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Lufthansa will Vergaberegeln für Slots aufweichen

Lufthansa in München
Lufthansa in München, © Lufthansa

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FRANKFURT - Auf Kante genähte Flugpläne und überlastete Infrastruktur haben Lufthansa aus dem Takt gebracht. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will der Lage mit "gemeinsamen Antworten" von Luftfahrt und Politik Herr werden - und die Gunst der Stunde nutzen, um Lockerungen für Airlines durchzusetzen.

"Das Problem heißt Wachstum", sagte Spohr bei einer Medienveranstaltung in Frankfurt. "Wir arbeiten im 110 Prozent-Modus."

Das stimmt - die Integration von Brussels Airlines und Air Berlin hat Eurowings an Grenzen geführt. Allein im Juli ist die Günstigmarke um 21,4 Prozent gewachsen und fliegt hoch ausgelastet. Nur blieb beim rasanten Ausbau des Angebots die Pünktlichkeit auf der Strecke. Lufthansa ist damit nicht allein.

Verspätungen und Flugausfälle haben im Flugsommer 2018 viele Reisepläne durchkreuzt. Nach Daten des Linienluftfahrtverbands IATA liefen bei europäischen Airlines schon in der ersten Jahreshälfte pro Tag 47.000 Minuten Verspätung auf - ein Anstieg von 133 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, der sich nicht allein mit schlechtem Wetter erklären lässt.

An den Wartezeiten "haben wir als Lufthansa-Gruppe einen Anteil, sogar einen großen Anteil", räumte Spohr ein. Das wolle er "gar nicht unter den Teppich kehren". Nun sollen "gemeinsame Antworten" von Airlines, Flughafen und Politik dafür sorgen, dass sich das Chaos nächstes Jahr nicht wiederholt.

Für den 05. Oktober hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die Spitzen der Luftfahrtbranche zum Rapport nach Hamburg einbestellt. "Ich kann nicht akzeptieren, dass es so viele technische Probleme, Verspätungen und auch Abfertigungsprobleme gibt", sagte der Minister im Vorfeld.

An dem Treffen werden für die Airlineseite Spohr und offenbar auch Ryanair-Chef Michael O`Leary teilnehmen.

Spohr zweifelt "80/20"-Regel an

Spohr will den runden Tisch nutzen, um für Airlines mehr Spielraum an Flughäfen rauszuschlagen. Konkret nimmt Lufthansa die Slotzuteilung nach der 80/20-Regel ins Visier: nur wenn eine Airline ihre Start- und Landerechte zu mindestens 80 Prozent nutzt, kann sie sicher sein, den Slot im Folgejahr zu behalten.

Das habe dazu geführt, dass Slots auch dann "80 Prozent beflogen werden", wenn die Strecke das eigentlich nicht hergebe, stellte Spohr die Vergabepraxis in Frage. Koordinierungseckwerte - das Fenster für Flugbewegungen zu Spitzenzeiten - sind eine weitere Stellschraube, an der Lufthansa gerne drehen würde, um Staus am Boden und in der Luft vorzubeugen.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Flughafenverbände stellten aber schon im Vorfeld der Scheuer-Runde klar, dass sie nicht bereit sind, Planungsfehler der Airlines auszubaden. Änderungen an der Slot-Vergabe und dauerhaft gedeckelte Eckwerte für Flugbewegungen lehnen die Flughäfen kategorisch ab.

Personalnot ist hingegen ein Problem, bei dem sich Airlines, Flughäfen und Flugsicherungen einig sind. "Das betrifft uns alle", sagte Spohr. Weil Fluglotsen fehlen, starten und landen viele Flüge verspätet. Dieses europaweite Problem werde Lufthansa auf absehbare Zeit weiter beschäftigen.

Den "unerwartet starken Verkehrsanstieg" in Europa hatte zwar auch die Deutsche Flugsicherung DFS bei ihrer Personalplanung nicht auf dem Radar, räumte deren Geschäftsführer Robert Schickling im Gespräch mit aero.de kürzlich ein.

Von gegenseitigen Schuldzuweisungen würden die Staus am Himmel aber auch nicht weniger. Außerdem sei "der Beitrag der Flugsicherungen an den Gesamtverzögerungen, die ein Passagier im Durchschnitt in Europa erfährt (...) vergleichsweise gering", sagte Schickling.
© dpa, aero.de | Abb.: Lufthansa | 29.08.2018 11:54

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Beitrag vom 31.08.2018 - 14:57 Uhr
@Digitalflieger schrieb,
Eventuell könnte man verhandeln, ob vielleicht auch nur die Slotanteile zu halten wären. Z.B. eine Airline kann die 80% nicht erfüllen und gibt 40% wieder zurück? Die wären dann wieder vermarktbar...
Auf Deutsch gesagt. Man will sich die Rosinen raus picken und sich dann brüsten, dass man der Konkurrenz die (unpassendsten) Slots zur Verfügung stellt, die keiner braucht.


@contrail55 schrieb,
Ich würde das auch von LH trennen wollen, denn es betrifft ja alle gleichermaßen. Ich habe das LH Beispiel angeführt, da ich hier die Hintergründe kenne.
Hä? Der größte Kunde hat immer am meisten davon, da es z.B. bei der LH in FRA alle Slots betrifft, aber bei BA nur einen kleinen Teil, da es in LHR gar nichts ändert.


@contrail55 schrieb,
Was bei LH,BA und AF/KL nur beding geht, geht bei Ryan, Easy und EW durch die Struktur eher. Die können Equipment zwischen Märkten schieben um es optimiert einzusetzen und nicht Strecken bedienen die man nicht braucht nur um Slots zu halten.
Auch hier liegst du daneben. Die Billigheimer sind auch an die 80/20 Regelung gebunden, wenn sie die Flughäfen bedient, wo diese gilt.
Beitrag vom 30.08.2018 - 10:35 Uhr
Das sagte er aber so nicht. Er plädiert sogar für ein einfrieren des bestehenden Volumens.


Alles klar, hab auch gerade nochmal den Bericht zum Thema beim Handelsblatt gelesen.
Er spricht sich tatsächlich für eine Beibehaltung/Absenkung der Eckwerte aus.
Mein Fehler.
Das erzeugt zwar andere ökonomische Zielkonflikte mit den Flughäfen ergibt aber natürlich in Bezug auf Vermeidung von Verspätungen deutlich mehr Sinn ...
Danke für die Klarstellung.


Dieser Beitrag wurde am 30.08.2018 10:37 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 30.08.2018 - 10:18 Uhr
OK, danke für die Rückmeldungen.
Aber auch wenn es primär darum geht, über die Erhöhung der Eckwerte (=Gesamtzahl der Slots) Reserven zu schaffen, die dann flexibler als bisher genutzt werden können, bleibt das Problem der schlechteren Planbarkeit eines solchen Modells für die Flughäfen.
Das sagte er aber so nicht. Er plädiert sogar für ein einfrieren des bestehenden Volumens.
Ich würde das auch von LH trennen wollen, denn es betrifft ja alle gleichermaßen. Ich habe das LH Beispiel angeführt, da ich hier die Hintergründe kenne.

OK; Herr Spohr fordert Flexibilität und Reserven, was aus seiner Sicht erstmal positive Eigenschaften wären.
Das Problem ist aber doch: Die so bereitgestellten flexiblen Reserven (technisch und personell) bei Flughäfen und DFS erhöhen dann schlicht die laufenden Kosten dort über höhere Personalkosten, höhere Bereitschaftskosten und Investitionen in mehr Boden-seitige Infrastruktur.
Nicht unbedingt. Im Moment haben wir eine Flugplanaufteilung von SFP/WFP Monaten die so erst mal völlig willkürlich ist. Für einen hochfrequenten SFP muss ich über die ganze Zeit max Ressourcen bereithalten, die ich über das Jahr gesehen nicht brauche. Das geht ein Stück weit über Befristungen bei minderqualifizierten Jobs, bei Hochqualifizierten eher nicht. Über so eine lange Periode können sie auch nicht mit einer angepassten Uralubsvergabe gegensteuern. Wäre es aber möglich die Superpeak Periode zu verkürzen, ginge da noch mehr. Das System könnte mal verschnaufen.
Klar, für Airports erscheint das erst mal Verlust durch weniger Passagiere und Bewegungen, aber man könnte durch angepasstes Mitarbeitervolumen auch sparen. Müsste man mal gegenrechen.
Für die Airlines hat das natürlich auch Vorteile, die müssen ihre Flieger nicht alle bewegen und teures Peronal bereithalten. Oder sie könnten flexibler sein. Was bei LH,BA und AF/KL nur beding geht, geht bei Ryan, Easy und EW durch die Struktur eher. Die können Equipment zwischen Märkten schieben um es optimiert einzusetzen und nicht Strecken bedienen die man nicht braucht nur um Slots zu halten. Dann zu Preisen die die Kosten nicht decken, Hauptsache nicht leer, und allen wehtun.
Die Idee hat durchaus ihren Charme und ist sehr vielschichtig zu betrachten. Nur Personal und Infrastruktur bereitstellen ist zu schwierig auf Grund von hoher Qualifizierung oder anderer Einschränkungen (Sicherheit) Das dauert lange. Eine Anpassung der Nutzungsuntergrenze oä erscheint da schneller (naiv wie ich bin)


Wie verträgt sich das mit dem gerade von der LH aufgebauten Druck zur dauernden Kostensenkung dieser beiden Partner?
Anders gefragt: Wer bezahlt diese Reserven und die Flexibilität?


Dieser Beitrag wurde am 30.08.2018 10:28 Uhr bearbeitet.


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