Angst vor US-Strafen
Älter als 7 Tage

Niemand will die Mega-Deals mit Iran finanzieren

PARIS - Von A320 bis A380 ist alles dabei - Iran Air ersetzt ihre überalterte Flotte mit 118 neuen Flugzeugen von Airbus und bestellte auch 40 ATR 72-600. Der gesamte Lufthansa-Konzern wittert im Iran ebenfalls gute Geschäfte. Alle im ersten Goldrausch vereinbarten Deals teilen jedoch eine Achillesferse.

Europäische Unternehmen, die wieder in den Iran zurückkehren, müssen dabei auf ihre Lieblingsbanken verzichten.

Vor weniger als zwei Jahren stimmte BNP Paribas der Zahlung einer Rekordstrafe von 9 Milliarden Dollar in den Vereinigten Staaten zu, teilweise für Geschäfte mit dem Iran. Gegenwärtig sind die meisten der großen Banken auf dem Kontinent nicht willens auch nur in die Nähe eines Geschäfts mit Bezug zum Iran zu geraten.

Sie befürchten, dass sie gegen bestehende US-Sanktionen gegen das Land verstoßen könnten. Das hat den Weg für Banken aus China und den Staaten am Persischen Golf geöffnet sowie für europäische Institute wie die belgische KBC Groep, die ein Stück von dem Geschäft mit der Finanzierung von Unternehmensinvestitionen im Iran abhaben wollen.

Die Zurückhaltung der Banken verkompliziert die Angelegenheit für Konzerne wie Airbus, die vom Wachstum im Iran profitieren wollen. Das Finanzierungsproblem hat sich zu einem finanziellen Krisenherd der Diplomatie entwickelt.

Iran-Air-CEO Farhad Parvaresh und Airbus-Chef Fabrice Brégier
Iran-Air-CEO Farhad Parvaresh und Airbus-Chef Fabrice Brégier, © Airbus

In Frankreich hat die Regierung aus Sorge, dass Unternehmen Exporte verlieren könnten, Gespräche mit dem im Finanzministerium angesiedelten Office of Foreign Assets Control begonnen. Paris erhoffe sich davon die Zusage, dass Banken Geschäfte tätigen können, ohne gesetzliche Nachteile zu befürchten, sagen zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen.

"Banken wollen maximale Sicherheit", sagt Tanguy Coatmellec, Partner des Finanzsektor-Beratungsteams bei Ernst & Young. "Ein Großteil des Risikos ist wirklich die langfristige politische Position der USA. Entweder werden Finanzierungsmethoden gefunden oder diese Verträge werden nicht abgeschlossen."

Nuklear-Sanktionen

Die französische Société Générale, die Deutsche Bank, die Credit Suisse Group, die ING Groep und die britische Standard Chartered gehören zu den großen europäischen Banken, die sagen, sie seien noch nicht bereit, mit dem Iran Geschäfte zu tätigen.

Die Vereinigten Staaten, Russland und europäische Länder haben im Januar eine Reihe von Wirtschaftssanktionen aufgehoben für eine Vereinbarung mit dem Iran, er werde seine Nuklear-Aktivitäten eindämmen.

Dennoch bleiben erhebliche Restriktionen bezüglich des Irans, um Terrorismus-Unterstützung, Menschenrechtsverletzungen und die Entwicklung von ballistischen Raketen zu bekämpfen. Ein wichtiges Verbot betrifft in Dollar denominierte Handelsgeschäfte im Zusammenhang mit dem Iran, was die meisten großen europäischen Banken abschreckt.

Iranische Offizielle drängen die USA, die Banken bezüglich des Eingehens von Geschäften mit dem Iran zu beruhigen. Der iranische Notenbankgouverneur Valiollah Seif sagte im vergangenen Monat gegenüber Bloomberg Television, dass das OFAC vom US-Finanzministerium Richtlinien herausgeben solle, um europäische Banken zu einer offeneren Haltung gegenüber dem Iran zu ermutigen.

Die USA werden daran arbeiten, die bestehende "Verwirrung” unter einigen ausländischen Banken zu klären, sagte Außenminister John Kerry am 22. April vor einem Treffen mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammad Javad Zarif.

Französische Unternehmen haben am aggressivsten Iran-Geschäfte verfolgt. Mehr als ein Dutzend Spitzenmanager, darunter Vertreter von Airbus und Aeroports de Paris, flogen im vergangenen Monat mit Transportminister Alain Vidalies nach Teheran, als Air France die Iran-Verbindung nach einer achtjährigen Pause wieder aufnahm.

Französische Unternehmen haben in diesem Jahr Investitionen von mehr als 30 Milliarden Dollar im Iran zugesagt. Es bleibt aber unklar, wie die jüngsten Geschäftsabschlüsse Bankenfinanzierung erhalten werden.

Operationelle Risiken

"Die Lage ist noch etwas unausgereift, um dort eine Position zu haben", sagte BNP Paribas-Finanzvorstand Lars Machenil am Dienstag in einem Interview mit Bloomberg Television auf die Frage, ob die Bank plane, Geschäftsabschlüsse von Unternehmen mit dem Iran zu finanzieren.

Klärung sei nötig bezüglich der Bedingungen für die Finanzierung von Iran-Geschäften, sagte er. Unternehmen "können mit ihrer eigenen Finanzierung voranschreiten" oder andere Wege der Finanzierung anstreben wie lokaler Finanzierung.

Société Générale plane keine Neuauflage von Aktivitäten im Iran angesichts der weiterhin bestehenden Unsicherheiten, teilte die Bank am Donnerstag in einer Erklärung mit. "Die Unterschiede zwischen europäischen und amerikanischen Vorschriften haben zu starken operativen Risiken für Finanzinstitute geführt", sagte die Bank.

Bei den jüngsten Geschäfts-Delegationen nach Teheran fehlten daher größtenteils Top-Manager bedeutender europäischer Banken. Eine Ausnahme war der Teheran-Besuch von Mediobanca CEO Alberto Nagel im April im Rahmen einer italienischen Gruppe unter der Führung von Ministerpräsident Matteo Renzi.

Die größte börsennotierte Investmentbank des Landes gehörte auch zu einer Gruppe von in Italien ansässigen Banken, darunter die Italien-Tochter der Credit Suisse Group, die im November eine Delegation in den Iran entsandte.

US-Strafen


Kleinere Institute füllen teilweise die Lücken. Das belgische Kreditinstitut KBC beschloss jüngst, "gut etablierte Kunden” aus seinem Heimatmarkt Europa "in ihrem aufrechten Handel mit dem Iran unter Respektierung aller US- und EU-Vorschriften" zu unterstützen, teilte die Bank per E-Mail mit.

Angesichts des Umfangs der von den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren verhängten Strafen ziehen es große Banken mit Dollar-Aktivitäten vor, nicht an den iranischen Markt zurückzukehren, solange nicht klar ist, wer der nächste US-Präsident sein wird.

Auch haben republikanische Kandidaten gedroht, das Nuklear-Abkommen wieder zurückzudrehen, sagt Coatmellec von Ernst & Young. "Es wird schwierig werden, große massive Projekte zu finanzieren, während kleinere möglicherweise Finanzierungen finden werden", erläuterte er.

Gerade für Airbus hängt viel von der Finanzierung solcher Großvorhaben ab - Investitionen in Airports und das ATC-System sind die Voraussetzung dafür, dass der Iran mit einer großen zivilen Flotte auf die Bühne der Weltluftfahrt zurückkehren kann.
© aero.de, Bloomberg | Abb.: Airbus | 06.05.2016 10:51

Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich bei aero.de registrieren oder einloggen.

Beitrag vom 07.05.2016 - 13:53 Uhr
Dieses Land der größten Verbrecher der Erde sollte an die Indianer zurück gegeben werden.
Ihnen ist aber schon klar das es Europäer waren die den Indianerstämmem begonnen haben das Land wegzunehmen.
Genauso wie in Südamerika.
Und von wo die größten Verbrechen der Menschheit ausgegangen sind brauchen wir wohl nicht diskutieren.
Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Steinen werfen.
Wusste gar nicht das hier auch so viele Verschwörungstheoreetiker sich tummeln.
Ich stellte zwar eine gewisse Anti Boeing Mentalität fest aber jetzt weiß ich das da mehr dahinter steckt.
Manchmal habe ich das Gefühl so lange nicht die letzte US Fluggesellschaft keinen Airbus in der Flotte hat wird das hier ausgelegt als würden nur amerikanische Flugzeuge gekauft.
Dies gilt genauso für den Welthandel,die USA haben ein Defizit im Handel mit Europa und hier wird so geschrieben die USA wollen nur alles den anderen verkaufen.
Beitrag vom 07.05.2016 - 13:05 Uhr
Wenn man sich politisch schon nicht dem Staatsterrorismus des Washingtoner Regimes entziehen kann (besser gesagt möchte), wäre es seitens der Europäer bestimmt wünschenswert und auch möglich sich vom Wirtschaftsterrorismus dieses unsäglichen Welthilfssherifs mit einem lang angelegten Masterplan unabhängiger zu machen.
Wie können sich gestandene Unternehmen auf Dauer nur diesen terroristischen US-"Gesetzen" unterwerfen...?!?
Beitrag vom 07.05.2016 - 09:04 Uhr
Der sog. Finanzmarkt ist die Atombombe des 21. Jahrhunderts. Da kann man ganze Völker und Regionen versklaven, ohne das man einen tot schießen muss. Leider sitzen Verbrecher am Drücker bzw. Auslöser. Wir haben es aber so gewollt, weil wir alles akzeptieren wenn man uns nur genug Angst um unsere eigenen Spargroschen macht.


Stellenmarkt

Schlagzeilen

aero.uk

aero.ukWe spread our wings to the UK. Visit aero.uk for British aviation news from our editors.

schiene.de

Meistgelesene Artikel

Community

Thema: Pilotenausbildung

PaxEx.de Passenger Experience

FLUGREVUE 02/2023

Shop

Es gibt neue
Nachrichten bei aero.de

Startseite neu laden