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Flughafen Weeze beantragt Finanzspritze

Ryanair am Flughafen Weeze
Ryanair am Flughafen Weeze, © Flughafen Weeze

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WEEZE - Der Flughafen Weeze braucht dringend Geld: in der Debatte um Finanzhilfen plädiert der Gemeidebürgermeister Ulrich Francken (CDU) für eine Unterstützung. "Ich werde dafür werben, die Finanzhilfen zur Verfügung zu stellen", sagte Francken am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Wegen der erheblichen wirtschaftlichen Bedeutung dürfe man diese Infrastruktur nicht aufgeben. Allerdings müssten vorher einige Fragen beantwortet und auch die Perspektiven für den Flughafen geklärt werden. Auf dem Flughafenareal arbeiten nach Angaben des Airports rund 1.000 Menschen bei Firmen und Behörden.

Der Flughafen hat nach eigenen Angaben seine öffentlichen Gesellschafter, den Kreis Kleve und die Gemeinde Weeze, um eine Finanzspritze von 1,9 Millionen Euro gebeten. Weeze hatte durch die Verlagerung von Flügen des Billigfliegers Ryanair nach Köln und Düsseldorf erheblich Passagiere verloren.

Für das laufende Jahr werden rund 1,3 Millionen Passagiere erwartet - etwa ein Viertel weniger als im Vorjahr.

Der Flughafen sei in den nächsten zwölf Monaten gut durchfinanziert, sagte Geschäftsführer Ludger van Bebber. Danach könnte es aber unter anderem durch höhere Luftverkehrsteuerlasten und mögliche negative Auswirkungen auf die Passagierzahlen finanziell eng werden. Die "Rheinische Post" und der WDR hatten zuvor berichtet.

Hauptgesellschafter des Flughafens ist nach Angaben eines Flughafensprechers mit rund 88 Prozent die Airport Niederrhein Holding. Der Kreis Kleve hält über 11 Prozent und die Gemeinde Weeze 0,03 Prozent. Der Kreis Kleve hielt sich noch zurück. Ob es eine Bereitschaft gebe, dem Flughafen finanziell zu helfen, müssten die politischen Beratungen in den nächsten Wochen zeigen, teilte eine Sprecherin mit.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Flughafen Weeze | 13.11.2019 16:14

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Beitrag vom 14.11.2019 - 12:21 Uhr
Es sind in der Tat vielfach sogenannte Konversionsprojekte (Kassel ist da die Ausnahme von dieser Regel), nach meinem momentanen Wissensstand gehört Weeze auch dazu, wo zuvor wohl die Royal Air Force stationiert war. Seit dem Abzug der britischen Rheinarmee stand dieser Flughafen mit seiner eigentlich ziemlich leistungsfähigen Infrastruktur leer. Die Konversion von einem militärischen zu einem zivilen Flughafen, also das Umnutzen einer bereits vorhandenen Infrastruktur, ist ja an und für sich erst einmal keine schlechte Idee. Weeze, das die Stadt Mönchengladbach in seinem Einzugsbereich hat und das Ruhrgebiet in nicht allzu großer Entfernung, hat da eigentlich schon viel bessere Voraussetzungen als andere derartige Konversionsprodukte. Und in der jeweiligen Region hängen da eben schon Arbeitsplätze und Steuereinnahmen dran, zumal man in diesen Regionen ja häufig immer noch am Abzug der Truppen und damit am Wegfall von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen, die diese Truppen brachten, zu knabbern hat - und viele dieser Regionen sind strukturschwach, wo ohnehin Arbeitsplätze und Steuereinnahmen fehlen. Das ist also nicht nur die persönliche Eitelkeit von "Dorfbürgermeistern", eine verantwortungsvolle Kommunalpolitik wirft eine solche Infrastruktur nicht einfach ohne Not weg.

Das Problem sind hier vor allem die LCC, bisher faktisch Ryanair, die sich in den 2000ern diese Konversionsprodukte und die Sorgen und Nöte (und in einigen Fällen natürlich auch die Eitelkeiten) der verantwortlichen Kommunalpolitiker vor Ort nützlich gemacht haben, indem sie dort Gebühren bzw. eher Nicht-Gebühren und andere für sie schöne Dinge wie z.B. der Bau und Unterhalt von Terminals durchdrückten, die das faktisch zur systematischen Subventionierung ihres Geschäftsmodells durch öffentliche Gelder machte. Aus diesem Grund wurde von der EU die öffentliche Subventionierung von Regionalflughäfen ab 2025 untersagt, was für die meisten ein Riesenproblem werden wird. Dieses Geschäftsmodell - seit kurzem wird es von Wizz Air kopiert, die systematisch Dortmund und Memmingen pushen - hat aber natürlich gleich zwei Haken:
Erstens verhindert es strukturell, dass die entsprechenden Flughäfen mit ihrer schwachen Marktposition zumindest kostendeckende Gebühren durchsetzen können - am Lübecker Flughafen, der das einmal versucht hat, hat Ryanair seinerzeit ein Exempel statuiert was passiert, wenn sie nicht im Sinne von MOL funktionieren.
Zweitens bringt es diese Flughäfen und ihre Betreiber in eine völlige Abhängigkeit von diesen LCC, konkret kann man sagen von Ryanair und im Falle von Dortmund und Memmingen von Wizzair. Mit der Änderung der Geschäftsstrategie dieses Unternehmens können sie von heute auf morgen in finanzielle Existenznot geraten - und Ryanair hat inzwischen seine Geschäftsstrategie geändert - zunächst weg von den Regionalflughäfen hin zu den Großflughäfen und inzwischen auch weg von "Goodbye Lufthansa" hin zum sukzessiven Rückzug aus dem deutschen Markt. Dortmund und Memmingen hängen entsprechend am Tropf von Wizzair. Wenn Wizzair nun auf die Idee käme, sich von dort zurückzuziehen, ständen sie genauso finanziell mit dem Rücken an der Wand wie jetzt Weeze. Als Flughafenbetreiber hat man es da obendrein dann auch noch mit "Kunden" zu tun, bei denen man damit rechnen muss, dass sie einem solch grundlegende Strategiewechsel ihrer Geschäftspolitik ohne Vorwarnung irgendwann spätnachts per Twitter mitteilen, d.h. es gibt als Dreingabe null Planungssicherheit. Übrigens ist es im Moment gerade Hahn, die es als fast einzige dieser konvertierten Regionalflughäfen mit dem systematischen Aufbau des Frachtgeschäfts zu verstehen scheinen, sich aus der Abhängigkeit von Ryanair und Wizzair etwas zu lösen und zumindest ein zweites geschäftliches Standbein aufzubauen.

Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es deshalb wohl in acht bis zehn Jahren nicht mehr alle die Verkehrsflughäfen in Deutschland geben wird, die es heute noch gibt. Aber dadurch wird es absehbar nicht einen Flug weniger geben, nicht ein Gramm weniger CO2 in der Atmosphäre und MOL wird nicht einen Cent weniger verdienen. Wer in Mönchengladbach wohnt und bisher mit Ryanair von Weeze aus in den Urlaub flog, wird dies in Zukunft eben von Düsseldorf aus mit "Lauda" tun oder mit "Malta Air" - für die dann eben dort eine neue Startbahn in die Landschaft gepflügt werden muss - natürlich zu Ryanair-Konditionen. Und ob dann Düsseldorf immer noch so gutes Geld verdient wie heute wird auch noch sehr die Frage sein.
Es ist absehbar, dass der dann zusätzlich notwendig werdende Aufbau von neuer Infrastruktur an den Großflughäfen zur Bewältigung des sich potenzierenden Verkehrs und die "Ryanair-Konditionen" seines Unterhaltes die Steuerzahler sehr, sehr viel öffentliches Geld kosten werden, da sind wir dann nicht mehr im einstelligen Millionenbereich wie heute in Weeze sondern ganz schnell im Milliardenbereich - das Nähere siehe unter BER.
Die eigentlichen Looser werden die strukturschwachen Regionen und ihre Menschen sein, deren Eigentum ausgenutzt, ausgesaugt und dann ausgespuckt wurde.

Wenn man sich diese Zusammenhänge einmal vergegenwärtigt, dann kann ich persönlich jedenfalls beim derzeitigen Niedergang der Regionalflughäfen nicht so einfach "Hurra" schreien.

Dieser Beitrag wurde am 14.11.2019 12:28 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 14.11.2019 - 06:03 Uhr
es waren halt vielfach sog. Konversionsprojekte, d h man hatte durch den Weggang der "Besatzer" und die Rückgabe der Flugplätze die einfach mal "an der Backe". Etwas "G´scheits" daraus zu machen wäre ja OK gewesen, aber bedauerlicher Weise haben (sorry) wirtschaftlich unbedarfte Kommunal- und Regionalpolitiker öfter mal Sonnenkönig gespielt - und DAS kam dabei raus.
Ich bn gespannt, wie häufig künftig die Reißleine gezogen werden wird. Bekannt ist mir auf die Schnelle nur Zweibrücken (Rheinland-Pfalz), wirtschaftlich war die Schließung OK, nur wegen der unterschiedlichen Bundesländer hat man den sehr nahe gelegenen und schwierig anzufliegenden, weil im Talkessel gelegenen - Saarbrücker Flughafen offen gelassen.
Genau genommen brauchte es beide niemals, aber man stelle sich vor, die Landeshauptstadt eines (wirtschaftlich alleine nicht überlebensfähigen) Bundeslandes hätte keinen eigenen Flughafen mehr? Und die Politiker hätten aus dem benachbarten Bundesland starten müssen?
Aber vllt gibt es ja in Weeze die Initialzündung für wirtschaftliches Denken, verbunden ökologischem Denken...na-ja, ich träumte gerade, Politiker knnen das i d R doch nicht (jetzt bin ich in der Realität zurück und trikne meinen Kaffee)
Beitrag vom 13.11.2019 - 21:10 Uhr
Eine Schande, solche Airports künstlich am Leben zu halten.


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