Fast wie Ural Airlines U6178
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Drei russische Notlandungen

MOSKAU - Nach der Maisfeld-Bauchlandung eines Airbus A321 der Ural Airlines bei Moskau wird Pilot Damir Yusupow zu Hause als "russischer Sully" gefeiert. Dabei hat auch Russlands Luftfahrtgeschichte spektakuläre Notlandungen mit Passagierflugzeugen zu bieten. Drei Beispiele.

Vogelschlag in beide Triebwerke: Passagiere und Besatzung eines Airbus A321 von Ural Airlines sind im August knapp einer Katastrophe entgangen. In der russichen Luftfahrt spielten sich mehrere brenzlige Situationen ab, die Piloten mit kühlem Kopf und fliegerischem Können entschärften. Die Flug Revue hat drei Beispiele:

Das Wunder auf der Newa, 21. August 1963


Am Morgen des 21. August 1963 macht sich eine Tupolew Tu-124 der Aeroflot mit 45 Passagieren an Bord auf den Weg von Tallinn nach Moskau-Wnukowo. Der innersowjetische Kurzstreckenflug startet um 8:55 Uhr Ortszeit, doch schon kurz nach dem Start bemerken Pilot Victor Mostowoj und seine Crew ein Problem: Das Bugfahrwerk klemmt - es lässt sich nicht einfahren, scheint aber auch nicht mehr eingerastet zu sein.

Da in Tallinn dichter Nebel herrscht, steuert Mostowoj für eine Notlandung das 320 Kilometer entfernte Leningrad an (heute St. Petersburg). Dort will er das Flugzeug auf einer Schotterpiste außerhalb der Stadt landen – auf dem Bauch, wenn nötig.

Notwasserung auf der Newa, © YSL

Über Leningrad dreht die Tu-124 mehrere Schleifen in 500 Metern Höhe, um Kerosin zu verbrennen. Offenbar verbrennt sie dabei zu viel, denn als sie gerade ihren achten Kreis fliegt, geht plötzlich das linke Triebwerk aus.

Und obwohl die Spritanzeige im Cockpit noch eine Tonne Restvorrat suggeriert (ein Fehler, wie sich später herausstellt), verabschiedet sich wenig später auch das rechte Triebwerk, mitten über dem Stadtzentrum.

Die Landebahn ist mit rund 13 Kilometern zu weit entfernt – also trifft der 27-jährige Pilot Mostowoj eine riskante Entscheidung: Er will die Maschine auf dem Fluss Newa landen, der Leningrad durchfließt und im angepeilten Bereich etwa 300 Meter breit ist, wohlwissend, dass mehrere Brücken ihm dabei in die Quere kommen.

Und so schwebt die Tu-124 (Kennzeichen CCCP-45021) wenig später dicht über der Bolscheochtinski-Brücke ein, streift um ein Haar die gerade im Bau befindliche Alexander-Newski-Brücke – und setzt schließlich, mit dem Heck zuerst, stromaufwärts auf der Newa auf.

Keiner der 52 Insassen kommt ernsthaft zu Schaden, obwohl der Rumpf sich nach der Landung mit Wasser füllt: Ein zufällig in der Nähe fahrendes Schleppboot zieht das Tupolew-Wrack an Land, wo Passagiere und Besatzung die Maschine wohlbehalten verlassen können.

Pilot Mostowoj und seine Crew erhalten einen Orden. Von jeglicher Mitverantwortung für den Vorfall werden sie freigesprochen – vor allem aus Propagandagründen, wie mancher heute meint.

Alrosa Flug 514, 7. September 2010

Die Tupolew 154M RA-85684 der sibirischen Airline Alrosa ist am 7. September 2010 mit 81 Menschen an Bord von Udatschny nach Moskau-Domodedowo unterwegs.

Das Flugzeug befindet sich im Reiseflug auf 10.600 Meter, als ein Stromausfall die gesamte Elektronik lahmlegt. Navigationssystem und die elektrischen Kraftstoffpumpen, die den Sprit aus den Flügeltanks in den zentralen Rumpftank leiten, quittieren ihren Dienst.

Der Crew um die beiden Piloten Andrej Lamanow und Jewgeni Nowoselow bleiben somit 3.300 Kilogramm Kerosin, um einen geeigneten Platz zum Landen zu finden. Bei der Tu-154M reicht diese Reserve für etwa 30 Minuten. Eher suboptimal, mitten über den Urwäldern Nordwestrusslands.

Da entdecken die Piloten unter sich einen – ganz offenbar verlassenen – Flugplatz. Es ist der Airport von Ischma in der Republik Komi, der seit 2003 für Flugzeuge geschlossen ist und nur noch für Hubschrauberflüge genutzt wird.

Aus den Karten wurde das Flugfeld längst gestrichen, doch seine 1.300 Meter lange Runway existiert noch immer, die Piloten können sie sehen. Eine Tu-154M benötigt zum Landen im Normalfall allerdings gut 2.000 Meter.

Außerdem hat der Stromausfall nicht nur Navigation und Spritpumpen lahmgelegt, sondern auch Funk, Vorflügel und Landeklappen (die funktionieren zwar hydraulisch, werden aber elektrisch geschalten). Doch zum Lamentieren bleibt keine Zeit: hier oder nirgendwo!

Orenair Flug 554, 10. Februar 2016

Vollbesetzt mit 355 Passagieren und 20 Besatzungsmitgliedern macht sich am 10. Februar 2016 eine Boeing 777-200 der Orenair auf den Rückflug von Punta Cana (Dominikanische Republik) nach Moskau.

Orenair Boeing 777-200ER
Orenair Boeing 777-200ER, © Maarten Visser, CCBYSA

Die Maschine mit der Kennung VP-BHB ist vor ihrem Aufbruch in die Karibik in Domodedowo von Lufthansa Technik gecheckt und technisch für einwandfrei befunden worden.

Doch mitten im Steigflug auf dem Weg zurück nach Hause, auf einer Höhe von knapp 3.700 Metern, ist in der Kabine auf einmal ein Knall zu hören. Kurz darauf ertönt im Cockpit ein Feueralarm für das rechte Triebwerk.

Aus der Kabine wird Rauch gemeldet. Die Piloten entscheiden sich deshalb, sofort zum Flughafen Punta Cana zurückzukehren und direkt zu landen, ohne vorher Kerosin abzulassen.

Die Landung mit dem vollbesetzten, vollgetankten und damit übergewichtigen Zweistrahler gelingt, doch sie fordert ihren Tribut: Die Reifen überhitzen und gehen in Rauch auf, einige fangen sogar Feuer.

Dennoch kommt die 777 sicher zum Stehen, alle Passagiere und die Crew können das Flugzeug über die Notrutschen verlassen. Die VP-BHB bleibt gut zehn Monate in Punta Cana und wird dort repariert, bevor sie am 9. Dezember 2016 nach Amsterdam aufbricht.

Orenair hat nach Fusion mit Rossiya im März 2016 aufgehört zu existieren, doch die 777 ist seit 2018 wieder am Himmel unterwegs: sie fliegt heute für Ukraine International Airlines.
© FLUG REVUE - PZ | Abb.: Maarten Visser, CCBYSA | 25.08.2019 07:47


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