Argentinien
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Flybondi wettet auf Vervierfachung des Flugmarkts

Aerolineas Argentinas A330-200
Aerolineas Argentinas A330-200, © Airbus S.A.S.

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BUENOS AIRES - Die alten Hasen der Flugindustrie laufen sich warm für ein großes Ereignis: der Himmel über Argentinien wird sich öffnen. Internationale Geldgeber und erfahrene Airlinemanager wittern "unglaubliche Möglichkeiten" - doch wie in jedem Goldrausch lauern hohe Risiken.

Zwei Faktoren machen Argentiniens Flugmarkt ziemlich attraktiv: die großen Entfernungen im Land und eine Menge junger Berufstätiger in Buenos Aires, deren Familien fern der Hauptstadt leben.

Noch kontrolliert die staatliche Aerolineas Argentinas den Flugmarkt. Doch Michael Cawley wettet darauf, dass die Regierung am 2016 eingeschlagenen Liberalisierungskurs festhält.

Der frühere Stellvertreter von Michael O`Leary bei Ryanair sieht Parallelen zwischen dem heutigen Argentinien und der Situation in Polen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Zwei Länder mit vergleichbarer Bevölkerungsstruktur, in denen hohe Tarife und reglementierter Wettbewerb vorherrschten.

Nachdem Günstigairlines in Polen an den Start gingen, verdreifachte sich die Zahl Flugreisender. "Argentinien ist wahrscheinlich das letzte Land der Welt, das so eine unglaubliche Möglichkeit bietet", sagte Cawley, der nun Investor bei dem Günstigflieger-Start-Up Flybondi ist.

"Die Kennzahlen in Argentinien legen eine unvergleichliche Gelegenheit offen. Eine viel bessere, als Ryanair sie jemals in Europa vorgefunden hat."

Diese Ansicht teilt Cawley mit Norwegian-Chef Björn Kjos, der mit Norwegian Air Argentina eine Zweigstelle in Argentinien aufzieht und neben Inlands- auch Langstrecken anbieten will.

Cawley hat gemeinsam mit dem früheren Wizz-Air-Vorstand Michael Powell und anderen Investoren aus Argentinien, Europa und Asien 75 Millionen US-Dollar in Flybondi gesteckt. Eine Finanzierung, die von der Cartesian Capital Group, einem 2,6 Milliarden US-Dollar schweren Aktienfonds mit Sitz in den USA, gesteuert wird.

Flybondi erwartet vier Mal mehr Passagiere

Inzwischen hat Flybondi grünes Licht, in Lateinamerikas zweitgrößtem Land 85 Routen zu bedienen. Mit den ersten zwölf will die Airline noch 2017 starten. Das Unternehmen will seine Rivalen bei den Flugpreisen um zwei Drittel unterbieten - mit Tarifen, die so günstig sind wie ein Busticket.

Cawley hofft, auf diese Weise innerhalb von fünf Jahren 20 Prozent des Marktes zu halten. Die Flotte wird aus 30 Boeing 737-800 mit bis zu 189 Sitzen bestehen.

Dennoch sind die Herausforderungen groß. Viele Jungairlines sind sogar in Ländern gescheitert, die wirtschaftlich und politisch stabiler sind als Argentinien. Der New Yorker Finanzdienstleister MSCI äußerte im Juni Zweifel daran, dass die von Argentiniens Präsident Mauricio Macri angekündigten Reformen solide genug sind.

"Die neue Regierung steckt in den Kinderschuhen", sagte Cawley, "wenn es der Regierung gelingt, innerhalb eines Jahres die Inflation einzudämmen, ist sie auf dem besten Weg zu zeigen, dass ihre Methode funktioniert."

Flybondi erwartet, dass sich die Zahl der Flugreisenden in Argentinien innerhalb von zehn Jahren auf 80 Millionen vervierfachen wird. Im benachbarten Brasilien hat sich der Flugverkehr innerhalb von 13 Jahren verdreifacht, nachdem Preisreglementationen weggefallen sind. In Mexiko stieg die Zahl der Flugreisenden um 60 Prozent, nachdem dort Günstigairlines starteten.

Die Region ist reif für den Wettbewerb. Das zeigen andere Airlines, die hohe Wellen schlagen. Estuardo Ortiz, früher Chef der Avianca Holding, heute JetSmart-Chef, nimmt für sich in Anspruch, dass er einen Passagier für 13 US-Dollar netto von der chilenischen Stadt Concepción bis nach Calama fliegen kann.

Eine Strecke, soweit wie von Washington nach Dallas. Er sieht im ganzen Land ähnliche Möglichkeiten.

Sein früherer Arbeitgeber ist wachsam. Avianca-Chef Hernán Rincón sagte, dass Günstigairlines das Unternehmen dazu zwingen, effizienter zu arbeiten.

LATAM unter Druck

LATAM Airlines, die Airline der Region mit dem höchsten Marktwert, wird dem Finanzdienstleister Banchile-Citi zufolge von dem Eintritt der Günstigairlines auf dem Markt am stärksten betroffen sein. Die Airline erwirtschaftet laut einer Datenerhebung der Agentur "Bloomberg" 42 Prozent ihres Gewinns in Lateinamerika, Brasilien ausgenommen. 

"LATAM hat ihr Preismodell geändert, um mithalten zu können", sagte Jerome Cadier, Chef der brasilianischen Sparte der Airline. Er erwartet, dass die Preise bis 2020 im Durchschnitt um 20 Prozent fallen.
© Bloomberg | aero.de (boa) | Abb.: Flybondi, Screenshot Homepage Flybondi | 22.07.2017 09:57


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