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Sonderverwalter drängt zu Entscheidung über Alitalia

Alitalia Airbus A330
Alitalia Airbus A330, © Alitalia

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ROM - Der Nachhall des Wahlkampfs und Gerüchte über eine Klausel im Regierungsprogramm verunsichern ein weiteres Mal alle, die in irgendeiner Form an der Zukunft Alitalias interessiert sind. Der Sonderverwalter der Airline, Luigi Gubitosi, drängt die Regierungschefs in spe, endlich Stellung zu beziehen.

"Was die neue Regierung auch vorhat - denn es sind ja politische Entscheidungen aus dem Kompetenzbereich der Regierung und des Ministers - es ist wichtig, dass sie es schnell macht", sagte einer der drei Sonderverwalter der Alitalia, Luigi Gubitosi, vor dem italienischen Senat, "die Zeit vergeht und wir verbrauchen Sprit. Wir versuchen, so wenig wie möglich zu verbrauchen, aber wir verbrauchen ihn."

Das Bild vom Sprit kann dabei sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinn verstanden werden. Alitalia zählt seit Monaten auf einen Brückenkredit der Regierung in Höhe von 900 Millionen Euro. Die Sonderverwalter bemühen sich stets zu betonen, dass sie diese Notreserve noch nicht anzapfen mussten.

Seit Monaten arbeiten sie stattdessen daran, den Betrieb der Airline am Laufen zu halten und ihren Wert in den Augen potenzieller Käufer zu steigern. Mit verhältnismäßigem Erfolg: im ersten Quartal 2018 verzeichnete Alitalia ein Operativergebnis von -117 Millionen Euro, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es -228 Millionen Euro.

"Nein" zum Verkauf von Alitalia?

Dieses Ergebnis, der Start neuer Initiativen und das Buhlen um die Wählergunst hat nun offenbar die Favoriten für eine künftige Regierung dazu verleitet, ein "Nein" zum Verkauf von Alitalia in das neue Regierungsprogramm zu notieren. Das berichten zumindest zahlreiche Medien.

Neu ist diese Haltung Matteo Salvinis (Lega Nord) und Luigi di Maios (Cinque Stelle) in Sachen Alitalia nicht. Der Ruf nach einer "italienischen Lösung" für das Alitalia-Dilemma stieß im Wahlkampf auf offene Ohren und versprach den Italienern Hoffnung für ihre geliebte Marke.

Der Unterschied heute: der Wahlkampf ist vorbei, die Regierungsverantwortung ist greifbar nahe und es geht nun darum, eine konkrete Lösung anzubieten. Die zu finden ist keine leichte Aufgabe, sollte auf einen Verkauf der Airline verzichtet werden. Eine erneute Verstaatlichung der 2008 privatisierten Alitalia scheidet nach EU-Recht aus.

Ende März überraschte der Präsident der Staatsholding Cassa depositi e Prestiti (CDP), Claudio Costamagna, indem er seine Institution als möglichen Minderheitsanteilseigner einer neuen Alitalia ins Spiel brachte. Hauptaktionär der CDP ist das italienische Wirtschaftministerium.

Doch der zweite Teil seiner Botschaft war ebenso klar: ohne realistischen und nachhaltigen Wirtschaftsplan eines starken Partners bleibt die CDP außen vor.
Der Chef der italienischen Zivilluftfahrtbehörde Vito Riggio geht davon aus, dass sofort 1,9 Milliarden Euro nötig wären, um eine neue Alitalia auf die Beine zu stellen.

"Wenn morgen jemand Alitalia kaufen würde, müsste er den staatlichen Brückenkredit zurückbezahlen - das ist ein ernstes Problem, wenn man eine Public Private Partnership auf die Beine stellen müsste", zitiert ihn die Zeitung "Il Giornale".

Der Brückenkredit beschäftigt derzeit auch die EU-Wettbewerbshüter. Sie prüfen, ob er zu hoch war und haben bereits Bedenken geäußert, weil die zulässige Höchstlaufzeit von sechs Monaten überschritten wird. Alitalia hat schon vor über einem Jahr Insolvenz angemeldet.

Unsicherheit verschlimmert die Lage

Seitdem haben sich unter anderen Lufthansa und Easyjet als ernsthafte Interessenten positioniert. Ob sie sich auf eine Partnerschaft mit italienischen Anteilseignern einlassen würden, bleibt unklar.

Lufthansa möchte sich zu diesem spekulativen Szenario gegenüber aero.de momantan nicht äußern und verweist auf den Lösungsvorschlag, den sie früher in diesem Jahr bei den Sonderverwaltern eingereicht hat. Etihad hakt das Abenteuer Alitalia inzwischen als teuren Fehler ab.

Neben den Alitalia-Mitarbeitern und möglichen Kaufinteressenten hängt unterdessen auch der Flughafen Rom Fiumicino in der Luft. Hält die Unsicherheit an, wird sie sich dort laut Vito Riggio unmittelbar bemerkbar machen - in Form drastisch sinkender Investitionen. Eine klare Linie ist dringend geboten.

Während die noch gesucht wird, formiert sich unter der Ägide Qatar Airways' gerade eine neue Air Italy. Gegen sie anzutreten, wird selbst für den stärksten Alitalia-Partner kein Zuckerschlecken.
© aero.de (boa) | Abb.: Alitalia | 18.05.2018 14:13


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