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Airbus und Boeing stellen Effizienz in den Vordergrund

PARIS - Besucher der Paris Air Show zücken diese Woche vielleicht lieber ihre Taschenrechner als ihre Ferngläser. Airbus und Boeing preisen in Le Bourget Leistungsverbesserungen in ihren Modellfamilien an, um in den letzten zehn Jahren für Neuentwicklungen ausgegebene Milliarden wieder einzuspielen.

Die Hersteller grübeln über jedes Detail, soweit es Airlines nur dabei hilft, den letzten Euro Umsatz aus ihren Flotten zu quetschen. Küchen werden leichter und Waschräume kleiner, um Platz für ein paar zusätzliche Sitzreihen zu schaffen. Ein extra Tank für extra Reichweite? Auch kein Problem!

"Die neuen Produkte und Modelle sind alle angekündigt", sagt Jeffries-Analyst Howard Rubel. "Jetzt geht es darum, zu liefern und schrittweise Verbesserungen anzupacken, die Airlines brauchen."

Paris läutet eine neue Ära für eine Flugzeugindustrie ein, deren Auftragspolster nach Daten von "Bloomberg Intelligence" 14.380 Maschinen dick ist. Nach Milliardenausgaben für neue Programme wie 787, A350 und A380 rücken nun Optimierungen dieser Plattformen in den Fokus. Ein paar mehr Sitze hier, ein zusätzlicher Tank da.

Im Gegensatz zu 2011 und 2013 bringen weder Airbus noch Boeing brandneues Gerät zum ältesten und wichtigsten Stelldichein der Branche nach Le Bourget. Das während der Messe verkündete Neugeschäft dürfte am Ende hinter dem 120-Milliarden-Volumen der Farnborough Airshow 2014 zurückbleiben.

Brégier: Schnellere Einführung von Innovationen

"Wir können nicht jedes Jahr Neuentwicklungen auflegen", sagte Airbus-Chef Fabrice Brégier. "Die sind extrem teuer, bergen hohe Risiken und erstrecken sich über einen langen Zeitraum. Die Strategie für die nächsten Jahre liegt in der schnelleren Einführung von Innovationen. Keine brandneuen Produkte, dafür große Evolutionen."

Mit der CSeries feiert Bombardier in Paris zwar Messe- und Europapremiere. Über Produktion und Profitabilität wird vermutlich aber mehr gesprochen werden als über die hochglanzpolierten Exponate am Platz und in der Luft.

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Besuchermagnet Le Bourget - hier eine Aufnahme von der PAS 2013, © aero.de

Eigentlich liebt Airbus den großen Auftritt in Paris. Vor zwei Jahren elektrisierte der Hersteller die Besucher mit einem unangekündigten Überflug der A350. Dieses Mal nutzt Airbus die Aufmerksamkeit in Le Bourget auch dafür, angekratztes Kundenvertrauen zu stärken.

Der Absturz eines A400M mit vier Toten legte gravierende Qualitätsprobleme im ohnehin krisengeplagten Programm offen. Demonstrativ lässt Airbus den Militärtransporter trotzdem in Paris zu Flugvorführungen abheben. Wir kriegen auch diese Probleme in den Griff, lautet die Botschaft.

Hoffnungen auf einen Auftritt der A320neo haben sich leider zerschlagen. Wegen andauernden Detailmodifikationen an den PW1100G-Triebwerken konnten zwei Prototypen den gesamten Mai und bisherigen Juni über nicht starten.

Zeitgleich zur Flugerprobung tüftelt an einem Kabinenplan, der zweieinhalb zusätzliche Sitzreihen und - mit breiteren Notrutschen - bis zu 195 Sitze in der A320 möglich machen könnte. Boeing quetscht ins Heck der 777-300ER, wo der Rumpf schon schmaler wird, 14 zusätzliche Sitze.

Dafür verkleinere man die Waschräume und leihe sich einen Bestuhlungsplan von der 787 aus, sagte 777-Managerin Elizabeth Lund. Mehr Sitze sind der einfachste Weg, um die Wirtschaftlichkeit eines Flugzeugs zu erhöhen. Betriebskosten beziehen sich im Prospekt fast immer auf Angaben pro Passagier.

O`Leary: Extrasitze bezahlen das Flugzeug

Dass es sich hierbei nicht um bloße Zahlenspiele handelt, rechnet Ryanair-Chef Micheal O`Leary vor. Er bestellte bis zu 200 Boeing 737 MAX 200, die acht Sitze mehr an Bord hat als ihre technische Basis 737 MAX 8. In einem voll gebuchten Flugzeugen wird Ryanair 197 Passagiere befördern.

Die Zusatzkapazität dieser acht Sitze "bezahlt fast das Flugzeug" über seinen Lebenszyklus, sagte O`Leary. "Das verringert nicht allein die Kosten, sondern bedeutet auch einen signifikanten Sprung in den Erlösen."
© Bloomberg News | Abb.: aero.de | 15.06.2015 06:45

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Beitrag vom 15.06.2015 - 12:23 Uhr
Für mich nicht nachvollziehbar, zumindest nicht auf der Langstrecke bei mehrklassenkonfigurationen: Für Ryanair und die Billigflieger okay, aber dass man die Eco immer mehr zusammenstreicht versteh ich nicht: hab es selten erlebt, das ein Jet in der Eco wirklich bis auf den allerletzten Platz ausgebucht war.


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