SA Airlink
Älter als 7 Tage

Linienverkehr nach St. Helena rückt näher

KAPSTADT - Die private südafrikanische Regionalfluggesellschaft SA Airlink wird ab Oktober einmal wöchentlich samstags das britische Überseeterritorium St. Helena anfliegen. Das sagte am Freitag der CEO von SA Airlink gegenüber dem südafrikanischen Radiosender Capetalk.

Weitere Einzelheiten hatten bereits in der Vorwoche die Regierung von St. Helena und die Airline bekanntgegeben. Zum Einsatz kommt dabei eine Embraer E190-IGW, von deren 98 Sitzen wegen Gewichtsbeschränkungen nur 76 verkauft werden können.

Der genaue Termin der Aufnahme des Linienflugbetriebs sowie die Flugpreise werden erst bekanntgegeben, wenn ein Erprobungsflug stattgefunden hat.

Flughafen St. Helena
Flughafen St. Helena, © Halcrow

Er dient dazu, SA Airlink die dauerhafte ETOPS 120-Zulassung zu erteilen, die bisher nur vorläufig ausgestellt wurde. Die Flugpreise werden nach einem Bericht der britischen Zeitung "The Independent" mit jährlich 1,9 Millionen britischen Pfund von der Regierung in London subventioniert, was über 36.000 Pfund pro Flug oder fast 500 Pfund je Sitzplatz entspricht.

Flug SA8131 startet von Johannesburg zunächst nach Windhuk in Namibia, trifft hier auf einen Zubringerflug aus Kapstadt, dessen Passagiere dann zum Weiterflug in die Maschine nach St. Helena umsteigen können. Die Flugzeit von Windhuk nach St. Helena wird planmäßig 2:45 Stunden betragen.

Einmal monatlich wird der Flug von St. Helena dann noch auf die zwei Flugstunden nördlich gelegene, ebenfalls zu Großbritannien gehörende Insel Ascension weitergeführt. Deren Wideawake Airfield kann seit April bis voraussichtlich 2019/2020 nicht mehr aus Europa mit dem Airbus A330 der Royal Air Force angeflogen werden, weil die Piste wegen einer Sanierung verkürzt wurde.

Die Flugzeit von Johannesburg nach St. Helena via Windhuk wird gut sechs Stunden betragen, über eine Stunde mehr als der zunächst geplante Nonstop-Dienst. Den sollte die südafrikanische Comair, die im Franchise unter der Marke British Airways fliegt, mit ihren Boeing 737-800 betreiben.

Flughafen St. Helena
Flughafen St. Helena, © Government of St. Helena

Doch dazu wird es nicht kommen, die Insel-Regierung teilte jetzt mit, es seien Gespräche über eine Beendigung des bestehenden Abkommens im Gange. Hintergrund ist, dass sich der größere Flugzeugtyp als ungeeignet für die schwierigen Windverhältnisse auf St. Helena erwiesen hat.

Die gerade 121 Quadratkilometer große Felseninsel mitten im Südatlantik mit ihren gut 4.200 Einwohnern gehörte bisher zu den abgelegensten bewohnten Orten der Welt. Einzige Verbindung zur Außenwelt war eine fünftägige Schiffsreise von und nach Kapstadt, die nur alle drei Wochen durchgeführt wurde. Der nächste Ort auf dem afrikanischen Festland in Angola ist mehr als 2.000 Kilometer von St. Helena entfernt.

Bereits 2016 war nach vierjähriger Bauzeit für umgerechnet über 260 Millionen Euro der Inselflughafen fertiggestellt worden. Die Inselregierung erhofft sich davon eine Entwicklung des Tourismus.

Massive Scherwinde erschweren Anflug

Gleich bei der ersten und bis heute einzigen Landung eines größeren Verkehrsflugzeugs mit über 100 Sitzen am 18. April 2016 stellte sich heraus, dass die geplante Hauptlanderichtung auf der Piste 20, von Norden kommend, durch massive Scherwinde beeinflusst wird. Der Probeflug der Boeing 737-800 von Comair konnte erst im dritten Versuch landen.

Flughafen St. Helena
Flughafen St. Helena, © Government of St. Helena

Daraufhin wurde die geplante Flughafeneröffnung auf unbestimmt verschoben, in England wird der Flughafen seither als "der sinnloseste Airport der Welt" verspottet. Trotzdem ist der Inselflughafen seit Juni 2016 offiziell geöffnet. Gelandet sind bisher weniger als 40 Flüge, darunter vor allem Privatjets, Ambulanzflüge und Überführungsflüge.

Einer davon eine Avro RJ100, die von ihrem vorherigen Betreiber Swiss nach Chile verkauft wurde und die Auslieferung nach Südamerika am 21. Oktober 2016 für eine Testlandung auf St. Helena nützte. An Bord waren 13 Menschen, darunter Wind-erfahrene Piloten von den Färöer-Inseln.

"Sehr sicher und sehr einfach"

Im Dezember 2016 schickte Flugzeughersteller Embraer dann die werkseigene E190 zu Testflügen auf die Insel.

Pilot Joel Faermann hatte kein Problem damit, auch bei Winden von 25 Knoten und Böen mit 35 Knoten auf Bahn 20 zu landen. "Das war sehr sicher und sehr einfach, dies ist ein Flughafen der Kategorie C, für den die Piloten Training brauchen", so der Embraer-Testpilot zu einem Insel-Blog.

"Der Santos-Dumont-Flughafen in Rio de Janeiro mit starken Querwinden ist viel anspruchsvoller, und von da fliegen Embraer-E-Jets mehr als zehn Flüge täglich", so Faermann, "und im Gegensatz zur Asphaltbahn in Rio haben wir hier in St. Helena Beton, da wirken die Bremsen viel besser."

St Helena HLE
Flughafen St. Helena, © St.Helena Tourism

Während die beiden Bahnen in Rio gerade mal rund 1.300 Meter lang sind bietet die Piste in St. Helena 1.950 Meter. Nach den erfolgreichen Tests war klar, dass die E-190 der ideale Flugzeugtyp für den Betrieb auf diesem anspruchsvollen Liniendienst ist. Anders als die größere Boeing 737 kann die E-190 auch in Landerichtung 02 von Süden her mit Rückenwind anfliegen, ohne dabei noch größere Nutzlast-Einschränkungen hinzunehmen, wie sie bei der 737 nötig wären.

So galt es, eine neue Partnergesellschaft zu finden, da Comair ein reiner Boeing 737-Betreiber ist. So kam SA Airlink ins Spiel, eine südafrikanische Gesellschaft im Privatbesitz, die auch als Zubringer für South African Airways fungiert und assoziiertes Mitglied der Star Alliance ist. Sie führte am 3. Mai 2017 bereits den ersten Passagierflug von und nach St. Helena durch.

Ein Schaden am Versorgungsschiff RMS St. Helena hatte zu einer über zweimonatigen Isolation der Insel vom Rest der Welt geführt. Somit wurde ein Sonderflug als Charter aufgelegt, ausgeführt von SA Airlink mit einer Avro RJ85, die beide Wege von Kapstadt via Namibia von und nach St. Helena mit jeweils 60 Passagieren durchführte.

Kommt bald öfter: SA Airlink in St. Helena
Kommt bald öfter: SA Airlink in St. Helena, © Government of St. Helena

Das jetzt bekanntgegebene Abkommen zwischen der Inselregierung und SA Airlink läuft über drei Jahre, für ein Minimum von einem Flug pro Woche, bei Bedarf kann die Zahl der Flüge erhöht werden.

Flüge nur bei gutem Wetterbericht


Die Airline erhält derzeit zwei gebrauchte E-190IGW, die neun Jahre alte ZS-YAA ist bereits eingetroffen und wird wie zuvor bei Virgin Australia in Zwei-Klassen-Layout bestuhlt mit sechs Sitzen in Business Class und 92 in Economy. SA Airlink verpflichtet sich in dem Abkommen, ein zweites Ersatzflugzeug mit Besatzung bereitzuhalten für den Fall von Unregelmäßigkeiten.

Die dürften vor allem durch das Wetter in St. Helena entstehen. Die Flüge werden Windhuk nicht verlassen, wenn die Vorhersage ungünstig ist. Auf der Strecke gibt es einen weiteren Punkt, an dem über Weiterfliegen oder Umkehren entschieden wird. Weiterfliegen bedeutet, dass das Flugzeug spätestens zwei Stunden nach Eintreffen über der Insel dort landen muss, oder bereits eher nach Ascension ausweichen.
© Andreas Spaeth, aero.de | Abb.: Government of St. Helena | 29.07.2017 09:44


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