Streit um F-35
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Türkei stellt Boeing-Aufträge in Frage

Turkish Airlines Boeing 737-800 am IGA
Turkish Airlines Boeing 737-800 am IGA, © IGA

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ANKARA - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan stellt im Streit mit den USA um Rüstungsdeals die Bestellung von Passagierjets beim amerikanischen Flugzeugbauer Boeing infrage.

Obwohl die USA der Türkei ihr Raketenabwehrsystem vom Typ Patriot nicht verkaufen wolle, kaufe sein Land weiterhin Boeing-Maschinen, sagte Erdogan am Freitag in Ankara. "Wir sind gute Kunden, aber wenn das so weitergeht, werden wir diese Sache überdenken müssen."

Erdogan bezog sich auf die Fluggesellschaft Turkish Airlines, die bei Boeing etwa 100 Verkehrsflugzeuge mit einem Listenpreis von rund 10 Milliarden US-Dollar bestellt hat. Der erste Großraumjet vom Typ 787 "Dreamliner" war im Juni in Istanbul angekommen. Aus den Aufträgen sind derzeit noch 63 737 MAX, 24 787 und drei 777F offen.

Mit der Drohung gegen Boeing geht der Streit um den Kauf von Waffensystemen zwischen der Türkei und den USA in eine neue Runde. So hatte sich die Türkei für das russische Raketenabwehrsystem S-400 entschieden. Deshalb wollen die USA dem Nato-Partnerland jetzt keine Kampfjets vom Typ Lockheed Martin F-35 verkaufen.

Die Türkei hatte zwar zwischenzeitlich erklärt, man überlege, neben dem russischen Raketenabwehrsystem auch das amerikanische Patriot-System zu kaufen. Bisher hatte die Regierung in Ankara argumentiert, das Angebot der USA sei nicht so gut wie das russische. Sie gab auch an, dass man sich in früheren Jahren mehrfach um Patriots beworben habe, ohne sie zu bekommen.

Allerdings war die Regierung des demokratischen Präsidenten Barack Obama durchaus bereit, die Raketenabwehr an die Türkei zu verkaufen.
© dpa-AFX, aero.de | 26.07.2019 12:22

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Beitrag vom 26.07.2019 - 22:24 Uhr
Der User „unit-er“ stellt aber auch manche Sachverhalte stark verkürzt oder sehr einseitig dar.

Es ist richtig dass sich die Türkei darum bemüht hat Patriot Systeme zu kaufen. Es stimmt auch dass die USA diesen Verkauf abgelehnt haben. Die USA haben das ganze aber vehement abgelehnt weil die Türkei nicht nur Patriot Systeme kaufen wollte sondern die Systeme inkl der gesamten Technologie - um diese dann auch in Eigenregie zu fertigen. Und genau deswegen haben die USA abgelehnt bzw der Türkei klar gemacht es gibt das System zu kaufen aber nicht die Blaupausen
Beitrag vom 26.07.2019 - 18:18 Uhr
Da wollen 2 Dickschädel jeweils dem anderen zeigen wer am längeren Hebel sitzt.
Da geht es doch sicher nicht nur um das russ. Abwehrsystem oder NATO.
Bevor im Forum hier jedoch eine politische Debatte um dieses Thema entsteht: Fliegerfreunde lasst es damit gut sein und erspart uns möglichst weitere ausufernde Kommentare. Danke
Beitrag vom 26.07.2019 - 17:52 Uhr
Zunächst ein freundliches Hallo in die Runde!

Der Artikel verkürzt leider ziemlich stark die Umstände um den Erwerb des Patriot-Systems, was dem Artikel einen ggf. (un)beabsichtigten Drall gibt, wenn man gerade den letzten Absatz betrachtet.
Die USA haben über mehrere Jahre den Verkauf des Patriot-Systems abgelehnt.
Aufgrund dieser Ablehnung hat die Türkei den Kauf des S400-Systems - quasi gezwungenermaßen - beschlossen, da die Luftverteidigung des Landes bis dato nicht ausreichend in den eigenen Händen lag (Stichworte: Abschuss russischer Jet; Stationierung und Abzug der Patriots von NATO-Partnern).
Erst nach dem Kauf des S400-Systems stimmten die USA dem Kauf des Patriot-Systems zu.
Also zu einem Zeitpunkt zu dem bereits der Kaufvertrag zum Kauf des S400-Systems zwischen Russland und der Türkei existierte.
Da hier von westlichen Werten gesprochen wird, denke ich deshalb, dass dazu auch das Einhalten von geschlossenen Verträgen zählen sollte.
Schließlich gilt "pacta sunt servanda" für alle und nicht nur für erlauchte Kreise.

Deshalb erübrigt sich auch die Frage nach der Verlässlichkeit der Türkei als NATO-Partner.
Schließlich hat die Türkei im Rahmen von NATO-Einsätzen angefangen vom Korea-Krieg über Ex-Jugoslawien bis hin zu Afghanistan stets ihre Verlässlichkeit unter Beweis gestellt.
Die Verlässlichkeit Deutschlands wäre meines Erachtens besser zu hinterfragen, da Deutschland z.B. bei den Militärausgaben (Zwei-Prozent-Ziel gemessen am BIP) im Jahre 2018 hinter der Türkei lag und aufgrund der katastrophalen Ausrüstungsgrundlage der Bundeswehr keinen allzu großen Kampfwert im Vergleich zur Türkei aufweist.

Warum sollte der türkische Staat nicht die Geschicke von Turkish Airlines bestimmen dürfen?
Schließlich verfügt der türkische Staat über knapp über 49 Prozent der Anteile.
Die Mehrheit der Anteile wird dagegen an der Istanbuler Börse frei gehandelt.

Der Begriff der westlichen Wertegemeinschaft sollte hier gerade im Hinblick auf das Drama um die Rettung - vielmehr Nicht-Rettung - von Flüchtlingen im Mittelmeer nicht missbraucht werden.
Dort werden westliche Werte vom selbigen mit Füßen getreten und stillschweigend Menschenrechtsverletzungen in den Lagern in Libyen billigend in Kauf genommen.
Erst recht unter dem Aspekt, dass ein großer Teil der EU-Mitglieder gleichzeitig auch NATO-Mitglied ist.
Schließlich sollten die stets gepriesenen westlichen Werte nicht von der Bündniskonstellation abhängen.


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