Festgefahrene Verhandlungen
Älter als 7 Tage

Piloten sehen Klärungsbedarf bei Tuifly-Langstrecke

TuiFly UK Dreamliner
Tui Airways Dreamliner, © TuiFly UK

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LANGENHAGEN - Tuifly will auf die Langstrecke, in der Thomas Cook-Pleite sieht die Unternehmensleitung eine günstige Gelegenheit, diesen Schritt zu wagen. Doch die Verhandlungen mit den Piloten sind ins Stocken geraten, die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit spricht von einer "Blockadehaltung".

Acht Tage lang haben Piloten und Manager der Tuifly laut "airliners.de" verhandelt, dann hat die Arbeitgeberseite die Gespräche abgebrochen.

"Wir wollten eine justiziable Absicherung des Verhandlungsergebnisses und erhielten eine Ablehnung, da dies zu sehr in die unternehmerische Freiheit eingreife", zitiert das Portal einen Vertreter der Gewerkschaft, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Offenbar plant das Unternehmen, bis 2022 fünf Boeing 787 unter dem AOC von Tuifly zu betreiben. Die Piloten argwöhnen, dass es dafür auch auf externe Mitarbeiter zurückgreifen könnte. Das Tuifly-Management dementiert dies.

In Großbritannien ist die Airline nach aero.de-Informationen bereits auf der Suche nach weiteren 787-Piloten. Dort hat die Pleite des Reisekonzerns Thomas Cook hunderte Piloten und Flugbegleiter auf den Markt gespült. Die britische Tui Airways betreibt bereits acht 787-8 und vier 787-9.

Entscheidung im März 2020

Cockpit moniert zudem, dass das Tuifly-Management sein Versprechen nicht gehalten habe, bereits im Jahr 2017 39 Boeing 737 auf der Mittelstrecke einzusetzen. Stattdessen sei nun von einer Flotte von 35 Flugzeugen diesen Typs plus zwei Standby-Maschinen zu betreiben.

Laut dem Bericht übt das Tuifly-Management Druck auf die Piloten aus, schnell zu einer Einigung zu kommen. Im VC-Papier dazu heißt es dagegen: "Von Anfang an wurde Arbeitgeberseitig herausgestellt, dass unabhängig von einem positiven Verhandlungsergebnis die finale Entscheidung zur Umsetzung der Pläne erst im März 2020 vom Tui-Management-Board gefällt werden solle."
© aero.de (boa) | Abb.: Tuifly UK | 06.11.2019 10:21

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Beitrag vom 06.11.2019 - 13:55 Uhr
Die Expansion der TUIfly kann die VC eigentlich nicht wollen, (...)

An dieser Stelle möchte ich Ihnen gern widersprechen. Ihre Aussage folgt dem in der Pilotenschaft weit verbreiteten Narrativ der EINEN und EINIGEN VC, die als ganzes EINE gemeinsame Marschrichtung hat. Diese "Eine VC" existiert nach meinem Dafürhalten nicht. Die TUIfly-TK und die TUIfly-PV besteht aus TUIfly-Piloten, die in erster Linie zugunsten ihrer eigenen Belegschaft verhandeln und in zweiter Linie den Erfolg und somit das Wachstum (zugunsten der eigenen Belegschaft) ihrer Firma unterstützen wollen. Dazu erhalten sie als Mitglieder von der VC Rechts- und Verhandlungsberatung, Schulungen und andere "Infrastruktur". Gleiches gilt für die LH- oder DE-TKler. Dass in der Gewerkschaftsarbeit, wie überall, die ein oder andere Sache mal unsauber, oder zugunsten eines bestimmten AOCs läuft, möchte ich dabei gar nicht abstreiten.
Das Prinzip, unter einer Gewerkschaft Arbeitnehmer konkurrierender Unternehmen zu versammeln und zu unterstützen, ist in anderen Branchen übrigens selbstverständlich. Deshalb bin ich davon überzeugt, die TUIfly-TK verhandelt für sich und nicht für die Condor- oder Lufthansapiloten.
Beitrag vom 06.11.2019 - 12:14 Uhr
Wäre natürlich auch interessant, wie die Gegenseite die Situation sieht, dann könnte man sich als Außenstehender ein besseres Bild über die Lage machen.

Was hier geschrieben steht, klingt schlüssig, und für die TUIfly wäre das endlich einmal ein Befreiungsschlag nach Jahren oder sogar Jahrzehnten der Probleme. Die Belegschaft, auch die Piloten, wird den Aufbau der Langstrecke also wollen.

Ich könnte mir aber vorstellen, daß die VC ein Bremsklotz ist - immerhin wird die TUI mit diesem Schritt die angeschlagene Condor angreifen wollen. Dort gibt es auch VC-Mitglieder, sogar mehr als bei TUIfly. Die Expansion der TUIfly kann die VC eigentlich nicht wollen, da dies eine existenzielle Bedrohung für ihren viel größeren "Kunden" Condor sein wird; ein Scheitern des Vorhabens, so daß alles bleibt, wie es ist (Condor als der einzige ernstzunehmende Langstrecken-Ferienflieger), ist wahrscheinlich ein Szenario, mit dem die VC gut leben kann. Ich sehe also die absurde Situation, daß die verhandelnde Gewerkschaft ganz andere Interessen haben könnte als die Mitglieder, die sie vertritt.

Insofern sehe ich die alleinige Schuldzuweisung für die stockenden Gespräche an den Arbeitgeber skeptisch und würde gern die andere Seite hören.

Dieser Beitrag wurde am 06.11.2019 12:26 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 06.11.2019 - 12:07 Uhr
Tja... die TUIfly-Piloten geniessen derzeit einen sehr privilegierten Tarifvertrag in Deutschland. Es dürfte klar sein, dass das Management für die Einflottung der 787 Zugeständnisse von den Piloten verlangt oder eben auch Alternativen in Erwägung ziehen wird.

Da bin ich ja gespannt...


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