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Pichler macht Punkte – Sanierungsplan für Air Berlin

BERLIN - Bei den heikelsten Fragen wird Vorstandschef Stefan Pichler zum Basta-Manager. Kann Air Berlin den kommenden Winter überstehen? "Unsere Finanzierung ist gesichert. Punkt", antwortet er ohne Details. Gibt es einen Plan B, wenn die Gemeinschaftsflüge mit Etihad nicht dauerhaft genehmigt werden?

Pichler: "Das wird so weitergehen. Punkt." Der Spitzenmann der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft legte am Mittwoch Quartalszahlen vor und das lange erwartete Konzept für die nächsten Jahre - neun Monate nach seinem Amtsantritt.

Wie will Pichler den Umschwung schaffen?

Ein Maßnahmenpaket mit 14 Elementen soll Air Berlin aus der Dauerkrise führen. Pichler will den Verkehr dort ausbauen, wo es lukrativ erscheint, etwa auf Transatlantik-Routen, und neue Kundengruppen gewinnen. Bei Flotte, Organisation und Personal will er weiter sparen.

Wie will Air Berlin wachsen?


Auf langen Strecken lässt sich mehr verdienen. Weil das so ist, baut Air Berlin am Drehkreuz Düsseldorf im kommenden Mai sein Flugangebot in die USA und die Karibik aus. Es sind dann insgesamt bis zu 62 Langstreckenflüge wöchentlich ab Düsseldorf. Zum Vergleich: Ab Berlin-Tegel sind es 28 Interkontinentalflüge pro Woche. Eine engere Zusammenarbeit mit Alitalia soll mehr Fluggäste von Deutschland und Österreich nach Italien bringen. Geplant ist außerdem eine Vertriebsinitiative, um mehr Firmenkunden an Air Berlin zu binden.

Was ist mit dem Standort Berlin?

Auch die Basis Berlin soll erweitert werden, zunächst mit weiteren Europa-Verbindungen und später auch Langstrecken. Noch gibt es dazu nichts Konkretes. Pichler will aber mit der Expansion nach eigenen Worten nicht warten, bis der Hauptstadtflughafen (BER) voraussichtlich Ende 2017 eröffnet wird.

Wo will die Fluggesellschaft sparen?

Wie schon zuletzt, sollen Verbindungen "teilweise ausgedünnt" werden, also Einsatz von weniger oder kleineren Flugzeugen dort, wo die Nachfrage schwach ist. Künftig soll die konzerneigene Flotte nur noch aus Airbus-Maschinen bestehen, um Kosten etwa bei der Wartung zu senken.

Innerhalb eines Jahres hat Air Berlin ihren Flottenbestand an Boeing 737 von 45 auf 33 Flugzeuge verkleinert. Im Gegenzug vergrößerte sich die A320-Flotte von 68 auf auf 82 Flieger.

Air-Berlin-Chef Stefan Pichler
Air-Berlin-Chef Stefan Pichler, © www.fotografie-wiese.de

Eine Hürde auf dem Weg zur vereinheitlichten Flotte stellen die von TUIfly bis 2019 angemieteten 737 dar. TUIfly pocht auf volle Vertragserfüllung, Air Berlin würde die Flugzeuge lieber heute als morgen zurückgeben. Eine Einigung steht noch aus. Man befinde sich mit TUIfly in "konstruktiven und vertraulichen Gesprächen", sagte uns Air Berlin am Mittwoch auf Nachfrage.

Auch Personal soll abgebaut werden, überwiegend in der Verwaltung. Wie viele der rund 8.000 Stellen wegfallen, ist noch nicht bekannt.

Was ist neu an den Plänen Pichlers?

Pichler sagt jetzt ausdrücklich, dass sein Konzern eine "Netz-Airline" werden soll wie Lufthansa oder British Airways. Air Berlin könne aber die gleiche Leistung zu geringen Kosten pro Passagier verwirklichen - ein Wettbewerbsvorteil nach Meinung des Vorstandschefs.
 
"Die strategische Ausrichtung ist relativ klar und eindeutig". Doch der Weg dorthin brauche Zeit. Air Berlin könne seine anderen Standbeine wie das Tourismus-Geschäft "nicht einfach wegwerfen". Air Berlin wird seit langem von Experten vorgeworfen, dass ein klares Geschäftsmodell nicht erkennbar sei.

Was ist Pichlers Ziel und bis wann will er es erreichen?

In 12 bis 18 Monaten soll der "Turning Point" (Wendepunkt) erreicht sein, von dem an das Unternehmen wieder profitabel sein soll. Die frühere Ankündigung, Air Berlin wolle im Gesamtjahr 2016 wieder ein positives operatives Ergebnis (Ebit) erreichen, hat Pichler nicht wiederholt. Nun heißt es, das Ebit solle bis Ende 2018 um 310 Millionen Euro verbessert werden. Das würde für ein kleines Plus reichen. Im Jahr 2014 lag das Ebit bei minus 294 Millionen Euro.

Wie ist Air Berlin im Wettbewerb positioniert?


Zu den größten Konkurrenten gehören im Europageschäft Ryanair und Easyjet, die auch weiterhin ihr Angebot ausweiten und den Preisdruck auf vielen Strecken hochhalten. Interkontinental muss sich Air Berlin mit einer Reihe großer Gesellschaften messen, unter anderem der Lufthansa. Der Partner Etihad Airways aus Abu Dhabi verhilft zu Anschlüssen nach Asien und Australien. Die gemeinsame Vermarktung von Flügen ist für beide Partner ein wichtiger Pfeiler des Geschäfts.

Wie ist der Stand bei den Gemeinschaftsflügen mit Etihad?

Bis 15. Januar sind alle Flüge noch erlaubt. Dann greift ein Verbot für 31 Strecken, das das Bundesverkehrsministerium verfügt hat. Air-Berlin-Chef Pichler zeigte sich überzeugt, dass bis dahin eine politische Lösung gefunden wird. "Wir werden diese Codeshares kriegen."
© aero.de, dpa-AFX | Abb.: Air Berlin | 12.11.2015 08:53

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Beitrag vom 14.11.2015 - 08:55 Uhr
@valhs: der link ist der Hammer. Danke - die Typologie passt perfekt! Leider eben auch hier...
Beitrag vom 13.11.2015 - 14:40 Uhr
Ich habe mich nun extra wegen Ihnen hier angemeldet, sonst war ich immer ein stiller Mitleser. Ein Verhalten, welches ich mir von Ihnen auch hin und wieder wünschte.

vielleicht interessant, zwischendurch:
 Die Typologie der Forenbenutzer – eine Dokumentation des Grauens
Beitrag vom 13.11.2015 - 13:16 Uhr
AirBerlin sollte sich auf Langstrecke und Innerdeutschen Verkehr konzentrieren. Es gibt genügend Ferienfluggesellschaften. Die Lufthansa hat auf vielen Innerdeutschen Strecken ein Monopol, das sollte nicht sein....


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