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US Air Force wählt Boeing 747-8 aus

WASHINGTON - Die US Air Force hat die neue Jumbo-Version Boeing 747-8 als nächstes Flugzeug des US-Präsidenten als Ersatz für die heutige VC-25 (Basis: Boeing 747-200B) ausgewählt. Das nun beginnende Beschaffungsverfahren ist aber noch keine Bestellung.

Die amerikanische Luftwaffen-Staatssekretärin Deborah Lee James und der für Beschaffungsvorhaben zuständige Unterstaatssekretär Frank Kendall haben entschieden, dass die Boeing 747-8 als künftiges Präsidentenflugzeug der USA, umgangssprachlich "Air Force One" genannt, verwendet wird, teilte die US Air Force am Mittwoch mit.

Eine Marktanalyse habe zwei geeignete, vierstrahlige Plattformen identifiziert: Den in Toulouse gebauten Airbus A380 und die im US-Bundesstaat Washington gebaute Boeing 747-8.

Air Force One
Air Force One, © US Air Force

"Als einziges in den USA gebautes Flugzeug kann die Boeing 747-8 mit der entsprechenden Missionsausrüstung die Bedürfnisse der Präsidenten erfüllen und das Amt des Präsidenten gegenüber der Öffentlichkeit verkörpern", sagte James. Die jüngste Auswahlentscheidung leitet mit einem Grundsatzdokument die kommerzielle Beschaffung außerhalb des sonst vorgeschriebenen Wettbewerbsverfahrens ein.

Die US Air Force möchte einen Gesamt-Auftragnehmer mit dem Projekt betrauen. Er muss nicht nur die Flugzeuge liefern, sondern diese auch noch umfangreich umrüsten.

"Die Entscheidung ist noch kein Beschaffungsvertrag", sagte Oberst Amy McCain, Presidential Aircraft Recapitalization (PAR) Programm-Managerin. "Wir müssen jetzt die Beschaffungsstrategie ausarbeiten und mit Boeing die technischen und herstellungsseitigen Risiken erörtern. Danach können wir Vertragsverhandlungen beginnen und die Fähigkeiten und Kosten definieren."

Die neuen Flugzeuge werden für eine geplante Einsatzdauer von 30 Jahren beschafft. Bei den eingebauten Systemen und deren Betreuung soll es möglichst viel Wettbewerb geben. Grund für die Ablösung der beiden heutigen VC-25, Baujahr 1987, seien Ersatzteilprobleme, zunehmende Bodenzeiten und teilweise nicht mehr existierende Zulieferer. Diese Probleme dürften sich bis zur Inbetriebnahme der Nachfolgerflugzeuge eher noch verschärfen. Man sei mit der VC-25 grundsätzlich trotzdem sehr zufrieden.

Die bisher genutzte Boeing 747-200B für den US Präsidenten, damaliger Stückpreis 325 Mio. Dollar, ist als militärische Version VC-25A stark modifiziert. An Bord der mit stärkeren Triebwerken der Boeing 747-400 ausgestatteten Präsidentenausführung befinden sich EMP-gehärtete Kommunikations- und Chiffriergeräte, eine Selbstschutzanlage und eine Präsidentensuite mit den entsrprechenden Stabsräumen.

Im Kriegsfall kann der US-Präsident, der zugleich US-Oberbefehlshaber ist, von Bord aus den amerikanischen Streitkräften den Einsatz von Atomwaffen freigeben. Die VC-25 kann in der Luft betankt werden und, dank vergrößerter Triebwerksölbehälter, mehrere Tage lang in der Luft bleiben. Die rund 100 Besatzungsmitglieder können über mehrere Tage an Bord verpflegt werden.

EIS frühestens 2023

Für das Entwicklungsprogramm für die neue 747-8-Präsidentenversion und für einen Prototypen sind Kosten von 1,6 Mrd. Dollar angesetzt. Der Bau der Flugzeuge dürfte nicht vor 2017 beginnen, die Auslieferung nicht vor 2018. Danach ist eine fünfjahrige Ausrüstungs- und Testphase geplant, bevor 2023 die neue Version in Dienst gestellt wird.

Wegen der sehr aufwändigen Sonderausstattung und der als Nicht-US-Unternehmen gering eingeschätzten Bewerbungschancen hatte Airbus auf eine formelle Teilnahme mit der A380 an dem USAF-Ausschreibungsverfahren für die neue "Air Force One" verzichtet.
© FLUG REVUE - Sebastian Steinke | Abb.: US Air Force | 29.01.2015 11:07

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Beitrag vom 30.01.2015 - 13:22 Uhr
100 Besatzungsmitglieder? Das ist wohl ein bisschen hoch gegriffen, so Platz gibts in der VC25 gar nicht um die alle unterzubekommen.

Insgesamt kann sie ca. 100 Personen befördern, davon 20-30 Crew/Besatzung.
Beitrag vom 29.01.2015 - 18:17 Uhr
Wirklich kaum überraschend.
Selbst wenn Boeing von heute auf morgen keine Flugzeuge mehr bauen würde, lieber würden die eine alte DC6 zur Präsidentenmaschine umrüsten als eine Moderne aus ausländischer Produktion.

So wie Deutschland/Europa auf Gedeih und Verderb eine A400 haben wollte anstatt die verfügbare ausgesprochen ähnliche, aber eben Russisch/Ukrainische AN 70.

An bestimmten Realitäten kommt man einfach nicht vorbei.
Beitrag vom 29.01.2015 - 18:08 Uhr
Wieviel wohl die "Marktanalyse" gekostet hat...? Das Ergebnis hätte ich für die halbe Summe liefern können... :-)


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