Trendwende
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Flughafen Wien, ein Lufthansa-Hub mit Ablaufdatum?

WIEN - Der Flughafen Wien hält seinen Erfolgskurs, zunehmend jedoch als Ziel und Quellmarkt. Lufthansas wichtigste Osteuropa-Drehscheibe ist längst nach München umgezogen. In den Terminals am VIE herrscht zwar Hochbetrieb, lange Warteschlangen an den Non-Schengen-Checkpoints werden aber selten.

Dem Passagewachstum von 2,3 Prozent steht auch im Winterquartal 2016 ein kräftiger Rückgang im Transitgeschäft gegenüber. Während die Lokalnachfrage um 4,3 Prozent zunahm, schrumpfte das Aufkommen bei den Umsteigern um 3,3 Prozent.

Deutlicher wird der Wandel noch bei Betrachtung der Quell- und Zielmärkte. Westeuropa wuchs um 3,9 Prozent, Osteuropa gab dagegen um 6,7 Prozent nach. Mehr als die Hälfte der Osteuropa-Kapazität der Lufthansa-Gruppe wird inzwischen über Frankfurt und München angeboten, je ein Fünftel dezentral (Germanwings) beziehungsweise über Wien (Austrian).

Starker Gegenwind kommt auch von der Konkurenz. Nahezu gleichauf mit der Lufthansa Gruppe liegen in Osteuropa die Günstigairlines Wizz Air und Ryanair. Im Vorjahr betrug ihr regionales Angebot zusammen bereits das Zehnfache der Austrian.

VIE Terminal 3 (Skylink)
VIE Terminal 3 (Skylink), © Flughafen Wien - Roman Boenisch

Wachstumtreiber war in Wien wieder der Nordatlantikverkehr. Mehr Angebote von Austrian brachten im Winterquartal dort eine Steigerung von 17,2 Prozent.

Leicht rückläufig blieb das Passagegeschäft hingegen im April. Aufgrund der Osterfeiertage im März, Streiks in Deutschland und Effekte der Terroranschläge in Brüssel sank das Gesamtaufkommen im Vormonat um 3,4 Prozent auf 1,85 Millionen Passagiere. Das Transitaufkommen sank überproportional um 7,9 Prozent und hält anteilig aktuell bei 26 Prozent.

Seit Jahresbeginn nutzten insgesamt rund 6,25 Millionen Fluggäste den Flughafen, dies entspricht einem leichten Plus von 0,5 Prozent. Über das Jahr zeigt sich das VIE-Management jedoch zuversichtlich das Jahresziel von bis zu 2 Prozent zu erreichen.

Starkes Quartalsergebnis

Dank Passagewachstum und höherer Handling-Erträge stieg der Umsatz um 1,4 Prozent auf 142,7 Millionen Euro. Bereinigt um 52 Millionen Euro schwere Einmaleffekte aus der Erhöhung der FWAG-Anteile am Flughafen Malta und deren Neubewertung beträgt das EBITDA 56,8 Millionen (plus 3,0 Prozent), das EBIT 24,5 Millionen (plus 6,3 Prozent) und das Nettoergebnis 14,8 Millionen (plus 5,0 Prozent).

Entsprechend wird der Flughafen seine Ausbaupläne selber finanzieren, unter anderem in die Erweiterung der Airport City. Dort sollen auch ein zweites Hotel und neue Logistikbereiche entstehen. Allein heuer will die FWAG 95 Millionen Euro investieren.

Fokus Wien statt Fokus Ost

Nach der schrittweisen Verlagerung traditioneller Regionalverkehre nach München, vor allem aus dem Raum Osteuropa, zeichnet sich am Standort tendenziell ein Marktwechsel ab.

Der schleichende Übergang von einem Regionalhub der Lufthansa-Gruppe zur Fokusdestination spiegelt sich inzwischen auch in den kürzlich vorgestellten Ausbauplänen der FWAG wieder. Statt der (plangemäßen) Erweiterung des im Juni 2012 eröffneten Star-Alliance-Terminals beschloss die FWAG im März eine Renovierung des Altterminals. Dazu steht ein Budgetrahmen von 500 Millionen Euro zur Verfügung.

Nach Modernisierung des derzeit geschlossenen Terminals 2 soll der Flughafen über eine Jahreskapazität von 35 Millionen Passagiere verfügen. Aktuell hält der VIE bei 23 Millionen Fluggästen, rund ein Viertel davon sind Umsteiger - mit rückläufiger Tendenz.

Keine Priorität hat derzeit der Neubau einer Parallelpiste im Süden des Geländes, der Verkehr auf dem bestehenden Zwei-Pistensystem ging auch im Vorjahr leicht zurück (um 1,7 Prozent), ebenso die Auslastung der Flugzeuge. 

Abwartend verhält sich auch Homecarrier Austrian beim Ausbau seiner Langstreckenflotte. Anders als bei der Premium-Schwester Swiss steht Austrian für neue Langstrecken erstmal kein zusätzliches Gerät zur Verfügung. Die dazu nötige Kapazität konnte nur durch Herunterfahren des Bestandangebots geschaffen werden. So mussten den Neuzielen Miami, Havanna, Colombo, Mauritius, Shanghai und Hongkong  ertragschwache Traditionssziele wie Delhi und Tokio weichen, teils im Tausch mit Star-Alliance-Partnern (Air India).

Vorrang hat der Umbau der Kurz- und Mittelstreckenflotte. Bis Mitte 2017 werden bei Austrian 17 Embraer 190-Jets die veraltete Fokker-Flotte ersetzen. Um zwei Einheiten aufgestockt wurde auch die Airbus-Flotte, zusätzlich zu temporär angemietetem Gerät von Condor und Nordica (Adria).

Deutliche Zuwächse verzeichnet der Airport bei den Günstigairlines. Easyjet, Jet2, Transavia und Vueling haben ihr Angebot seit letztem Herbst kräftig ausgebaut, ebenso Lufthansas Europatochter Eurowings.
© Bob Gedat, aero.at | Abb.: Flughafen Wien | 21.05.2016 09:15


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