absieht das da locker 10 Mio. versenkt wurden um überhaupt zu starten.

Man fliegt da nur ab, weil es billiger ist. Es ist Subvention für Wizz und Ryanair.
Käse.

Modhinweis
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Beitrag wegen eklatanter Verletzung der Nutzungsbedingungen bearbeitet.
(Siehe Nutzungsbedingungen / 6. Verhaltensregeln)
Fly-away Moderator

Dieser Beitrag wurde am 25.11.2020 11:53 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 06.11.2020 - 17:54 Uhr
Nun fällt allen der "Landratspistenwahn" der vergangenen anderthalb Dekaden auf die Füße. Das war in normalen Zeiten schon nicht finanzierbar, jetzt ist es das gar nicht mehr. Schluss für Paderborn, Kassel, Baden, Weeze, Dortmund, .......vielleicht sogar Nürnberg,. Bremen, Dresden und so weiter und so weiter.
Klar, keiner konnte Corona erahnen, aber auch ohne diesen Brandbeschleuniger war das alles schon Humbug.
Scheuer blickt es auch mal wieder nicht, leichter als jetzt kann er Ballast nicht abwerfen, oder träumt er von der autarken 4 Personen Drohne von Parchim nach Peking?


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