Präsidentschaft Jair Bolsonaro
Älter als 7 Tage

Brasiliens Luftfahrt wird zur Privatsache

KLM auf dem internationalen Flughafen in Fortaleza
KLM auf dem internationalen Flughafen in Fortaleza, © Andreas Spaeth

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BRASÍLIA - Der Luftraum über Brasília gesperrt, Luftabwehrraketen in Position – mit beispiellosen Sicherheitsmaßnahmen in Brasiliens Geschichte hat Jair Bolsonaro am 1. Januar das Präsidentenamt übernommen. Dauerhafte Einschränkungen wie am ersten Tag muss die Zivilluftfahrt von ihm nicht erwarten – eher das Gegenteil.

Denn die Zeichen stehen unter Jair Bolsonaro auf Privatisierung und Wettbewerb. Einer der ersten Vorboten dieser Entwicklung war die bisher provisorische Entscheidung des damaligen Interimspräsidenten Michel Temer, brasilianische Airlines für ausländische Investoren zu öffnen. 

Unter Rücksprache mit Vertretern der neuen Regierung hat Temer den Weg dafür frei gemacht, dass ausländische Geldgeber bis zu hundert Prozent einer brasilianischen Airline erwerben können.

Das Provisorium in ein Gesetz zu verwandeln wird laut der Tageszeitung "Folha de São Paulo" eine der ersten Aufgaben des neuen Infrastrukturministers Tarcísio Gomes de Freitas werden. 

Ebenfalls in seinen letzten Amtstagen hat Michel Temer im November neue Konzessionen für zwölf Flughäfen ausgeschrieben. Die Regionalflughäfen werden potenziellen Betreibern paarweise oder in Gruppen angeboten. 

Zur Auswahl stehen zwei Flughäfen im Südosten, vier in der Mitte des Landes und weitere sechs gemeinsam im Nordosten. "Die blockweise Vergabe der Konzessionen hat es uns ermöglicht, sowohl die großen als auch die kleinen Flughäfen in private Hände zu geben", zitiert "AgenciaBrasil" den damaligen Beauftragten für Regulierungspolitik beim Verkehrsministerium Ricardo Fonseca. 

"Diese Flughäfen fertigen zusammen zwanzig Millionen Passagiere und zehn Prozent der Inlandsflüge ab." Wie "AgenciaBrasil" schreibt, sollen die jährlichen Kosten für die Konzession nach der jeweiligen Jahresbilanz berechnet werden – und nicht wie bisher in festen Jahresbeiträgen. 

Staatlicher Flughafenbetreiber nicht mehr vorgesehen

Die Konzessionen sollen für dreißig Jahre vergeben werden, im März soll die Entscheidung über die zukünftigen Betreiber fallen. Weitere Flughäfen einschließlch Congonhas in São Paulo und Santos Dumont in Rio de Janeiro sollen folgen.

Laut dem Portal "O Globo" rechnet der zukünftige Infrastrukturminister Gomes de Freitas damit, dass der staatliche Flughafenbetreiber Infraero in dreieinhalb Jahren die Zuständigkeit für alle 44 Flughäfen, die er momentan innehat, in private Hände gegeben haben wird. Für Infraero bleibt in diesem Plan kein Platz.

Die Latin American and Caribean Air Transport Association (ALTA) begrüßt die Öffnung der brasilianischen Airlines für ausländische Investoren. "Wir sind sehr optimistisch, dass dieses Gesetz verabschiedet und die Investition in die Airlines des Landes erleichtern wird", sagt ALTA-Chef Luis Felipe de Oliveira gegenüber aero.de. "Die Airlines leiden unter der schwachen Währung und den hohen Kerosin-Preisen."

Als Airline-Vertreter beobachtet er die Privatisierung der Flughäfen dagegen mit Vorsicht. "Es gab in der Region Fälle, in denen die Privatisierungen zu steigenden Kosten geführt haben", sagt er. "Diese Kostensteigerung hat sich aber nicht in effizienteren Abläufen oder einem verbesserten Service widergespiegelt."

Ein langfristige Verbesserung der Infrastruktur soll deswegen ihm zufolge im Fokus der Konzessionsvergabe liegen, nicht der kurzfristige Gewinn für den Staat. Als positives Beispiel für eine Konzessionsvergabe führt er den Flughafen in Fortaleza an, der seit Januar 2018 von Fraport betrieben wird.

Airlines dürften die Luftfahrtlinie der neuen Regierung aus unterschiedlichen Gründen mit großem Interesse verfolgen. Norwegian Air etwa, weil sie in Brasilien Inlandsflüge anbieten möchte. United und Avianca, weil sie ihre Bande zu dem südamerikanischen Giganten stärken möchte. Und Avianca Brasil, weil sie dringend Investoren braucht.

Ob Passagiere und Bevölkerung derart von den neuen Bedingungen profitieren werden, wie Oliveira es erhofft, muss sich erst zeigen.
© aero.de (boa) | Abb.: Infraero | 03.01.2019 06:45


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