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Insider: Lufthansa hat ein Bereederungsproblem

Lufthansa Airbus A320neo
Lufthansa Airbus A320neo, © Deutsche Lufthansa AG

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FRANKFURT - Der faktische Einstellungsstopp in den Cockpits der Lufthansa bleibt offenbar nicht ohne Folgen für die Bereederung der Flotten. Carsten Spohr korrigierte die Kapazitätsprognose für den Sommer nach unten und will drei A340 parken. Bald sollen A320-Kapitäne auf der Langstrecke aushelfen.

"Es gibt im Markt zu viel Kapazität", begründete Spohr gegenüber "Bloomberg" die Abkehr vom bisherigen Ausbauplan 2016. Im Konzern vermutet man allerdings, dass sich das Management bei der Personalplanung für Cockpit und Kabine grob verkalkuliert haben könnte.

Einige A340-600 seien bereits "auf Malta und in Spanien" abgestellt, sagte uns ein Lufthansa-Insider. Eurowings hole ausgeliehene A320 derzeit nicht zurück, da die Flieger derzeit auch hier nicht bereedert werden könnten. "Extreme Bereederungsprobleme" gebe es auch auf der Langstrecke.

Allem Anschein nach hat Eurowings tatsächlich Schwierigkeiten, Personal für ihre A330-Cockpits zu gewinnen. In einer konzerninternen Stellenausschreibung (liegt aero.de vor) wendet sich Lufthansa aktuell an Germanwings A320-Kapitäne.

Bis zu 20 Kapitäne der Germanwings GmbH will Lufthansa ab 01. Oktober auf A330 schulen und "im Wege der Arbeitnehmerüberlassung" zunächst für 18 Monate an Sunexpress Deutschland ausleihen, die für Eurowings Langstrecke fliegt. Eine monatliche "Mobilitätszulage" von 800,00 Euro ist Teil des Pakets.

Da Lufthansa im laufenden Tarifkonflikt mit der Vereinigung Cockpit (VC) keine neuen Piloten zu konzerntariflichen Konditionen anstellt bleibt offen, wie die 20 Kapitäne in der A320-Flotte ersetzt werden.

"Hoher Druck auf die Personalsituation"

Es gebe "hohen Druck auf die Personalsituation" in den Cockpits, schätzte VC-Sprecher Markus Wahl am Freitag gegenüber aero.de die Lage ein. Bereits vor den Sommermonaten berichteten Piloten von hoher Arbeitsbelastung und "Überstunden am Limit".

Dabei stünden Lufthansa hunderte an der Konzernflugschule ausgebildete Nachwuchspiloten zur Verfügung, die jederzeit anfangen könnten.

Von ähnlicher Belastung berichten die Flugbegleiter. Lufthansa wird in der Economy Class der Airbus A330 und Boeing 747-400 von Juni bis September einen Flugbegleiter pro Flug weniger einsetzen und begründete dies am Dienstag mit einem "hohen Krankenstand beim Kabinenpersonal".

"Die Krankenquote ist genauso hoch wie sie die letzten zwei Jahre war", entgegnete Nicoley Baublies, Vorstand der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO. Tatsächlich habe Lufthansa bei Einstiegsgehältern von 1.380 Euro schlichtweg nicht genug neues Personal gefunden, um Flugbegleiterkurse zu füllen.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 13.05.2016 09:39

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Beitrag vom 20.05.2016 - 10:52 Uhr
Dazu muß ich nochmal ausholen.
Der kleine 50-Sitzer war, zusammen mit seinem größeren Bruder, in den 90er Jahren ein richtiger Goldesel. LH hatte über 60 dieser Flugzeuge. Dann kamen aber die LCC in Europa auf (ab 2003) und dieser Flugzeugtyp mutierte vom Goldesel zum Milliardengrab. Durch die Halbierung der Ticketpreise auf den typischen Strecken des CRJ haben diese Flugzeuge im letzten Jahrzehnt in Summe einen Verlust von fast 1.000.000.000 Euro zusammen geflogen.
Das klang aber zwischenzeitlich aber mal ganz anders! Ich meine mich zu erinnern, dass CLH im letzten Jahrzehnt lt. Geschäftsbericht die Cashcow des Konzerns war. Achtung Verschwörungstheorie: Komischerweise genau zu dem Zeitpunkt, als die variable Vergütung für die LH-Passagemitarbeiter umgestellt wurde...
Und dann, am Ende des Jahrzehnts (2009), wurde dann die Reissleine gezogen und größere Flugzeuge gekauft.
Und nochmal: Ich habe nie bestritten, dass es sinnvoll ist größere Flugzeuge zu betreiben, wenn man sie denn füllen kann. Die ganze Diskussion ging doch auch nicht darum, ob man größere Flugzeuge fliegt, sondern nur darum, wer und in welchem Flugbetrieb sie fliegen! Womit wir wieder beim heutigen Problem sind!
Also die Frage nach Henne und Ei ist ganz klar zu beantworten.
Das war ein eher rhetorische Frage;-)

Sie könnten einen Vorwurf erheben, dass das Management die Gefahr der LCC zu spät erkannt hat. Da ist sicher was dran, aber nachher ist man immer schlauer.
Selbst hier im Forum wird die Gefahr für LH immer noch klein geredet (z.B. beim parallelen FRAPORT-Thread oder auch hier bei der Erwähnung von EW). Das ist wahrscheinlich eine typische Lufthansa-Arroganz, und ich weiß, wovon ich rede, bin ich doch, im Gegensatz zu Ihnen, eine Lufthansa-Mitarbeiter.


Ändert nichts daran, dass die Flieger damals ohne eine ensprechende tarifliche Regelung eingeflottet wurden.

Das kann sein, aber mit tariflicher Einigung wären die Flugzeuge mangels Wirtschaftlichkeit wahrscheinlich gar nicht gekauft worden und die "gut funktionierende Airline mit LH-Logo, die den dezentralen Verkehr ziemlich effizient mit kleineren Flugzeugen abgewickelt hat" wäre schon seit sechs Jahren Geschichte.
Da gab und gibt es genügend Lösungen, die mal an der einen, mal an der anderen Seite gescheitert sind. DAS kann man meinetwegen als Lufthansa-Arroganz bezeichnen und zwar auf allen Seiten. Aber ich bestreite weiterhin, dass es "nur" an den Piloten gescheitert ist.

Und das war und ist auch heute nicht notwendig, um die von Ihnen geforderte günstigere Kostenbasis zu bekommen. Und es betraf ja nicht nur Piloten, sondern auch Flugbegleiter und alles, was Sie vorher schon als notwendig für den Betrieb von Flugzeugen bezeichnet haben.

Deshalb hoffe ich jetzt, dass es möglich ist, alle Flugzeuge des LH-Konzerns zu ähnlichen Bedingungen bereedert werden können, damit die ewige Flucht vor Tarifen für eine gewisse Zeit gebremst wird!
Damit meine ich ausdrücklich nicht, dass dies nicht auch mal nach unten angepasst werden dürfen, aber eben dann für alle ein bißchen, anstatt für einige wenige extrem!
Das hat doch nichts mit Verschwörungstheorien zu tun...


Das nicht, aber die Andeutung, dass das Milliarden-Grab CRJ nicht aus wirtschaftlicher Notwenigkeit heraus beendet wurde, schon.
Das war so auch nicht gemeint.
Allerdings ist für mich die wirtschaftliche Notwendigkeit vergleichbar mit Alternativlosigkeit. Beides halte ich für ein Märchen, bzw. sehr weiträumig interpretierbar;-)
Notwendig wären kreative Lösungen mit der alle Seiten leben können, damals, wie heute...
Beitrag vom 19.05.2016 - 19:15 Uhr
Und hier sehen wir im Grunde wieder, dass Herr Spohr ein guter Kapitän sein mag, aber eben kein Unternehmensführer. Er kann es einfach nicht.

Als HON Fliege ich praktisch jeder Woche 2-3x. Und die meisten Maschinen sind gut ausgelastet um nicht zu sagen komplett voll.

Als Aktionär muss ich mir die Frage stellen warum wir Umsatz nicht realisieren, den wir relativ einfach machen könnten. Nur weil man kein Personal findet oder mit der VC im Dauerstreit liegt. Das ist sehr sehr peinlich.

Vorsicht, nicht alles so glauben, was man in den Medien, oder auch hier, liest. LH hat ein ziemlich fortschrittliches Yiel Mgtmt System, da wird schon ziemlich optimal abgeschöpft. Das Problem ist, wir produzieren zu teuer, es bleibt zu wenig hängen. Was das personal angeht, ist nicht das "finden" das Problem. Es wurde lange nicht gesucht, jetzt braucht man zuviel auf einmal. Bei der Kabine berwerben sich im Schnitt 1000 im Monat. München hat hier besser entschieden, hat genug Personal und keine Knappheit, eng, aber nicht knapp. FRA war hier vorsichtiger und zahlt den Preis. Der Verantwortliche dafür ist nicht mehr da, warum auch immer. Gleiches gilt für Cockpit, es wurde nicht gesucht, Ausgebildete stehen Schlange, werden aber nicht eingstellt. Also man findet schon, wenn man sucht.
Beitrag vom 19.05.2016 - 16:41 Uhr
Und hier sehen wir im Grunde wieder, dass Herr Spohr ein guter Kapitän sein mag, aber eben kein Unternehmensführer. Er kann es einfach nicht.

Als HON Fliege ich praktisch jeder Woche 2-3x. Und die meisten Maschinen sind gut ausgelastet um nicht zu sagen komplett voll.

Als Aktionär muss ich mir die Frage stellen warum wir Umsatz nicht realisieren, den wir relativ einfach machen könnten. Nur weil man kein Personal findet oder mit der VC im Dauerstreit liegt. Das ist sehr sehr peinlich.

Wissen Sie, der Umsatz ist nicht das Problem, die Rendite ist es!


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