EU AOC für Norwegian
Älter als 7 Tage

Cockpit: Sozialdumping und Sicherheitsrisiko

Norwegian
Norwegian Boeing 787-8, © Norwegian, Creative Commons

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OSLO - Norwegian hat seit dieser Woche ihre Betriebsgenehmigung (AOC) aus Irland in der Tasche. Der Günstigflieger will sich umgehend für neue Langstrecken aus der EU in die Vereinigten Staaten und nach Asien bewerben. Bei der Vereinigung Cockpit (VC) spricht man von einem "schädlichen Präzedenzfall".

"Der Hauptgrund für die Beantragung eines irischen AOC, ist die die Sicherung von Verkehrsrechten von und in die EU", gibt Norwegian unumwunden zu. Eine erste Boeing 787 sei bereits am Mittwoch unter das neue AOC gestellt worden.

Irland ermögliche es Luftfahrtunternehmen, "die niedrigsten Standards verschiedener Länder zu kombinieren", kritisiert Cockpit. Norwegian sei dabei "ein Bilderbuchbeispiel für das Ausflaggen", um Sozialstandards zu umgehen. Piloten würden mit Zeitverträgen in Singapur eingestellt und in Bangkok stationiert, obwohl sie defacto in Europa leben.

Unter Nutzung des irischen AOC werde Norwegian Langstreckenflüge als irische Fluggesellschaft durchführen, laut Cockpit "ohne je irischen Boden zu berühren, dabei aber trotzdem von den irischen Steuergesetzen profitieren".

"Wir haben größte Bedenken, dass die irischen Behörden eine angemessene Aufsicht über die Sicherheit des Unternehmens gewährleisten können", sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg. Die Firmenkonstruktion erinnere an einen fatalen Unfall in Cork, bei dem eine ähnliche Konstruktion zum Unfall beigetragen habe.

Der Pilotenbund forderte die EU Kommission auf, "solche Praktiken zu unterbinden". Das amerikanische Transportministerium solle Norwegian eine Genehmigung für Flüge in die USA zu verweigern.

Norwegian hat die Angriffe von Pilotengewerkschaft auf ihr Geschäftsmodell in der Vergangenheit stets zurückgewiesen.
© aero.de | Abb.: Norwegian, Creative Commons | 14.02.2014 10:28

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Beitrag vom 08.03.2014 - 17:38 Uhr
@Flugstr: Ob eine Hebamme mit 800€ im Monat einen Kredit aufnehmen muss oder nicht muss jeder selbst entscheiden. 70.000€ sind bei einem LH Pilotengehalt auch recht fix wieder drin (zumindest wenn man ein bisschen haushaltet). Bestimmt kann man davon sogar einen Teil von der Steuer absetzen.

Allerdings habe ich in keinem Satz behauptet das Hebammen das gleiche wie Piloten verdienen sollten. Ich habe nur versucht darzulegen das die Höhe des Gehalts mitnichten etwas mit der Sicherheit zu tun hat.

@Rotas: Danke für den Hinweis zu den Lotsen.

Dieser Beitrag wurde am 08.03.2014 17:39 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 08.03.2014 - 17:34 Uhr
Um mal wieder in die Luftfahrt zurückzukehren. Ich behaupte dass ein Fluglotse wesentlich mehr Verantwortung trägt. Er ist alleine, Piloten zu zweit. Wenn er versagt können schnell einmal zwei Flugzeuge dabei draufgehen. Wenn beide Piloten versagen geht in der Regel "nur" deren Flugzeug verloren.

Lotsen arbeiten zu zweit (Radarlotse + Koordinator). Lotsen können häufiger Pausen machen. Lotsen können abgelöst werden. Sektoren können geteilt und damit die Belastung aufgeteilt werden.

Damit will ich nicht sagen, dass Lotsen einen leichten oder leichteren Job haben. Finde es schwer zu vergleichen/ zu beurteilen. Einige Rahmenbedingungen sind ähnlich, andere sehr unterschiedlich.
Beitrag vom 08.03.2014 - 16:59 Uhr
Kann mir einer den Zusammenhang zwischen Gehalt der Piloten und der Sicherheit der Luftfahrt erklären? Ich halte ihn für zweifelhaft.

Ein hohes Gehalt zieht "Söldner" an. Ein niedriges Gehalt reduziert die Bewerber eher auf den Kreis derjenigen die den Job unbedingt machen möchten.
Nehmen wir das Beispiel der Hebamme. Die wenigen Hebammen, die ich getroffen habe, machen ihren Job sehr ernsthaft und gewissenhaft. Ich glaube es gibt nicht viele Frauen die diesen Job der guten Bezahlung wegen machen.
Ich kann auch nicht vorstellen dass eine Hebamme ein Kind aufgrund der niedrigen Bezahlung während der Geburt einfach ersticken lassen würde. Genausowenig würde ein Pilot sein Flugzeug samt Insassen einfach verrecken lassen.

Das hohe Gehalt der Piloten ist in meinen Augen eher ein sozialer Ausgleich dafür dass es mit diesem Job ziemlich schwierig war Beziehungen und Freundschaften zu pflegen (außerhalb der Berufsgruppe). Außerdem eine Risikoprämie. Beziehungspflege ist in der jüngsten Vergangenheit durch günstigere Kommunikationstechniken deutlich besser geworden. Vielleicht gibt es deswegen und wegen allgemein weniger Unglücken einfach mehr Bewerber und damit mehr Konkurrenz?

Würde sich jemand bei einer Geburt sicherer fühlen nur weil er weiss das Hebammen grundsätzlich 100.000€ im Jahr verdienen? Hätte da keiner Angst dass er eine vor sich stehen hätte, der das Ganze ziemlich egal ist und die es nur des Geldes wegen macht?

Um mal wieder in die Luftfahrt zurückzukehren. Ich behaupte dass ein Fluglotse wesentlich mehr Verantwortung trägt. Er ist alleine, Piloten zu zweit. Wenn er versagt können schnell einmal zwei Flugzeuge dabei draufgehen. Wenn beide Piloten versagen geht in der Regel "nur" deren Flugzeug verloren.

Die Sicherheit ist insgesamt wohl eher vom körperlichen Befinden abhängig. Bei Piloten hängt das dann eher an den Arbeitszeiten. Allerdings muss ich auch hier entgegnen: Viele Geburten dauern viele Stunden und sind durchgehend harte Arbeit. Trotz allem gibt es ein Deutschland kaum Unfälle (durch Hebammen verursacht).
Um die Flugsicherheit zu gewährleisten erscheint mir eine Investition in die Arbeitszeiten darum auch deutlich sinnvoller als in die Gehälter.

Das tut mir sehr leid für die Piloten, aber noch mehr für das Kabinenpersonal. Privilegien zu verlieren ist immer schmerzhaft.

Dies ist einmal wieder der typische Birne mit Apfel-Vergleich. Dem schließe ich mich ausnahmsweise einmal an:

Müssen Hebammen nach der Ausbildung auch einen Teil der Ausbildungskosten zurückzahlen und damit sie Unterkunft und Verpflegung während der Ausbildung bezahlen können, einen Kredit aufnehmen?

Wer es nicht glaubt, dass dies die angehenden FlugzeugführerInnen tun müssen:

 http://www.lufthansa-pilot.de/ausbildung/finanzierung/finanzierung.php


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