Überraschungs-Deal
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Airbus bevorzugt CSeries vor A319

Airbus A320neo und Bombardier CS300
Airbus A320neo und Bombardier CS300, © Airbus

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TOULOUSE - Airbus wird ab sofort der CSeries Vorzug vor seiner eigenen A319neo geben und sich auf den Verkauf des kanadischen Flugzeugs konzentrieren. Der europäische Flugzeugbauer wird zudem Schnittstellen mit der hochmodernen CSeries suchen. Das kündigte Airbus-Chef Tom Enders an.

Airbus werde "definitiv" auf Kosten der eigenen, etwa gleich großen A319neo die CS300 pushen, sagte der Chef des Flugzeugbauers Tom Enders "Bloomberg". Airbus erhielt in den letzten fünf Jahren keinen neuen Auftrag für die A319, während dem Flugzeug mit der CSeries ein echter Konkurrent erwachsen ist.

"Das war das letzte Mal, das wir das Flugzeug verkauft haben", sagte Enders, "und das sagt einiges darüber aus, welches Konkurrenzverhältnis zwischen der A319 und der CSeries besteht."

Airbus hat sich mit Bombardier geeinigt, mit 50,01 Prozent in das CSeries-Programm einzusteigen und die Schlagkraft seiner Marketingabteilung für den Verkauf des kanadischen Flugzeugs einzusetzen. Enders ist überzeugt davon, dass sowohl die CS100 als auch die CS300 durch den überraschenden Deal "zu Verkaufsschlagern" werden.

Für die A319neo gingen bei Airbus nur 51 Bestellungen ein, der Programmanteil des Einstiegs-Airbus fiel 2017 unter ein Prozent. Die lateinamerikanische Airline Avianca hat eine Bestellung von zwanzig A319neo offen. Ursprünglich wollte sie 25, hat jedoch fünf umbestellt in die größere A320neo.

Frontier Airlines hadert mit ihrem Auftrag über 18 A319neo, Regierungen und Privatkunden stehen für drei Flugzeuge in der Liste. Die Abnehmer für weitere zehn Flieger gibt Airbus nicht bekannt.

Technologietransfer

Der Airbus A318, der kleinste Vertreter der A320-Serie, ist bereits auf der Strecke geblieben. Bis 2015 verkaufte Airbus davon 80 Stück, eine Neo-Variante gibt es nicht. Die CSeries hat bereits 360 Bestellungen im Auftragsbuch stehen, die meisten davon für die CS300.

Enders sagte auf der EU-Luftfahrt-Konferenz in Brüssel, dass Airbus Schnittstellen der CSeries-Technologie etwa im Cockpit, bei der Avionik und bei den Verbundwerkstoffen suchen wird.

"Es war immer die Strategie von Airbus, so viele Gemeinsamkeiten wie möglich zwischen den verschiedenen Flugzeugen zu finden", sagte er. "Da gibt es einige Möglichkeiten. Die CSeries ist in jeder Hinsicht ein hochmodernes Flugzeug, eines der modernsten Flugzeuge in Bezug auf Cockpit und Material."

Der Airbus-Bombardier-Deal könnte noch zwölf Monate oder länger beanspruchen, ehe er vollständig in trockenen Tüchern ist. "Eine Menge Zeit, um auszuloten, was wir tun wollen", sagte Enders.

Die Strafzölle, welche die US-Regierung auf den Import der CSeries nach einer Beschwerde von Boeing erlassen hat, bezeichnete er als "haarsträubend".

Airbus plant, eine Produktionslinie für das Flugzeug in seinem Werk in Mobile/Alabama einzurichten. Möglicherweise kann Bombardier so die Strafzölle umgehen.

Delta Air Lines, der bisher größte Abnehmer der CSeries, erwartet laut ihrem Chef Ed Bastian, dass die bestellten Jets in Alabama produziert werden. Bastian wiederholte, etwaige Strafzölle nicht zu bezahlen und äußerte die Hoffnung, dass der Airbus-Bombardier-Deal die Politik zum Einlenken bewegt.
© Bloomberg, aero.de (boa) | Abb.: CSeries | 19.10.2017 16:15

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Beitrag vom 20.10.2017 - 18:50 Uhr
Die Geschichte wiederholt sich halt leider gerne. Hätten die Politiker damals mehr Mut gehabt, wäre das Unternehmen Fairchild Dornier durchaus zu retten gewesen. Leider Stand das 728Programm Airbus damals eher im Weg, als es als Chance zu begreifen, außerdem benötigte man die Ingenieure dringender für das eigene ambitionierte Programme (A380). Die beispielhaft krasse Fehleinschätzung von Brüderle (FDP) s.h. Artikel unten BZ kann man heute nur als widerlegt ansehen, sh. Erfolge Embraers seither. Vor dem Hintergrund des 9/11 der verlorenen Bundestagswahl der Union standen die Unterstützerzeichen leider schlecht. Mit der Storno der Hauptorder durch Lufthansa (Cityline), Swiss (Crossair) und GECAS. Bleibt nur zu hoffen dass es Airbus mit Bombardier diesmal ehrlich meint und keine übergeordneten Ereignisse (Rezession, Terror, Brexit, Krieg etc.) die Planungen wieder verwerfen lassen. Trump dürfte sich von dem Move jedoch unbeeindruckt zeigen. Boeing hat die Chance wiedermal verspielt.

 http://www.berliner-zeitung.de/boeing-plant-kooperation---us-konzern-setzt-auf-staatsbuergschaften-stoibers-fall-holzmann--hilfsaktion-fuer-flugzeugbauer-fairchild-dornier-16077732
Beitrag vom 20.10.2017 - 16:19 Uhr
Das war es dann wohl mit dem A319. Wobei ich auch persönlich die neue 195-E2 vorgezogen hätte. Zwar hat das Modell maximal 144 Sitzplätze, ist aber durch das Längenverhältnis effizienter, als der A319.
Beitrag vom 20.10.2017 - 11:21 Uhr
Nochmal gut gelaufen für Bombardier. Allerdings hätte Airbus das Ganze schon vor 16 Jahren haben können in Form des 728 Programms von Fairchild Dornier. Stattdessen investierte Airbus in Embraer, nachdem man sah dass sich der 100-Sitzer Regionaljetsektor doch gar nicht so schlecht entwickelt. Dass die A 319 wirtschaftlich ein marginales Flugzeug gegenüber dem 928Jet war, war Lufthansa schon 1998 klar. Und auch Embraer überzeugte damals Swissair mit ihrer E-Jet Reihe. Ein gestreckter 928Jet mit Neo Engines wäre heute dann auch für das Brot- und Butter Geschäft von Airbus, dem A320 gefährlich geworden.

Vor dem Hintergrund sich neu formierender Konkurrenz aus China, bleibt abzuwarten in welche Richtung sich die Airbus Strategie in Zukunft entwickelt. Wenn man es mit Bombardiers C-Series ernst meint könnte man aufgrund des technischen Standes des Flugzeugs die Konkurrenz auf Abstand halten. Allerdings nicht ohne Kosten für das A320 Programm. Eine CS 500 halte ich mittelfristig für durchaus realistisch. Das Ganze macht auch Sinn wenn man betrachtet, wohin die Reise zur Zeit geht. A321 und A321 LR und vielleicht eine A322? als Gegengewicht zu Boeings 797 Plänen. Gleichzeitig wird es für Embraer schwierig werden, da deren Röhre nicht mehr viel Streckpotential hat ohne den Passagierkomfort zu opfern, sh. CRJ 900/1000 von Bombardier. Das man zwei oder gar drei vergleichbare Programme gleichzeitig laufen haben kann, zeigt Airbus mit dem Nebeneinander von A320/A330 CEO/NEO und A350. Die Orderzahlen stimmen und viele Kunden fahren zweigleisig.

Alles in allem ein hervorragender Schachzug mit Potential.

Einziges Risiko ist die weitere Entwicklungsdynamik des Weltluftverkehrs unter anderen Vorzeichen, sprich einer drohenden Rezession und bereits bestehender Überkapazitäten. Aber noch scheint die Party zu laufen.


Ja, Airbus hat damals das Do728/928 Programm zwielichtig beobachtet, war aber mit sich selbst (A380/A400M) beschäftigt. Boeing war der letzte ernsthafte Interessent an Dornier vor der insolvenz und dessen Board wollte wohl auch den Deal machen, aber der CEO war bekanntermassen anderweitig beschäftigt.

Nach der Insolvenz kamen nurch noch Scheinangebote um die Blaupausen zu bekommen, wie ja auch Bombardier und die Russen (Letztere hätten es wohl auch vor Ort gemacht).

Das Problem der Flugzeugsparte bei Bombardier war schon immer, das sie alle Programme zugekauft haben bzw durch Kopien Vorlagen bekamen, aber nie selber etwas richtig von Anfang aufgebaut haben. DHC, Canadair, Lear.... und auch das Do728/928 Programm... alles Zukäufe...

Und nein: Swiss hatte keine grosse Lust auf EMB, ausser ein paar Herren bei Crossair. Swiss selbst trennte sich nach nur 5/6 jahren von der grausamen 145er weil die Performance horrend war, besonders im Winter...


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