Keine Lösung in Sicht
Älter als 7 Tage

Alitalia drohen weitere Verluste und Streiks

Alitalia Airbus A320
Alitalia Airbus A320, © Alitalia

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ROM - Die Zeit läuft gegen Alitalia - Brückenkredit und Arbeitsverträge enden am 31. Oktober. Die Angestellten der insolventen Airline wissen bis jetzt nicht, was danach kommt. Piloten und Flugbegleiter fordern Klarheit und drohen mit Streik. Alitalia setzt ihre Verlustserie offenbar auch 2018 ungebremst fort.

"Alitalias Situation ist äußerst gefährlich und besorgniserregend und wir wissen noch nicht, welche Lösungen sich die Regierung ausgedacht hat", zitiert die Zeitung "La Repubblica" Vertreter des Gewerkschaftsverbundes Fnta.

Am 31. Oktober läuft der Brückenkredit der Regierung aus, der Verkauf der Airline sollte bis dahin entsprechend früherer Vorgaben abgeschlossen sein und die Arbeitsverträge enden.

Wie es danach weitergeht? Das wissen die Mitarbeiter der insolventen Airline am 4. Oktober noch immer nicht. Die Gewerkschaft Anpac rechnet damit, dass die Airline trotz guter Sommersaison am Ende des Jahres einen Verlust von 500 Millionen Euro verzeichnen wird.

"Die Regierung muss sehr schnell Lösungen finden, wir haben die Frist dafür eigentlich schon überschritten", sagte Anpac-Präsident Stefano de Carlo. Die Gewerkschaften versuchen, die Dringlichkeit ihrer Forderung mit einer Streikdrohung zu unterstreichen.

"Wir wollen ob der Situation von Alitalia Alarm auslösen: scheinbar läuft alles gut, aber bis jetzt ist nichts getan und das bereitet uns richtig Sorgen - es geht schließlich um 12.000 Menschen", sagte der Präsident der nationalen Pilotenvereinigung Marco Veneziani.

Die Mitte-Rechts-Regierung hat den Kurs ihrer Vorgängerregierung revidiert und die Suche nach einem Käufer für Alitalia eingestellt. Stattdessen soll nun ein strategischer Partner an Bord geholt werden, der mit einem maximalen Anteil von 49 Prozent der Ägide eines italienischen Mehrheitseigners folgt.

Für diese Rolle kommt nach dem Willen der Regierung auch eine staatliche Institution infrage. Strategische Partner suchte eine Regierungsdelegation zuletzt in China - mit welchem Erfolg, ist bislang offen.

Etihad warnt Alitalia

Der letzte Minderheitseigner der Alitalia, Etihad, droht der insolventen Airline Medienberichten zufolge mit einem Gerichtsprozess. Die ebenfalls unter Geldnot leidende Golfairline befürchtet, dass Alitalia mit den Kundendaten des gemeinsamen "Milliemiglia"-Programms eine eigene Kundendatenbank aufbauen könnte.

Etihad gehören 75 Prozent des "Millemiglia"-Programms, laut "soldionline.it" beziffert die Airline den Wert dieses Anteils auf 35 Millionen Euro.

Offen ist bisher, welche Rolle die EU einnehmen wird, sollte die italienische Regierung bis zum Stichtag 31. Oktober keine Lösung für die insolvente Airline präsentieren. Bereits im März 2018 äußerte Lufthansa-Chef Carsten Spohr die Hoffnung, Brüssel werde "Zeitdruck aufbauen und eine Lösung erzwingen".
© aero.de (boa) | Abb.: Alitalia | 04.10.2018 11:28

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Beitrag vom 04.10.2018 - 15:58 Uhr
@sunjet
Also von Erpressung kann man in Italien nun wirklich reden!
Italien ist freiwillig der EU beigetreten (Gründerstaat), und somit sollte man auch seine Regel akzeptieren.
Wenn man aber die Regeln ändern möchte, kann diese über Diskussionen in den bekannten Gremien vorbringen.
Dieses, allerdings erschwert sich, wenn man jährlich die Gesprächspartner wechselt (Regierung), wobei dann auch gleichzeitig die Richtung geändert wird. Also von Erpressung zusprechen, scheint hier Populistisch geprägt zu sein.

@ cogito.ergo.sum
Streik macht doch Sinn, im Italienischen Sinn! Man möchte den Erhalt der Arbeitsplätze, und das mit den erreichten Privilegien. Dafür benötigt man aber den Staat (5 Sternebewegung), schließlich wollen die ALITALIA als Ganzes erhalten. Wer es bezahlt? Die Gemeinschaft natürlich, so wie in der Vergangenheit auch, warum also nicht auch heute!
Beitrag vom 04.10.2018 - 15:27 Uhr
Mir kommen nach dem lesen dieses Artikels zwei Gedanken:
Zum einen zeigt dich einmal mehr, welch hartes Pflaster unsere Branche doch ist. Die meisten „Luftfahrer“ (im weitesten Sinne) die ich kenne, machen ihre Arbeit gern, viele mit Leidenschaft, egal ob am Boden, in der Kabine oder im Cockpit. Dass die Firma nun leider Geld verbrennt, dafür können die, die ein Aus von Alitalia am härtesten träfe, am allerwenigsten. Darum tut es mir sehr leid um die Kollegen in Italien, die sicher seit vielen Monaten nicht mehr gut schlafen.
Zum anderen frage ich mich aber, was die Beweggründe sind, in dieser Situation nach einem Streik zu rufen. Ich bin ein großer Freund der konsequenten Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten, aber an dieser Stelle erschließt sich mir nicht, was das (realistische!) Ziel eines Arbeitskampfes wäre.
Beitrag vom 04.10.2018 - 13:54 Uhr
Die italienische Regierung kann sich ja zurzeit in Europa alles erlauben.

ZB sich nicht erpressen zu lassen, genau!


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