Seaglider Vinceroy
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Siemens plant elektrisches Bodeneffektgerät

Seaglider Vinceroy
Seaglider Vinceroy, © Siemens

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PLANO - Weder Boot noch Flugzeug: Siemens plant mit dem neuen Bodeneffektgerät "Seaglider Viceroy" ein schnelles Küstenfahrzeug mit Elektroantrieb, das zwölf Passagiere - oder Fracht - dicht über der Wasseroberfläche lokal emissionsfrei und mit bis zu 300 km/h transportieren kann.

Siemens arbeitet gemeinsam mit der Entwicklungsplattform REGENT in Plano, Texas, an der Entwicklung des neuen Bodeneffektgeräts. Herzstück des lokal emissionsfreien Seaglider Viceroy ist ein elektrischer Batterieantrieb, der acht Elektromotoren mit Propellern speisz.

Das Hochgeschwindigkeitsfahrzeug soll sich im sogenannten Bodeneffekt, einem Luftkissen, das sich bei schneller Fahrt etwa bis zur Höhe der halben Spannweite bildet, ausschließlich dicht über der Wasseroberfläche bewegen.

Anders als ein Flugzeug kann ein Bodeneffektgerät auch nicht frei fliegen, sondern ist von einer nahen Bodenfläche abhängig, die aber auch aus flachem Eis, Schnee oder glattem Sand oder etwa einem Salzsee bestehen kann. Teilweise können Bodeneffektgeräte mit Anlauf über einzelne Hindernisse hinweg "springen".

Vorteil der Bodeneffektgeräte ist ihr wesentlich niedrigerer Energiebedarf, als ihn ein vergleichbar großes Flugzeug hätte. Rechtlich sind Bodeneffektgeräte "Wasserfahrzeuge", was Zulassung und Betrieb wesentlich vereinfacht und verbilligt.

Schneller Transport entlang von Küsten

Siemens will mit dem Seaglider Viceroy den Zeit- und Kostenaufwand für die Beförderung von Menschen und Gütern zwischen Küstenstädten drastisch reduzieren. Das Fahrzeug kann sich auf drei Arten bewegen: Langsam schwimmend im Hafen, mit etwa 75 km/h, noch mit Wasserkontakt in der Hafenausfahrt und mit bis zu 300 km/h "fliegend", jedenfalls ohne Wasserberührung, im Bodeneffekt.

Siemens will die hohe Geschwindigkeit und den Komfort eines Flugzeugs mit den niedrigen Betriebskosten eines Elektrofahrzeugs kombinieren. Der Seaglider unterscheide sich von bisherigen Bodeneffektgeräten durch seine anderen Tragflächen, den Elektroantrieb mit verteilter Leistung und die elektronische Steuerung, wie sie auch in der Luft- und Raumfahrt genutzt werde.

Diese Elemente ermöglichten einen sicheren Hafenbetrieb, eine höhere Wellentoleranz und ein komfortables Passagiererlebnis. Bis zu zwölf Passagiere passen in die Kabine. Mit heutigen Batterien schafft der Seaglider Viceroy Reichweiten bis zu 330 Kilometern. Die nächste Batteriegeneration soll dann bereits 1.000 Kilometer Reichweite ermöglichen.
© FLUG REVUE - SST | Abb.: Siemens | 08.08.2022 06:57

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Beitrag vom 10.08.2022 - 23:09 Uhr
Neben den kleinen Fehlern und großen Irrtümern mal ne ganz praktische Frage: Wie lässt man sowas zu (Bauvorschrift o.Ä.)?
Beitrag vom 08.08.2022 - 20:01 Uhr

Schon als kleiner Junge war ich ganz begeistert von den Bildern und Filmen des „Kaspischen Seemonsters“, diesem gewaltigen Gerät aus der Sowjetunion.

In den Jahrzehnten danach, gab es viele weitere Versuche, den physikalischen Effekt sinnvoll einzusetzen, dutzende Bodeneffektfahrzeuge wurden entwickelt, auch in Deutschland, aber durchsetzen konnte sich keines der Konzepte.

Als „Zwitterwesen“ hängen sie zwischen den Stühlen, können nichts richtig, ohne eindeutigem kommerziellen Nutzen.
Die Trag/Nutzlast ist zu bescheiden, die Geschwindigkeit bei längeren Strecken zu niedrig, der Lärm zu hoch, ebenso die Risiken bei plötzlich auftretenden Sturm mit entsprechender Wellenhöhe.

Bisher.
Bisher war Energie auch billig und konnte in großen Mengen und geringem Gewicht mitgeführt werden.

Viele dieser Konzepte wie auch der Ekranoplan waren zudem rein militärischer Natur und mit um die 500t Abfluggewicht mit diesem Konzept nicht zu vergleichen.

Insgesamt ein sehr interessantes Konzept, als Innovationsträger überzeugend, aber vermutlich wirtschaftlich, bis auf einige Nischensituationen, kaum nutzbar.

Gerade die wirtschaftliche Bewertung eines Batterie-elektisch betriebenen funktionierenden Konzepts dieser Art mit den genannten Eckdaten könnte heute anders ausfallen als bei den Kerosin-basierten Vorgängern, die direkt mit "richtigen" Flugzeugen konkurrieren mussten.
Beitrag vom 08.08.2022 - 10:20 Uhr

Schon als kleiner Junge war ich ganz begeistert von den Bildern und Filmen des „Kaspischen Seemonsters“, diesem gewaltigen Gerät aus der Sowjetunion.

In den Jahrzehnten danach, gab es viele weitere Versuche, den physikalischen Effekt sinnvoll einzusetzen, dutzende Bodeneffektfahrzeuge wurden entwickelt, auch in Deutschland, aber durchsetzen konnte sich keines der Konzepte.

Als „Zwitterwesen“ hängen sie zwischen den Stühlen, können nichts richtig, ohne eindeutigem kommerziellen Nutzen.

Die Trag/Nutzlast ist zu bescheiden, die Geschwindigkeit bei längeren Strecken zu niedrig, der Lärm zu hoch, ebenso die Risiken bei plötzlich auftretenden Sturm mit entsprechender Wellenhöhe.

Insgesamt ein sehr interessantes Konzept, als Innovationsträger überzeugend, aber vermutlich wirtschaftlich, bis auf einige Nischensituationen, kaum nutzbar.


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