"DIE ZEIT"
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Ryanair gibt Eurowings und Air Berlin keine Chance

HAMBURG - Michael O`Leary, Chef von Europas größtem Günstigflieger Ryanair, prophezeit den deutschen Konkurrenten Eurowings und Air Berlin das baldige Ende. Kritik an Beschäftigungsstandards bei Ryanair lässt O`Leary im Interview mit der Hamburger Wochenzeitung "DIE ZEIT" nicht gelten.

Die Lufthansa-Billigtochter Eurowings sei "zum Scheitern verurteilt", weil sie "nicht mit unseren Preisen mithalten kann", sagt O`Leary. Die Lufthansa werde Eurowings "in drei oder vier Jahren (...) dichtmachen oder verkaufen".

Air Berlin wiederum habe "keinen strategischen Kurs". Ihr größter Eigentümer Etihad Airways aus Abu Dhabi werde seine Anteile an der verlustträchtigen Gesellschaft (450 Millionen Verlust allein im vergangenen Geschäftsjahr) in ein paar Jahren an Lufthansa verkaufen lassen.

Der 55-jährige Ire prognostiziert, schon innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre werde Ryanair Air Berlin als Nummer zwei in Deutschland überholen.

Ryanair
Ryanair-Vorstandschef Michael O'Leary unterstützt den Verbleib Großbritanniens in der EU, © Ryanair

Ryanair kehrt seit vergangenem Jahr mit hoher Dynamik in den deutschen Flugmarkt zurück, nachdem die Airline ihre Präsenz in Deutschland nach Einführung der Luftverkehrssteuer in den letzten Jahren zunächst zurückgefahren hatte.

"Implosion von Air Berlin"


"Wir sind nach wie vor gegen die deutsche Steuer", erklärt O`Leary. "Aber was sich in den vergangenen zwei Jahren Grundlegendes verändert hat, ist die Implosion von Air Berlin. Sie bewirkt, dass die meisten deutschen Flughäfen uns Rabatte dafür anbieten, dass wir sie nutzen. Jemand muss in die Bresche springen."

In den nächsten fünf bis acht Jahren will Ryanair ihre Passagierzahl von derzeit 106 Millionen auf rund 180 Millionen Fluggäste pro Jahr steigern. "Wir wollen die zweitgrößte Fluggesellschaft in Deutschland hinter der Lufthansa werden. Wir wollen die größte in Großbritannien, die größte in Italien, die größte in Spanien sein."

Nach einem Rekordgewinn von 1,24 Milliarden Euro im letzten Geschäftsjahr kann Ryanair die Konkurrenz über den Ticketpreis vor sich her treiben. "Unser mittlerer Ticketpreis beträgt 47 Euro, aber wir träumen, ihn in fünf Jahren auf vielleicht 25 Euro herunterzukriegen", sagt O`Leary. "Ich hoffe auf einen Preiskrieg."

Seit seinem Amtsantritt vor gut zwei Jahren versuche Lufthansa-Chef Carsten Spohr unter den Marken Eurowings und Germanwings verstärkt preisgünstigere Flüge anzubieten. Das werde aber nicht reichen, um gegen Ryanair zu bestehen. "Niedrige Kosten sind unsere Philosophie."

So habe Ryanair ihre Stückkosten in den vergangenen zwei Jahren um zwei Prozent senken können, obwohl die Airline auch größere Flughäfen öfter nutzt, um für Geschäftsreisende attraktiv zu werden.

"Wir haben das Geschäftsmodell geändert, aber nur für etwa 30 Prozent unserer Passagiere", erklärt O`Leary dazu. "70 Prozent reisen noch zu kleinen Flughäfen."

O`Leary verteidigt Bereederungsmodell


Kosten in Cockpits und Kabine hält Ryanair zumindest auch mit fragwürdigen Beschäftigungsmodellen niedrig. "Wir versklaven die Piloten im Alter von sieben Jahren, wir geben ihnen kein Essen, sie werden nackt ins Cockpit eingesperrt", überspitzt O`Leary die regelmäßige Kritik von Gewerkschaften.

Zwar seien die meisten Co-Piloten bei Ryanair als "Auftragnehmer" beschäftigt, räumt O`Leary ein. Im Schnitt zahle Ryanair den Co-Piloten aber "zwischen 65.000 und 75.000 Euro pro Jahr (...) und nach drei Jahren werden sie Kapitäne".

"DIE ZEIT" recherchierte einen Pilotenvertrag aus dem Jahr 2014, der ein Grundgehalt von weniger als 21.000 Euro vorsah. "Unsinn, Unsinn, Unsinn", meint O`Leary dazu. Einen Blick auf den Vertrag wollte der Ryanair-Chef nach dem Interview vorsichtshalber aber doch nicht werfen.

Das komplette Interview mit Michael O`Leary erscheint in der aktuellen Ausgabe (Mittwoch) der Hamburger Wochenzeitung "DIE ZEIT".
© aero.de | Abb.: Ryanair | 24.05.2016 16:38

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Beitrag vom 27.05.2016 - 12:14 Uhr
Nicht unbedingt - das deckt sich mit der Aussage von Pichler, dass AB bei einer Auslastung von 80% an sich profitabel sein müsste.
Wieviel Geld fliesst von AB wohl direkt oder indirekt nach Abu Dhabi?
Ausserdem: Klappern gehört zum Geschäft und Hogan ist doch ein Top-Mann im Airline-Geschäft. Der zieht doch keine Nieten!


Beitrag vom 27.05.2016 - 12:08 Uhr
das klingt ziemlich ungaublich
Airberlin macht 500 Mill Miese und beschert Emirates 500 Mill Gewinn
 http://www.morgenpost.de/wirtschaft/article207609021/Wie-die-Scheichs-an-Air-Berlin-verdienen.html


Emirates ist nicht Etihad.Das sind zwei Paar Stiefel.
Beitrag vom 27.05.2016 - 11:37 Uhr
das klingt ziemlich ungaublich
Airberlin macht 500 Mill Miese und beschert Emirates 500 Mill Gewinn
 http://www.morgenpost.de/wirtschaft/article207609021/Wie-die-Scheichs-an-Air-Berlin-verdienen.html


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