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Boeing 747: Der Glanz einer Ikone verblasst

Lufthansa Boeing 747-8
Lufthansa Boeing 747-8, © Deutsche Lufthansa AG

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PARIS - Boeing schaut in die Zukunft – und sieht dort keine Passagierjets im Jumboformat. Weder für seine eigene kultige 747, noch für den Airbus A380. Der Flugzeugbauer hat die Kategorie für viermotorige Kolosse aus seiner jährlichen Prognose für den kommerziellen Flugzeugmarkt gestrichen.

Stattdessen sagt Boeing voraus, dass Airlines für Langstreckenflüge effizientere zweimotorige Flugzeuge wie die 787 Dreamliner und die 777X nutzen werden – oder ein mittelgroßes Flugzeug, das Boeing eventuell für ein EIS 2025 entwickeln wird.

Mit seiner Entscheidung spiegelt das Unternehmen nach eigenen Angaben die Realität auf dem 6.000 Milliarden US-Dollar schweren Flugzeugmarkt wider. In der Prognose für die kommenden zwei Jahrzehnte haben die sogenannten sehr großen Flugzeuge keinen Platz – denn es sei sehr unwahrscheinlich, dass die Nachfrage für diese Modelle wieder steigen wird.

Boeing und der europäische Hersteller Airbus haben bereits die Produktion ihrer größten Flugzeuge gedrosselt, da die Bestellungen zur Neige gingen. Und Boeing hat gemahnt, es könne aufhören, die Passagierversion 747-8 zu produzieren.

"Wir sehen keine große Nachfrage für ein richtig großes Flugzeug", sagte Boeing Marketingchef Randy Tinseth. "Wir können uns auch nicht vorstellen, dass Airbus alle verbliebenen A380 noch ausliefern wird, die sie im Auftragsbestand ausweisen."

Airbus sieht langfristig noch einen Markt für die Flugzeuge, auch wenn der Konzern 2016 keinen einzigen Verkauf der A380 verzeichnet hat. Toulouse sagt, dass Airlines größere Flugzeuge brauchen werden, da bald doppelt so viele Reisende fliegen und große Drehkreuze mit den zunehmenden Starts und Landungen überlastet sein werden – besonders in Asien und dem Nahen Osten.

Der europäische Hersteller hält einen Verkauf von 1.400 Stück der größten zivilen Flugzeuge im Wert von 454 Milliarden US-Dollar bis 2037 für möglich. Demgegenüber steht Boeings Prognose bei 80 Lieferungen in den kommenden 20 Jahren, die Tinseth auf der Paris Air Show abgegeben hat.

Leichtgewicht gegen Koloss

Bei Boeing endet also die Jumbo-Ära und der Flugzeugbauer sieht einen neuen Markt für mittelgroße Flugzeuge, die Komponenten der größten Flugzeuge mit einem Mittelgang und der kleinsten Flugzeuge mit zwei Gangreihen vereinen. Airbus vertritt einen anderen Standpunkt: das Unternehmen kündigte auf der Paris Air Show an, die A380 weiterzuentwickeln und hofft so, eines Tages die Zahl der Bestellungen wieder anzukurbeln.

"Sie setzen auf groß und schwer, wir auf klein und effizient", sagte der Vizepräsident und Chefmanager der Flugzeugentwicklung bei Boeing, Mike Delaney. "Wir werden in hohem Bogen an unseren Wettbewerbern vorbeiziehen."

Airbus ist dabei, das A380-Design zu verfeinern: die Entwickler fügen 4,7 Meter hohe Winglets hinzu und arbeiten daran, den Spritverbrauch um vier Prozent zu verringern. Tinseth hält nichts von dieser Strategie. "Ein Flugzeug, das einfach zu groß ist, mit Winglets auszustatten, macht das Flugzeug nicht kleiner", sagte er.

Das mittelgroße Modell, das Boeing gerade entwickelt, soll zwischen 220 und 270 Reisende aufnehmen und etwa 9.260 Kilometer weit fliegen. Ziel ist es, den Markt für Flugzeuge anzukurbeln, die große Drehkreuze meiden und stattdessen kleinere Städte miteinander verbinden, die auf Routen liegen, die bisher nicht so recht für die gängigen Flugzeuge geeignet sind: etwa von Washington nach Prag, von Japan nach Indien oder innerhalb Chinas "Goldenem Dreieck" Shanghai, Guangzhou und Beijing.

Schmalrumpfflugzeuge bleiben Marktführer


Airlines könnten das neue Flugzeug – 797 oder NMA (New Midsize Airplane) genannt – auch auf Interkontinentalflügen einsetzen und damit in die Jahre gekommene Boeing 757 und 767 ersetzen. Günstigflieger könnten auf beliebten Routen von Flugzeugen mit einem Mittelgang auf die größeren Flugzeuge umsteigen.

Tinseth sieht für die kommenden 20 Jahre einen potenziellen Markt von 4.000 bis 5.000 Verkäufen voraus. Airbus hat mit seiner A321neo, dem größten Flugzeug mit einem Mittelgang bereits Fortschritte auf diesem Markt gemacht – und das Unternehmen arbeitet an einer gestreckten Version, die mehr als 240 Passagiere aufnehmen würde.

Dieses Schmalrumpfflugzeug wird wahrscheinlich billiger als das Boeing-Modell mit zwei Gangreihen. Doch Boeing sieht in den zwei Gängen einen Wettbewerbsvorteil, da diese den Passagieren ermöglichen, wesentlich schneller ein- und auszusteigen.

Laut Boeing-Prognose werden Schmalrumpfflugzeuge wie die A320 und die Boeing 737 weiterhin Marktführer bleiben, sie machen derzeit beinahe drei Viertel des gesamten Verkaufs aus. Der Flugzeugbauer sagt einen Bedarf von 29.530 Schmalrumpfflugzeugen im Wert von 3.180 Milliarden US-Dollar bis 2036 voraus.

Der zweitbeliebteste Flugzeugtyp wird laut Boeing das kleine Großraumflugzeug sein, wie der Boeing 787 Dreamliner und die Airbus A350. Dieser Typ schlägt mit 5.050 Lieferungen oder 12 Prozent der voraussichtlichen Verkaufszahlen zu Buche.

Der Verkauf sehr großer Flugzeuge sich für Boeing wahrscheinlich auf eine Marktnische einengen – einige 747 Frachtflugzeuge und eine Handvoll Flugzeuge für VIP, wie etwa die nächste Air Force One für den US-Präsidenten.

Die 747, die 1970 ein neues Zeitalter für Langstreckenflüge einleitete, wird be einigen Airline möglicherweise von der 777X ersetzt. Die erste Lieferung dieses 400-Sitze fassenden Flugzeugs ist für 2020 geplant. "Das größte Flugzeug, das auf dem Markt eine Chance hat, wird die Boeing 777X sein", sagte Tinseth.
© Bloomberg, aero.de (boa) | Abb.: Boeing | 23.06.2017 08:21

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Beitrag vom 26.06.2017 - 11:08 Uhr
Wirklich beurteilen kann ich es selbst nicht, aber auch als Laie bekomme ich den Eindruck, dass dem Luftfahrtmarkt insbesondere von Boeing geradezu eingeredet wird, dass sehr große Flugzeuge à la A380 und B747 nicht mehr benötigt werden. Dies steht aber im Gegensatz zur erwarteten Steigerung der Passagierzahlen in den kommenden Jahrzehnten. Ob dieser Verkehrsströme dann wirklich ohne die beiden genannten Modelle auskommen werden, wird letztlich auch nur die Zukunft erweisen können. Vielleicht zahlt es sich ja doch aus, am A380-Programm - wenn auch auf Sparflamme - noch etwas festzuhalten.

Ich stimme also mit TravellerB überein.
Beitrag vom 23.06.2017 - 23:13 Uhr
Egal ob sich der A380 nochmal tatsächlich gut verkaufen wird oder nicht. Das Boeing Marketinggeschwafel soll doch nur darüber hinweg täuschen, dass man den Markt vorerst Airbus kampflos überlässt. Das kann man so allerdings nicht sagen ;)
Und da die 747 vom Konzept halt schon uralt und ausgereizt ist würde es Boeing halt viel mehr als Airbus kosten, dort noch etwas auszuharren und abzuwarten.
Beitrag vom 23.06.2017 - 11:18 Uhr
"Sie setzen auf groß und schwer, wir auf klein und effizient"

Haha. Plakativer geht's nicht.

Ehrlicher wäre: "Sie setzen auf alles von klein bis sehr groß, während unsere Produktpalette bald bei mittelgroß aufhören wird. Wir beide setzen auf effizient. Sonst würden wir nichts verkaufen."

Dieser Beitrag wurde am 23.06.2017 11:18 Uhr bearbeitet.


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