"Reuters"
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Lufthansa strebt Eurowings-Allianz mit Condor an

FRANKFURT - Zwischen Lufthansa und Condor bahnt sich etwas an. Lufthansa strebe eine Vertriebskooperation mit Condor an, um die Langstrecken der eigenen Günstigmarke Eurowings voranzubringen, meldet "Reuters" am Freitag unter Berufung auf Kreise. Sogar eine Übernahme sei nicht ausgeschlossen.

Lufthansa und Condor verbindet eine gemeinsame Geschichte, die bis in die Anfangstage des 60 Jahre alten Ferienfliegers zurückreicht. Erst 2009 trennte sich Lufthansa vollständig von Condor und verkaufte ihre restlichen Anteile an den britischen Touristik-Konzern Thomas Cook.

Condor Boeing 767-300ER mit neuem Logo
Condor Boeing 767-300ER, © Condor

Seit Lufthansa mit Eurowings wieder selbst im Feriengeschäft mitmischt, überlappt sich das Angebot zu fernen Warmwasserzielen. Angesichts eines verschärften Preiswettbewerbs signalisierte Condor schon grundsätzliche Bereitschaft, mit Eurowings gemeinsame Sache zu machen.

"Wir beobachten die Entwicklungen bei Eurowings genau", sagte Jens Boyd, bei Condor für die Langstrecke zuständig, im Dezember. "Wenn es ein interessantes Partnerschaftsmodell gibt, sind wir dafür offen." Condor erwarte für das laufende Jahr "extreme" Angebotserhöhungen im Ferienflugmarkt.

Tatsächlich liefern sich die deutschen Fluganbieter harten Wettbewerb um Touristen. Air Berlin fliegt im Sommer von Düsseldorf nach Havanna, Lufthansa startet von Frankfurt nach Cancun, Eurowings von Köln nach Punta Cana und Puerto Plata - alles auch Condor-Ziele.

"Wir müssen unsere Profitabilität erhalten", sagte Boyd. Ein Pakt mit Lufthansa, Eurowings steht Kooperationen bekanntlich offen gegenüber, könnte Condor helfen, ihre Stellung im Karibikverkehr zu verteidigen.

Laut "Reuters" steht sogar eine teilweise oder komplette Übernahme von Condor durch Lufthansa im Raum. "Aufgrund der 800 Millionen Euro Schulden von Condor, die die Lufthansa voraussichtlich übernehmen müsste, wird es bei einer Übernahme nur einen symbolischen Preis geben", zitiert die Agentur einen Insider.

Ein erster Anlauf sei 2015 gleichwohl an unterschiedlichen Preisvorstellungen von Lufthansa und Thomas Cook gescheitert. Condor fliegt rund 7 Millionen Passagiere pro Jahr und baute ihre Langstreckenflotte in den letzten Jahren kontininuierlich auf zuletzt 13 Boeing 767-300ER aus.

Eurowings will ihre Langstreckenflotte bis Frühjahr 2017 auf sieben Airbus A330-200 erweitern, die von SunExpress Deutschland betrieben werden. Zusätzlich mietet die Airline eine Boeing 767 von TUIfly an.

Lufthansa und Thomas Cook kommentierten den Bericht nicht. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will allem Anschein nach aber eine aktive Rolle bei der Konsolidierung im europäischen Flugmarkt einnehmen. Neben einer Komplettübernahme von Brussels Airlines wurden Lufthansa zuletzt auch intensivierte Kontakte zu SAS nachgesagt.
© aero.de | Abb.: Condor | 22.04.2016 10:31

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Beitrag vom 23.04.2016 - 11:22 Uhr
@Avokus
Sehr guter Beitrag!
Einzig das Thema Langstreckenflotte bewerte ich eher negativ als positiv, das hier bedingt durch Ihr hohes Alter auf die LH im Falle einer Übernahme erhebliche Kosten zukommen würde - ob die Flugzeuge im Eigentum sich befinden oder geleast sind.

@Charlie-Alpha
Condor hat aber in der Vergangenheit von der Flexibilität des Leasingmodells aber kaum einen wirklichen Vorteil gezogen oder es in Anspruch genommen. Die meisten Flugzeuge sind schon ewig in der Flotte und einige sind in der jüngeren Vergangenheit erst hinzugestoßen. GErade wenn die Condor zu EW stoßen würde, wäre das Modell auf Wachstum - auch Flottenwachstum - ausgerichtet, Wurm gerade Ryanair und Norwegian Paroli bieten zu können. In einem Wachstumsszenario ist der Flexibilitötsvorteil eines Leasingsmodells weniger ausschlaggebend, Der Vorteil für Condor waren lediglich die günstigen Leasingkonditionen und man konnte damit eine kostspielige Flottenerneuerung bisweilen umgehen.

Mittelfristig denke ich aber wie Guido3, dass die Condor an einer Erneuerung der gesamten Flotte nicht vorbeikommt, vor allem wenn sie zur LH zurückwandern sollte. Zwar hat die Confdor erst kürzlich aufwendig die Kabine der 767 erneuert, aber dies geschah im Hintergrund eines Verbleibs bei ThomasCook und deren mangelnden finanziellen Möglichkeiten, in die Flotte zu investieren.

Im LH Konzern ist in diesem Kapazitätsbereich die A330 der 'Standard-Widebody' und eine 767 Teilflotte in dieser Größe würde auf Dauer vor allem hinsichtlich MRO und Flugpersonal die Flottenstrukturen verkomplizieren und ineffektiver machen (die 6 767 der Austrian machen da den Kohl nicht fett, wohl aber dazu die Condor-767).

Wenn es Thomas Cook wirklich so schlecht geht, dass sie ihre Flotten nicht erneuern können, dann müssten Sie ja an einem Verkauf interessiert sein...
Beitrag vom 23.04.2016 - 11:19 Uhr
Die B767 von Condor sind bis zu 25 Jahre alt und Condor braucht dringend eine Flottenerneuerung. Unter dem Dach von Thomas Cook ist das wohl nicht möglich, weil Thomas Cook hoch verschuldet ist und das finanziell nicht stemmen kann.

Eine zu 100% geleaste Flotte ist auch keine Option. Entsprechend käme auf die Lufthansa bei einer Condor-Übernahme neben den Altschulden ein großer Investitionsbedarf zu. Vor einem Jahr hat Lufthansa noch offiziell verkündet, dass man große Probleme hat, die notwendige eigene Flottenerneuerung zu finanzieren und die Zahlen das eigentlich nicht hergeben. Das mag jetzt temporär durch den Ölpreis etwas besser aussehen. Aber man kann es nicht zur Basis der Geschäftsstrategie machen, dass der Ölpreis noch 10 Jahre auf dem Level bleibt. Insofern birgt eine Condor-Übernahme sicher auch einige Risiken.

Für die Passagiere wäre das auch nicht besonders gut, weil faktisch ein Wettbewerber aus dem Markt fällt. Ich bin auch nicht ganz sicher, ob man eine Zustimmung des Kartellamtes zu einer Übernahme heute noch voraussetzen kann. Der Marktanteil in Deutschland der gesamten Lufthansa-Gruppe inkl. Lufthansa, Austrian, Swiss, Brussels, Germanwing, Eurowings, Condor, (Sunexpress) dürfte dann zwischen 40 und 50% liegen. Es droht immer noch, das mit Air Berlin der heute bedeutendste Wettbewerber aus dem Markt fällt.


Die Chancen überwiegen jedoch eindeutig den Risiken. Jetzt nicht zu handeln heißt eine Chance verpassen, die dann ein anderer Investor realisiert. Hinzu kommt, daß Condor ein gut geführtes und gemanagtes Unternehmen ist, mit vergleichbarer Unternehmenskultur. In Ermangelung besserer Angebote jetzt zuschlagen, bevor es andere tun. Man kann jedoch nicht alle "Basket Cases" retten. Bei SAS hätte ich da meine Zweifel, aber das ist nur so ein Gefühl. Sollte Air Berlin jedoch vorher die Grätsche machen dürfte eine Übernahme der Condor wettbewerbsrechtlich bedenklich sein, solange kein anderer Wettbewerber die Lücke schließt. Letzteres wird jedoch im Interesse der vielen dort Beschäftigten nicht passieren.


Dieser Beitrag wurde am 23.04.2016 11:22 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 23.04.2016 - 11:10 Uhr
Vielleicht mal zurück zu den Fakten...

Bis auf einzelne Ausnahmen ist die Condor-Flotte bereits geleast. Das betrifft nahezu alle Maschinen bis auf wenige Ausnahmen. Darüber kann man trefflich streiten. Hat eben seine Vor- und Nachteile aber macht ein gerade zu kleinen Zielen auf der Langstrecke sehr viel flexibler als wenn man die Flieger komplett "am Hacken" hätte. Vor allem wenn die Leasingraten vielleicht nur ein Viertel derer eines neuen Fliegers ausmachen. Das muss ein neues Flugzeug erstmal erwirtschaften und solange die Linie von Boeing noch existiert und Flugzeuge neu gebaut werden, muss man um Ersatzteile auch keine große Sorge haben.

Nebenbei wäre es im Falle von vielleicht irgendwann mal kriselnden Märkten von Vorteil geleaste Flugzeuge zu haben. Diese wären selbst bei eigentlich langen Laufzeiten reichlich einfacher abzutreten als ganze Flugzeuge in Momenten, in denen wahrscheinlich dann aufgrund der Situation plötzlich viele Flugzeuge auf den Markt geben und los werden möchten.


Wieso sollten geleaste Flugzeuge "einfacher abzutreten sein". Das Gegenteil ist der Fall. Die Flugzeuge hat man so lange an der Backe, wie der Leasevertrag läuft. Und je kürzer die Laufzeit ist, desto höher sind die Leaseraten. Eigene Flugzeuge hingegen, kann man zu jedem Zeitpunkt veräußern.

Eins muss doch klar sein: Beim Leasen will immer noch ein Dritter Geld verdienen.


Zum Flottenalter sei gesagt, dass die D-AIPA der Lufthansa die Zeit des Mauerfalls fast noch live miterlebt haben mit einem letztlichen Lieferdatum am 16.10.1989, gebaut noch etwas früher.

Das muss man alles im Kontext sehen und kann nicht einfach wie beim Gebrauchtwagenkauf einzig auf die Zahl blicken.

Genau aus diesem Grund muß Lufthansa auch wirtschaftlicher werden, denn das Erhalten des heutigen Flottenalters alleine bedarf schon einer Umsatzrendite von ca. 8%. Hat Ex-VV Franz jedenfalls mal gesagt.

Dieser Beitrag wurde am 23.04.2016 11:11 Uhr bearbeitet.


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