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Indische Airlines pumpen Ölfirmen und Flughäfen an

Indigo ATR 72-600
Indigo ATR 72-600, © ATR

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NEU DELHI - Indiens Airlines leiden unter einem ruinösen Preiswettbewerb um Passagiere. Gemeinsam bitten sie die Regierung, bei staatlichen Ölfirmen und Flughäfen ein gutes Wort für sie einzulegen - man hofft auf ungesicherte Kredite. Steigende Kerosinpreise vernichten die letzten Margen.

Der indische Luftfahrtmarkt ist hart umkämpft - keine Airline kann es sich erlauben, als erste die Preise anzuheben, um auf die steigenden Kosten zu reagieren. Das schreibt der indische Airlineverband FIA laut "Bloomberg" Luftfahrtminister Rajiv Nayan Choubey.

"Airlines stehen auf dem heimischen Markt vor großen Herausforderungen und erleben herbe Verluste", heißt es in dem Brief. Er ist das jüngste Signal dafür, dass indische Airlines in einer Systemkrise stecken.

In Indien hat das weltweit dynamischte Wachstum des Luftfahrtmarktes Überkapazitäten generiert, die Airlines dazu zwingen, Preise anzubieten, mit denen sie ihre Kosten nicht annährend decken können. Zugleich zehren steigende Kerosinpreise und eine schwächelnde Rupie an der Substanz.

Die zweitgrößte Airline Indiens Jet Airways plagen seit Monaten akute Liquiditätssorgen. Mehrfach konnte sie Gehälter und Leasingraten nur verspätet überweisen. Das Management versucht, neue Geldgeber an Bord zu holen. Marktführer IndiGo musste zum ersten Mal seit seinem Börsengang ein Quartal mit Verlust abschließen.

Zum indischen Airlineverband FIA gehören Jet Airways, IndiGo, SpiceJet und Go Air - sie teilen sich beinahe 80 Prozent des heimischen Marktes. Die Verluste indischer Airlines werden sich laut einer Prognose des CAPA Centre for Aviation bis März 2019 auf 1,9 Milliarden US-Dollar summieren.

Laut den Berechnungen des Beratungsunternehmens brauchen Airlines mittelfristig drei Milliarden US-Dollar frisches Umlaufvermögen. Die meisten von ihnen können demnach mit ihren Kassenbeständen lediglich die Kosten von jeweils zwei bis drei Wochen decken.

Fliegen auf Kredit

"Es herrscht eine beachtliche Diskrepanz zwischen den Kosten und den Einnahmen", schreiben die Airline-Manager dem Minister - und bitten ihn, ihnen dabei zu helfen, für einen Monat strafzins- und sicherheitsfreie Kredite bei Ölfirmen, der staatlichen Flughafenbehörde und bei privaten Flughäfen zu bekommen.

Die günstigsten Flugtickets sind in Indien bisweilen für umgrechnet einen Cent zu haben. Die einzelnen Bundesstaaten erheben Steuern von bis zu dreißig Prozent auf Kerosin. Die Airlines könnten die Preise um elf Prozent anheben, um die gestiegenen Kosten decken zu können. Doch damit müsste erst einmal eine anfangen.
© aero.de (boa), Bloomberg | Abb.: ATR | 23.11.2018 08:04


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