Ohne Yangtze River Express?
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Käufer von Flughafen Hahn gibt Rätsel auf

Boeing 747-481F von Yangtze River Express
Boeing 747-481F von Yangtze River Express, © Alan Lebeda, GFDL 1.2

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PEKING / HAHN - Der Verkauf des Hunsrück-Flughafens Hahn an Chinesen gibt Rätsel auf. Auch nach dem Kauf des verschuldeten Airports durch eine Firma aus China hat die chinesische Luftfrachtgesellschaft Yangtze River Express nach den Worten ihres leitenden Marketing-Managers keine Pläne, den Airport Hahn wieder anzufliegen.

"Die Kundennachfrage war rückläufig, deswegen haben wir die Kooperation beendet", sagte Wang Bo am Mittwoch telefonisch der Deutschen Presse-Agentur in Peking. Mit dem Rückzug der Airline 2015 war das Frachtgeschäft in Hahn eingebrochen.

Das rheinland-pfälzische Innenministerium hielt dagegen: Die Shanghai Yiqian Trading Company (SYT), die den Flughafen kaufen will, habe Erklärungen vorgelegt, nach denen Yangtze River Express nach diesem Deal an den Hahn zurückkehren wolle. "Das letzte Schreiben datiert vom 20. Mai 2016 und ist von Herrn Zhong Peng, Präsident Cargo Business, Yangtze River Express, unterzeichnet", teilte das Ministerium in Mainz mit.

Yangtze-Marketing-Manager Wang Bo sagte dagegen der dpa, von der SYT oder ihrem Generalbevollmächtigten Yu Tao Chou, der sich am Montag am Hahn der Öffentlichkeit präsentiert hatte, habe er noch nie gehört. Chou hatte erklärt, er wolle nach der Übernahme des Flughafens das Frachtgeschäft ausbauen und Yangtze River Express wieder zum Hahn zurückholen. Er gab an, als Cargo-Pilot für die Airline in den Hunsrück geflogen zu sein.

Der Leiter der Personalverwaltung der Gesellschaft, Yu Yang, kannte die Firma SYT nach eigenen Angaben nicht, bestätigte aber nach Prüfung der Akten, dass Chou als Pilot für Yangtze River Express geflogen und immer noch bei der Airline angestellt sei. Chou habe allerdings keinen chinesischen Pass, sondern sei Taiwanese. "Er ist weiter Pilot unserer Airline", sagte Yu Yang. Die SYT teilte wiederum mit, Chou sei Staatsbürger von Singapur und habe auch keinen anderen Pass.

"Wir haben keine Pläne, wieder nach Hahn zu fliegen", betonte der leitende Marketing-Manager Wang Bo. "Ich habe niemals von dieser Firma SYT oder diesem Yu Tao Chou gehört." Die Firma ist seit dem 4. November 2013 mit einem registrierten Kapital von 500 000 Yuan, umgerechnet 67 000 Euro, in Shanghai registriert, scheint in China aber weitgehend unbekannt zu sein.

Nach Angaben des Käufers Chou wird er von Shanghai Guo Qing Investment Co. mit Sitz in der ostchinesischen Hafenmetropole unterstützt. Es wurde der deutschen Seite als ein "führendes Unternehmen" in inländischen Bauprojekten beschrieben. Mehrere chinesische Branchenkenner in Shanghai, die auch im Flughafenbau tätig sind, hatten von der Firma allerdings noch nichts gehört.

Der Käufer gab ferner an, mit einer Guo Qing Qin Huang Island genannten Firma für Baumaterial und Transport zu kooperieren, die als Experte für Unternehmungen und Dienstleistungen im Flughafenbereich dargestellt wurde. Auch dieses Unternehmen war den Insidern nicht bekannt. Zudem waren im chinesischen Internet keine Informationen über diese Firma zu finden. Die SYT sprach allerdings von einem "bedeutenden chinesischen Baukonzern" mit rund 1000 festangestellten Mitarbeitern.

Beobachter in Peking wiesen darauf hin, es sei auffällig, dass die staatlich kontrollierten chinesischen Medien bislang nicht über den prominenten Deal berichtet hätten. Das rheinland-pfälzische Innenministerium listete dagegen am Mittwoch im Detail Gesellschafter und offizielle Daten der SYT und der mit ihr verbundenen Investorengesellschaften auf.

Hessen verhandelt trotz allem weiter wie geplant über den Verkauf auch seiner Anteile von 17,5 Prozent an dem Hunsrück-Airport. "Das beeinflusst uns nicht, es läuft alles nach Plan", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Wiesbaden. Im Gegensatz zu Rheinland-Pfalz, das bereits einen Kaufvertrag über seine 82,5 Prozent mit der SYT unterschrieben hat, will Hessen dem Hahn auch künftig keine Subventionen zahlen. Für Rheinland-Pfalz dagegen steht beim einzigen größeren Flughafen im eigenen Land viel mehr auf dem Spiel.

Der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionsvize Alexander Licht sagte über das Hahn-Veräußerungsgesetz, das für den Mainzer Landtag angekündigt ist, damit sei zu fragen, "ob nicht Rot-Grün der FDP eine Fußfessel anlegt". Seit Mai hat Rheinland-Pfalz eine Ampel-Koalition. Licht hofft nach eigenen Worten, dass der Hahn-Verkauf nicht in einer "kalten Enteignung der Steuerzahler" ende. Der Kaufpreis soll im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen. Drei Landtagsausschüsse debattieren an diesem Donnerstag über den Deal.
© dpa-AFX | Abb.: Alan Lebeda, GFDL 1.2 | 09.06.2016 07:41

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Beitrag vom 09.06.2016 - 13:11 Uhr
@Aero.de

Singapur?

Gestern schrieb n-tv.de er wäre Taiwanese.
" Der Leiter der Personalverwaltung der Gesellschaft, Yu Yang, kannte die Firma SYT auch nicht, bestätigte aber nach Prüfung der Akten, dass Chou als Pilot für Yangtze River Express geflogen und immer noch bei der Airline angestellt sei. Chou habe allerdings keinen chinesischen Pass, sondern sei Taiwanese. "Er ist weiter Pilot unserer Airline", sagte Yu Yang."

 http://www.n-tv.de/wirtschaft/Airline-will-nicht-zurueck-nach-Frankfurt-Hahn-article17887046.html

Gibt es jetzt sogar Unklarheiten welche Staatsangehörigkeit der Herr Chou hat?
Beitrag vom 09.06.2016 - 11:41 Uhr
Genau wie ich es vorhergesagt habe. Wie naiv sind unsere Politiker eigentlich?
Beitrag vom 09.06.2016 - 10:23 Uhr
Wie war das noch mit Parchim....
Die SPD im RP hat wohl nichts aus dem Nürburgring-Geschäft gelernt...
Die Kollegen in MeckPom konnte man wohl auch nicht fragen - das wäre für beide zu peinlich!
KPMG hat sicherlich geprüft - aber nur nach den Vorgaben der SPD vor Ort!

Nachtrag: Auch der Verkäufer gibt Rätsel auf!

Dieser Beitrag wurde am 09.06.2016 10:27 Uhr bearbeitet.


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