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Boeing und Embraer sind sich handelseinig

Widerøe Embraer E190-E2
Widerøe Embraer E190-E2, © Embraer

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CHICAGO  Der Konkurrenzkampf von Boeing und Airbus um die Vorherrschaft am Himmel wird künftig wohl auch bei kleineren Maschinen ausgefochten. Der US-Flugzeugbauer Boeing wird sich die Regionaljets seines brasilianischen Rivalen Embraer einverleiben.

In einem Milliardendeal soll der US-Konzern dazu die Mehrheit an Embraers Verkehrsflugzeug-Sparte übernehmen, wie beide Seiten am Donnerstag in Chicago und Sao Paulo mitteilten. Zuvor hatte sich Airbus bereits mit Embraers kanadischem Rivalen Bombardier verbündet.

Am Finanzmarkt wurden die Nachrichten stark unterschiedlich aufgenommen. Während die Boeing-Aktien kurz nach Handelsstart in New York um 0,72 Prozent zulegten, ging es für die Papiere von Embraer in Sao Paolo zunächst um mehr als sieben Prozent abwärts. In Erwartung des Deals mit Boeing hatten die Embraer-Aktien seit Jahresbeginn zuvor 35 Prozent an Wert gewonnen.

Bei der Transaktion soll Embraers Verkehrsflugzeug- und Service-Geschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen eingehen, an dem Boeing 80 Prozent und Embraer 20 Prozent der Anteile hält. Insgesamt soll das Joint Venture 4,75 Milliarden US-Dollar (4,1 Mrd Euro) wert sein.

Embraer mit seinen E- und E2-Jets ist neben Bombardier der zweite wichtige Anbieter von Regionalflugzeugen mit rund 100 Sitzen. Boeing ist in diesem Segment bisher nicht vertreten. Der kleinste aktuelle Boeing-Mittelstreckenjet 737 MAX 7 bietet typischerweise Platz für 138 bis 153 Passagiere.

Mit ihrer bisherigen Produktpalette konkurrieren die US-Amerikaner mit dem europäischen Rivalen Airbus. Dieser hat vor wenigen Tagen auch die Mehrheit an Bombardiers bisher größtem Flugzeugmodell, der C-Serie, übernommen. Diese fasst je nach Version typischerweise 100 bis 150 Fluggäste. Embraers E2-Jets kommen üblicherweise auf rund 80 bis 130 Sitzplätze.

Boeing und Embraer sehen ihre geplante Partnerschaft als natürliche Weiterentwicklung der mehr als 20-jährigen Zusammenarbeit. Mit dem Bündnis seien beide Unternehmen hervorragend aufgestellt, Werte für ihre Kunden, Mitarbeiter und Anteilseigner zu generieren, sagte Boeing-Chef Dennis Muilenburg.

Die Vereinbarung stärke beide Unternehmen auf dem Weltmarkt, ergänzte Embraer-Chef Paulo Cesar de Souza e Silva.

Vollzogen werden soll der Zusammenschluss spätestens Ende kommenden Jahres. Die Unternehmen hatten bereits länger verhandelt, Ende 2017 bestätigten sie entsprechende Gespräche. Die Kartellbehörden und die Aktionäre müssen dem Deal aber noch zustimmen.

Rüstung und Business Jets außen vor


Erschwert wurde das Bündnis durch politischen Widerstand aus Brasilien, da Embraer auch Militärflugzeuge und Sicherheitstechnik entwickelt und baut. Der Staat hält an Embraer eine sogenannte Goldene Aktie und kann damit weitreichende Entscheidungen blockieren. Das bestehende Militärgeschäft soll weiter ganz bei Embraer bleiben - ebenso wie die Sparte für Geschäftsreise-Flugzeuge.

Zusammenarbeiten wollen beide Gesellschaften wie bisher bei der Vermarktung von Embraers Militärtransporter KC-390. Zudem wollen sie gemeinsam Produkte für den Rüstungsbereich entwickeln. Dafür soll ein zweites Gemeinschaftsunternehmen entstehen.
© aero.de (boa) | Abb.: Boeing | 05.07.2018 13:50


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