Langstrecken
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IndiGo setzt zur Übernahme von Air India an

DELHI - Aktionären von IndiGo steht der Angstschweiß auf der Stirn. Der indische Günstigflieger setzt zur Übernahme der hochverschuldeten Air India an, um eine Fastlane auf dem Weg zur Langstrecke zu nutzen. Die Airlinegründer Rakesh Gangwal und Rahul Bhatia treiben das riskante Vorhaben voran.

An IndiGo führt auf dem indischen Luftfahrtmarkt kein Weg vorbei. Auf internationalen Langstrecken ist die Airline bisher allerdings nicht aktiv. Das soll sich schnell ändern.

IndiGo Airbus A320neo
IndiGo Airbus A320neo, © Airbus S.A.S.

"Es ist höchste Zeit, dass IndiGo in den internationalen Markt eintritt", sagte der frühere US-Airways-Chef
Gangwal. Eine Skalierung des Geschäftsmodells auf die Langstrecke sei "wirtschaftlich absolut geboten". IndiGo sehe die Privatisierung von Air India als Chance, lange Vorlaufzeiten abzukürzen.

"Der internationale Flugbetrieb von Air India würde unser Netzwerk stärken und uns unmittelbaren Zugang in regulierte und teilweise geschlossene Märkte verschaffen", erklärte Bhatia. IndiGo hat es auf Slots und Streckenrechte von Air India abgesehen.

Die Strategie birgt hohe Risiken. Air India steht mit 7,7 Milliarden US-Dollar bei ihren Gläubigern in der Kreide. Einen Teil der Schulden würde zwar der Staat schultern, doch mindestens 3,0 Milliarden US-Dollar an Verbindlichkeiten für bestellte Flugzeuge soll der Käufer übernehmen, steckten Insider "Bloomberg".

Im Gegensatz zu Air India arbeitet IndiGo seit mindestens 2009 profitabel. Die Airline hat sich mit 530 bestellten Airbus A320 und A320neo für den Wettbewerb im indischen Inland gerüstet und will das Langstreckengeschäft nicht länger den in Indien stark vertretenen Golfairlines überlassen.

Air India Boeing 787 Dreamliner
Air India Boeing 787 Dreamliner, © Ingo Lang

Im Fall einer Komplettübernahme von Air India könnte IndiGo ihren Marktanteil im Inland auf 54,2 Prozent steigern und auf 283 Flugzeuge zurückgreifen. Alternativ sei eine isolierte Übernahme des internationalen Flugbetriebs von Air India möglich, unterrichteten
Bhatia und Gangwal Analysten und zogen eine interessante Parallele.

Pan Am und TWA als Vorlage

Es sei "fraglich", ob United Airlines ohne die Jahrzehnte zurückliegende Übernahme der Pazifik- und London-Routen von Pan Am zu einem der größten Flugkonzerne der Welt aufgestiegen wäre, sagte Bhatia. American Airlines habe dieses Modell mit dem Kauf der London-Strecken von TWA erfolgreich kopiert.
© Bloomberg News, aero.de | Abb.: Airbus, Großbild: Boeing | 07.07.2017 09:47

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Beitrag vom 07.07.2017 - 11:08 Uhr
Bhatia dürfte da schon richtig liegen, da braucht's einen ähnlichen Prozess, wie ihn zuvor schon die Amerikaner (erfolgreich) durchgezogen haben, aber eher nach dem Modell Panam>United als TWA>American. Anders gesagt, das System Air India hat ausgedient. Und das weiß man auch in Delhi, selbst wenn dort noch mit einer (wenig realistischen) Teilprivatisierung spekuliert wird.

Die nächste Baustelle ist freilich die Infrastruktur. Ohne den geplanten Neubau in Delhi wird das globale Geschäft zumindest mittelfristig bei den Arabern bleiben. Und da wären für globale Player wie die Lufthansa Etihad und Abu Dhabi allemal die potenteren Partner, nicht nur im Hinblick auf die Zukunft von Air Berlin.

Dieser Beitrag wurde am 07.07.2017 11:56 Uhr bearbeitet.


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