Ablehnung des Brexit-Abkommens
Älter als 7 Tage

Dunkle Wolken am Himmel über London

British Airways am Flughafen London Heathrow
British Airways am Flughafen London Heathrow, © London Heathrow Airport

Verwandte Themen

BRÜSSEL - Kein Deal: die Ablehnung des Brexit-Abkommens durch das britische Parlament macht einen chaotischen Austritt Großbritanniens aus der EU wahrscheinlich. Die europäische Luftfahrtbranche reagiert mit einer Mischung aus demonstrativer Zuversicht, wachsendem Unmut und handfester Sorge. Ein Stimmungsbild.

"Sowohl die EU als auch Großbritannien haben gesagt, dass Flüge (zwischen beiden, Red.) weiterhin stattfinden werden, also werden wir auch normal weiterfliegen", teilt die International Airlines Group auf aero.de-Anfrage mit.

"Wir sind zuversichtlich, dass wir die post-Brexit-Regeln der EU und Großbritanniens zum Thema Eigentum und Kontrolle erfüllen werden", heißt es in der Stellungnahme weiter.

Tatsächlich ist dieser Punkt für die IAG besonders brisant. Nach EU-Regeln dürfen nach dem Brexit nur Fluggesellschaften weiterhin frei in der EU-27 fliegen, die zu mindestens 51 Prozent EU-Bürgern oder -Unternehmen gehören.

IAGs Sicht der Dinge, nach der ihre Tochter-Airlines Iberia, Iberia Express und Air Lingus diese Anforderung erfüllen, stieß zuletzt auf offene Skepsis in der EU-Kommission.

Der Internationale Linienluftfahrt-Verband IATA gibt sich mit der vagen Aussicht nicht zufrieden, dass Flüge zwischen der EU und Großbritannien auch nach einem ungeregelten Brexit weiter stattfinden können. Denn die bisher angedeutete Übergangslösung friert die derzeit möglichen Flugverbindungen auf dem status quo ein - Wachstum ausgeschlossen.

IATA fordert Planungssicherheit

Der Airline-Verband rechnet 2019 jedoch mit einem Bedarf von fünf Millionen zusätzlichen Sitzplätzen im Vergleich zum Vorjahr. "Dass die aktuellen Flüge auch bei einem harten Brexit geschützt werden, ist eine wichtige Sicherheit", sagt IATA-Chef Alexandre de Juniac.

"Aber zwei Monate vor dem Austritt Großbritanniens aus der EU wissen die Fluggesellschaften immer noch nicht genau, welche Art von Brexit sie planen sollten. Und es besteht Rechts- und Handelsunsicherheit darüber, wie der Plan der Kommission zur Begrenzung der Flugzahlen funktionieren wird."

Er fordert die Verhandlungsführer auf beiden Seiten des Ärmelkanals eindringlich dazu auf, vor dem Austrittstermin am 29. März Planungssicherheit für die Airlines zu schaffen.

Weil es die nach wie vor nicht gibt, bereitet sich auch die Lufthansa seit Monaten auf zwei verschiedene Szenarien vor: den geregelten Austritt der EU und den "harten" Brexit.

"Dazu stehen wir in regelmäßigem Kontakt mit den nationalen Behörden und Ministerien in unseren Heimatmärkten sowie in Großbritannien und Brüssel. Wir arbeiten auch mit anderen Airlines zusammen", teilt ein Unternehmenssprecher aero.de mit.

Tom Enders: "Unerträgliche Unsicherheit"

"Die Interessen hinsichtlich des No-Deal-Szenarios sind in der Luftfahrtindustrie ähnlich gelagert: der Flugverkehr zwischen EU und dem Vereinigten Königreich muss möglichst reibungslos und ohne Unterbrechung weitergehen", ergänzte der Lufthansa-Sprecher.

Von einer "unerträglichen Unsicherheit" sprach auch Airbus-Chef Tom Enders eine Woche vor der Abstimmung im britischen Parlament und rief die britische Führungsriege auf: "Ob Sie der Meinung sind, dass der Austritt aus der EU gut für Großbritannien ist oder nicht. Hören Sie auf, dieses Thema zu verschleppen, lassen Sie einen ordentlichen, vereinbarten Brexit zu und finden Sie eine Einigung mit Brüssel."

Schon jetzt hat Airbus ihm zufolge allein für die Vorbereitung auf einen möglichen Brexit ohne Handelsvereinbarung einen zweistelligen Millionenbetrag ausgegeben. Airbus beschäftigt in Großbritannien nach eigenen Angaben rund 14.000 Mitarbeiter und macht dort einen Umsatz von sechs Milliarden britischen Pfund.

"Der Brexit-Prozess ist eine Angelegenheit des Vereinigten Königreiches. Wir beobachten ihn aufmerksam und freuen uns auf Klarheit und das Ende der Unsicherheit, damit wir wie jedes andere Unternehmen in Großbritannien gut planen können", fügt ein Konzernsprecher auf aero.de-Anfrage nach der Abstimmung hinzu. 

"Die Gestaltung der Zusammenarbeit (Großbritanniens, Red.) ist von entscheidender Bedeutung."

BDL erwartet gegenseitigen Marktzugang

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), der unter anderen Flughafenbetreiber, Airlines und die Flugsicherung vertritt, setzt zunächst auf ein bilaterales Luftverkehrsabkommen zwischen der EU und Großbritannien, das die EU-Kommission im Dezember 2018 vorgeschlagen hat. 

Es würde britischen Airlines maximal bis zum 30. März 2020 erlauben, zwischen der EU und Großbritannien zu fliegen. Innereuropäische Flüge sind den Airlines im Rahmen dieses Vorschlags nicht gestattet. Dieser Vorschlag muss noch vom Europäischen Parlament und vom Eurpäischen Rat bewilligt werden.

Langfristig erwartet der Verband, "dass bei einem Austritt Großbritanniens die zuständigen Akteure der EU und Großbritanniens auf ein umfassendes Luftverkehrsabkommen hinwirken, das einen gegenseitigen Marktzugang gewährleistet." 

Denn, so ein Sprecher gegenüber aero.de: "Wenn Großbritannien weiter am europäischen Luftverkehrsmarkt teilhaben will, dann muss es den europäischen Rechtsrahmen und auch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs anerkennen."
© aero.de (boa) | Abb.: Heathrow Airport | 17.01.2019 06:05


Kommentare (0) Zur Startseite

Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich bei aero.de registrieren oder einloggen.

Stellenmarkt

Schlagzeilen

Meistgelesene Artikel

Community

Fachdiskussionen zu aktuellen Ereignissen und Entwicklungen in der Luftfahrtbranche

Thema: Pilotenausbildung

PaxEx.de Passenger Experience

FLUGREVUE 09/2019

Shop

Es gibt neue
Nachrichten bei aero.de

Startseite neu laden