Flug PS752
Vor 7 Tagen

Kanadische Regierung geht von iranischem Abschuss aus

Flug PS752 am 08.01.2020
Flug PS752 am 08.01.2020, © ANTW/Twitter

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OTTAWA - Nach dem Flugzeugabsturz bei Teheran erscheint ein Abschuss durch den Iran als Unglücksursache immer wahrscheinlicher. Die kanadische Regierung habe Informationen, die darauf hindeuteten, "dass das Flugzeug von einer iranischen Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde", sagte der Ministerpräsident Justin Trudeau.

Der Abschuss könne durchaus versehentlich geschehen sein. Die ukrainische Boeing 73-800 mit 176 Menschen an Bord war abgestürzt, kurz nachdem der Iran zwei von US-Soldaten genutzte Stützpunkte im Irak angegriffen hatte. Im Konflikt zwischen den USA und dem Iran standen die Zeichen nach den gezielten Militärschlägen unterdessen vorerst auf Entspannung.

Das Flugzeug war am Mittwochmorgen auf dem Weg von Teheran nach Kiew kurz nach dem Start abgestürzt. Der Iran hatte Spekulationen über einen Abschuss zurückgewiesen - die iranischen Behörden bekräftigten am Donnerstag, dass eine technische Ursache zu der Katastrophe geführt habe.

"Wegen eines technischen Defekts hat die Maschine Feuer gefangen, und dies führte zum Absturz", sagte Verkehrs- und Transportminister Mohammed Eslami der Nachrichtenagentur Isna. 63 Kanadier waren an Bord der Maschine. Trudeau sagte, seine Regierung habe Informationen "von mehreren Quellen von unseren Alliierten und eigene Informationen". Die Beweise seien "sehr klar".

Mehrere US-Medien berichteten übereinstimmend, dass amerikanische Regierungsbeamte einen Abschuss für hoch wahrscheinlich hielten. Zur Begründung der Annahme, dass die Maschine abgeschossen worden sein könnte, führte der Sender CBS an, dass US-Geheimdienste Signale von einem Radar empfangen hätten, das eingeschaltet worden sei.

US-Satelliten hätten außerdem den Start von zwei Boden-Luft-Raketen kurz vor der Explosion des Flugzeugs entdeckt. Der Sender CNN meldete unter Berufung auf mehrere US-Behördenvertreter, man gehe zunehmend von einem versehentlichen Abschuss durch den Iran aus. Dieser "Arbeitstheorie" lägen die Analyse von Satelliten-, Radar- und anderen elektronischen Daten zugrunde, die routinemäßig vom Militär und den Geheimdiensten der USA gesammelt würden.

Unverifiziertes Video soll Abschuss von Flug PS752 zeigen, © Bellingcat/Twitter

Die Ukraine schließt einen Raketenangriff oder einen Terroranschlag als Ursache nicht aus. Kiew schickte eigene Experten in den Iran. Das US-Außenministerium forderte eine "umfassende Zusammenarbeit" bei der Untersuchung zur Absturzursache. Der Leiter der iranischen Luftfahrtbehörde, Ali Abedsadeh, bezeichnete einen Abschuss als "wissenschaftlich unmöglich" und verwies darauf, dass zurzeit des Absturzes auch andere Maschinen im iranischen Luftraum unterwegs gewesen seien.

US-Präsident Donald Trump heizte Mutmaßungen über die Absturzursache mit unspezifischen Äußerungen an. "Ich habe meinen Verdacht", sagte er im Weißen Haus. "Ich will das nicht sagen, weil andere Menschen auch diesen Verdacht haben. Es ist eine tragische Angelegenheit." Trump sagte weiter: "Jemand könnte einen Fehler gemacht haben." Auf die Frage, ob die Maschine aus Versehen abgeschossen worden sein könnte, sagte er allerdings: "Das weiß ich wirklich nicht."

Ukrainisches Team landet in Teheran

Iranischen Angaben zufolge traf das ukrainische Team bereits in Teheran ein, die anderen Teams würden in den nächsten Tagen erwartet. Die Teilnahme von Boeing-Experten wurde vom Außenministerium in Teheran bestätigt.


PS752, © TSL

Die Blackboxen des Flugzeuges sollen im Iran untersucht werden. Falls dies aber aus technischen Gründen nicht möglich sein sollte, wären auch Untersuchungen im Ausland denkbar. Es sollten alle technischen Möglichkeiten in Betracht gezogen werden, um die Absturzursache umgehend zu klären, sagte Abedsadeh.

Eskalation am Persischen Golf

Die Lage am Persischen Golf war eskaliert, nachdem die USA den iranischen Top-General Ghassem Soleimani Ende vergangener Woche in Bagdad gezielt getötet hatten. Der Iran hatte in der Nacht zum Mittwoch mit einem - angekündigten - Angriff auf zwei von den USA genutzte Militärbasen im Irak geantwortet.

Danach hatten Trump und Irans Präsident Hassan Ruhani angekündigt, den Konflikt zunächst auf politischer Ebene führen zu wollen. Ruhani warnte aber am Donnerstag: "Falls die Amerikaner einen weiteren Fehler begehen sollten, werden sie eine sehr gefährliche Antwort des Irans erhalten."

Trump hatte als Antwort auf den Vergeltungsschlag weitere Wirtschaftssanktionen gegen den Iran in Aussicht gestellt. Am Donnerstag sagte der US-Präsident, bestehende Sanktionen seien bereits verschärft worden, und kündigte an, dass es dazu noch eine Bekanntmachung geben werde.

Er verteidigte die umstrittene Tötung des Top-Generals. "Wir haben ein totales Monster erwischt und ihn getötet und das hätte schon vor langer Zeit passieren sollen." Soleimani habe vorgehabt, die US-Botschaft in Bagdad in die Luft zu jagen.

Washington hatte nach dem Drohnenangriff erklärt, der Chef der Al-Kuds-Einheiten habe Angriffe auf US-Bürger geplant. Nähere Informationen wurden dazu nicht öffentlich. Soleimani war der wichtigste Vertreter des iranischen Militärs im Ausland. Führende US-Demokraten zweifeln an der Darstellung der Regierung.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: TSL | 09.01.2020 18:46

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Beitrag vom 10.01.2020 - 14:15 Uhr
die Flughöhe lag durchaus auch im Bereich eines ManPads. Wer auch immer das Ding abgefeuert hat..
Beitrag vom 10.01.2020 - 13:52 Uhr
Wenn ich mir die beiden Handyvideos anschaue, dann frage ich mich insbesondere beim zweiten, das den Abschuß zeigen soll, aus welchem Grund jemand am frühen Morgen bei Dunkelheit ein Video von einem abfliegenden Flugzeug machen sollte, wenn derjenige nicht genau weiß, daß da etwas passieren wird. Das stinkt doch.

Es ist die Rede von zwei Raketenstarts. Das kann erklären, warum jemand nach dem ersten Start (und vermutlich Fehlschuss) einfach mal filmt.
Beitrag vom 10.01.2020 - 12:00 Uhr
@ ZH flyers: sind losgeflogen, LH 600 ist aber gerade über Bukarest umgedreht. Ohne Worte. Spohr hat den Laden ganz schön runtergewirtschaftet.

Lieber fliegerschmunz,

ich halte Carsten Spohr auch nicht für den besten aller möglichen Lufthansa-CEO´s und bin hier im Forum ziemlich gebasht worden, als ich das bei Gelegenheit auch so formuliert habe. Aber für die Imponderabilien dieses Nahost-Konfliktes kann man ihn nach meinem Dafürhalten nicht verantwortlich machen. Eher empfinde ich es in diesem Fall als positiv, dass man sich die Blamage zugemutet hat, aus Sicherheitsgründen einen bereits en route befindlichen Flug umkehren zu lassen.


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