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Was die Flugbranche auf der ITB umtreibt

BERLIN - Auf der Reisemesse ITB in Berlin (6. bis 10. März) präsentieren sich wieder die schönsten Urlaubsziele der Welt - und fast alle anderen ebenso. Während die Besucher Inspirationen vor der nächsten Buchung suchen, diskutiert die Flugbranche hinter den Kulissen akute und langfristige Probleme.

Airline-Pleiten und Flugchaos, Brexit-Risiko, Konsolidierung, Umweltprobleme. Das wird auf der ITB für die Luftfahrt wichtig:

Chaos am Himmel und wertlose Flugtickets


Erst Air Berlin, nun Germania: Wenn Fluggesellschaften pleite gehen, bleiben viele Kunden auf dem Geld für ihre gebuchten Tickets sitzen. Das betrifft Passagiere, die keine Pauschalreise gebucht haben. Der Frust darüber ist groß, Verbraucherschützer erwarten Lösungen.

Germania Airbus A319
Germania Airbus A319, © Flughafen Münster/Osnabrück

Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) forderte nach der Germania-Pleite im Februar erneut eine Insolvenzabsicherung für Airlines. Ob und wann diese jedoch kommt, ist völlig offen. Hinzu kommt die Sorge, wie stabil der Flugverkehr im Sommer sein wird. Im Jahr 2018 waren unzählige Urlaubsflüge unter anderem wegen der Spätfolgen der Air-Berlin-Pleite ausgefallen oder verspätet.

Die betroffenen Kunden warteten teils vergeblich auf rechtmäßige Entschädigungen. Auch an den deutschen Flughäfen lief vieles nicht rund, etwa wegen langsamer Sicherheitskontrollen. So wurde die schönste Zeit des Jahres für viele Urlauber zur großen Enttäuschung. Eine Situation wie 2018 soll sich nicht wiederholen.

Doch die Fluglotsengewerkschaft GdF und TUIfly warnen bereits vor einem neuerlichen Chaos im europäischen Luftverkehr im kommenden Sommer.

Der Brexit und seine Folgen

Großbritannien verlässt die EU. Doch zu welchen Bedingungen und mit welchen Folgen, ist immer noch ziemlich offen. Der Brexit dürfte auch große Auswirkungen auf den Reiseverkehr haben. "Das wird sicher ein Thema sein", sagt David Ruetz, Leiter der ITB. Eine Veranstaltung auf der Messe heißt "Großbritannien-Tourismus am Scheideweg".

Flughafen London-Gatwick
Flughafen London-Gatwick, © Gatwick Airport

Die größte Unsicherheit betrifft die Flüge: die EU-Kommission hat einen Notfallplan vorgelegt, wonach der Flugverkehr bei einem harten Brexit auf dem Niveau von 2018 aufrechterhalten werden soll. Aber für 2019 neu aufgelegte Sommerverbindungen würden nach Ansicht des Luftfahrtexperten Heinrich Großbongardt aus Hamburg ausfallen.

Betroffen davon wären Zehntausende Passagiere. Die Wartezeiten bei der Einreise könnten sich zudem noch einmal verlängern, Großbritannien zählt nicht zu den Mitgliedern des Schengener Abkommens. Darüber machten sich auch Busreise-Anbieter Gedanken, wie Ruetz erklärt.

Konsolidierung in Europa

Lufthansa hat endgültig das Geschäft mit Selbstzahlern und Touristen wiederentdeckt und holt ihre Günstigmarke Eurowings noch 2019 an das Hauptdrehkreuz Frankfurt. Eurowings wird sich in Frankfurt um touristische Langstrecken wie Barbados, Mauritius und Windhoek konzentrieren.

Condor Boeing 767-300 Achim
Condor Boeing 767-300ER "Achim", © Condor

Der Vorstoß setzt Condor in Frankfurt unter Druck - doch die Airline könnte 2019 ebenfalls noch bei Lufthansa landen. Der Condor-Mutterkonzern Thomas Cook zieht sich aus dem Fluggeschäft zurück und hat seine Airlinesparte zum Verkauf gestellt. Lufthansa soll es auf die lukrativen Condor-Langstrecken abgesehen haben.

Weniger fliegen? - Urlaub in Zeiten des Klimawandels

Es ist eine unangenehme Frage für die Tourismusbranche: Müssten wir alle nicht viel weniger fliegen, um den Klimawandel zu bremsen? Die globale Erwärmung soll in diesem Jahrhundert maximal 1,5 Grad betragen. Entscheidend dabei ist, den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

TUIfly Boeing 737-800
TUIfly Boeing 737-800, © Ingo Lang

Nachhaltigkeit ist auf dem ITB-Kongress ein Schwerpunktthema. Die Kernfrage lautet: Können wir in Anbetracht des 1,5 Grad-Ziels in Zukunft noch so reisen wie bisher? Wissenschaftler erläutern den Status quo und mögliche Maßnahmen - zum Beispiel teurere Flugtickets.

Eine Verhaltensänderung ließe sich wohl nur durch Preissteigerungen erreichen, sagt Ruetz und fragt: "Wollen wir das Erlebnis Reisen einschränken?" Weiter wie bisher, das führe andersherum in den Abgrund, wie die ITB-Verantwortlichen auf der Messe-Website feststellen.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: ITB | 06.03.2019 08:24


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