Richtungsstreit um Eckwerte
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"Lufthansa will ihre Flugpläne reduzieren"

Lufthansa Airbus A350-900
Lufthansa Airbus A350-900, © Lufthansa

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FRANKFURT - Eine Woche vor dem geplanten Luftverkehrsgipfel in Hamburg ist das Verhältnis zwischen Flughäfen und Fluggesellschaften deutlich angespannt. Grund ist ein Antrag der Lufthansa, die Kapazitäten an den wichtigsten Flughäfen und sogar im gesamten deutschen Luftraum abzusenken.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr will auf diesem Weg ein erneutes Flugchaos wie in diesem Sommer verhindern. Die Flughäfen fürchten hingegen um ihr Geschäft mit den Passagieren und sehen sich auch nur im geringen Maße verantwortlich für die Ausfälle und Verspätungen in dieser Saison.

Gemeinsam mit dem Airline-Verband Barig soll sich Europas größter Luftverkehrskonzern in den eigentlich vertraulichen Koordinierungsgesprächen mit den Behörden dafür ausgesprochen haben, die sogenannten Eckwerte für den Frankfurter Flughafen abzusenken. Entsprechende Medienberichte wurden in Luftfahrtkreisen bestätigt.

Der Eckwert beschreibt die Zahl der maximalen Flugbewegungen pro Stunde. Er beträgt in Frankfurt derzeit 104 und wird nur in wenigen Spitzenstunden erreicht. Lufthansa hält 102 Flugbewegungen für ausreichend und strebt auch für andere Flughäfen wie München, Berlin und Düsseldorf sowie das gesamte Netz abgesenkte Kapazitätsbegrenzungen an.

Der Flughafenverband ADV sieht die Kapazitätsobergrenzen an den Flughäfen nicht als den zentralen Hebel zur Bewältigung der Pünktlichkeitsprobleme. So sei die Zahl der Flugbewegungen in Berlin und Düsseldorf in diesem Jahr sogar zurückgegangen, während die Pünktlichkeit weiter abnahm.

"Notwendig sind höhere Kapazitäten bei der Flugsicherung, stabilere Flugpläne der Airlines, schnellere Sicherheitskontrollen am Boden und der Ausbau der Infrastruktur", sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel auf Anfrage. Für all das lägen Vorschläge auf dem Tisch.

Offiziell lehnten Lufthansa und der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport detaillierte Stellungnahmen zu den noch laufenden Gesprächen ab. "Die Überlastung der Infrastruktur ist eines der aktuellen Probleme im deutschen Luftverkehr. Daher ist es richtig und wichtig, dass nun intensiv über die Eckwerte gesprochen wird. Das allein ist schon ein Erfolg", sagte ein Lufthansa-Sprecher lediglich.

Sollten die Eckwerte vom Bundesverkehrsministerium in Absprache mit den Ländern tatsächlich gesenkt werden, müssten die aktiven Airlines auf Start- und Landerechte, die Slots, verzichten. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" will sich Lufthansa hier eine Sicherung einbauen lassen, damit sich nicht andere Airlines auf die freien Zeiten stürzen. Die Slots sollen quasi eingefroren werden.

"Lufthansa will ihre Flugpläne reduzieren und sich das absichern lassen", meinte ein Flughafen-Insider. Der größte deutsche Anbieter hatte wie zahlreiche Konkurrenten sein Angebot in diesem Sommer ausgeweitet, um die von Air Berlin hinterlassenen Lücken zu füllen.

Spohr hatte im August die sogenannte 80/20-Regel in Frage gestellt. Nur wenn eine Airline einen Slot mindestens zu 80 Prozent nutzt, kann sie sicher sein, ihn zu behalten. Das habe dazu geführt, dass Slots "auch dann 80 Prozent beflogen werden", wenn die Strecke das eigentlich nicht hergebe, sagte Spohr.

Fraport: 40 Prozent der Verspätungen hausgemacht

Nach Einschätzungen von Fraport sind mehr als 40 Prozent der Verspätungen bei den Airlines hausgemacht, weitere 20 Prozent seien auf (Personal-)Probleme der Flugsicherung zurückzuführen. Flughäfen und die von der Bundespolizei organisierten Passagierkontrollen kämen zusammen auf gut 12 Prozent.

Auf dem von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angeschobenen Luftverkehrsgipfel in Hamburg am 5. Oktober will Lufthansa-Chef Spohr seine Eckwert-Ideen nicht weiter vorbringen, heißt es bei der Kranich-Linie. Ein kontroverses Thema hat er aber zweifelsfrei gesetzt.
© aero.de, dpa | Abb.: Lufthansa | 27.09.2018 08:40

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Beitrag vom 27.09.2018 - 14:09 Uhr
Ich hätte bei meinem Beitrag von heute Morgen nicht geglaubt, dass es so schnell geht.
Siehe auch den entsprechenden Bericht - Lufthansa prüft Umstationierung weiterer A 380 - hier bei aero.de
Beitrag vom 27.09.2018 - 11:57 Uhr
Nein, wir brauchen keine größere Flughäfen.
Die Airlines, nicht nur Lufthansa, sondern auch die BARIG, haben endlich begriffen, dass das immer mehr, immer mehr, immer billiger, immer schlechter, immer unpünktlicher in die Sackgasse führt.
Die Luftfahrtgesellschaften sind an einem Punkt gekommen, wo das eigene Leiden und denen deren Passagiere zu groß geworden ist.

Wenn die Airlines wieder zu eine sinnvolle Preisgestaltung zurückkehren, über die ein Qualitätsdienst gewährt sein kann und mit Preise von denen Sie und ihre Mitarbeitern gut leben können, erledigt sich die Überfüllung des Luftraums von allein.

Die Flughäfen sind noch völlig auf dem alten Trip, letztlich verdienen sie ja prächtig am Non-Aviation, an der erste Stelle an Parkplätze. Je länger die Kundschaft am Flughafen gefangen bleibt, je besser...
Bei denen klingelt die Kasse bei jeder Verspätung umso mehr, als die Verspätung andauert und die abholende Familie am Kurzzeitparken geschröpft werden kann...
Beitrag vom 27.09.2018 - 11:16 Uhr
MUC ist ebenso voll wie FRA und sollte nun wirklich mit der dritten Piste anfangen... auch dort gibt es am Boden udn in der Luft Warteschleifen, die nicht sein müssten.

Auch HAM bräuchte eigentlich einen grösseren Flughafen mit zwei unabhängigen Pisten.

Das kommt eben davon, wenn man die Realität zulange ausblendet.


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