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Letzter Aufruf für Condor-Interessenten

Condor Boeing 767-300ER
Condor Boeing 767-300ER, © Condor

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FRANKFURT - Das Tauziehen um Condor geht in die heiße Phase: Investoren aus den USA und Großbritannien liegen nach Informationen des "Handelsblatt" vorn, doch auch Mitbieter LOT Polish Airlines werden noch Chancen eingeräumt. Eine Vorentscheidung könnte bereits zum Wochenende fallen.

Das Bieterfeld für Condor hat sich auf Apollo, Greybull und LOT verengt. Wie das "Handelsblatt" schreibt, punkteten die Finanzinvestoren mit ausgereifteren Konzepten für die Fortführung von Condor. Doch auch LOT ist demnach weiter "im Rennen".

Condor hatte sich Ende 2019 mit einem Schutzschirmverfahren vom insolventen Mutterkonzern Thomas Cook gelöst.

Ein staatlicher Brückenkredit in Höhe von 380 Millionen Euro hält die Airline während der Investorensuche flüssig. Das Geld ist alleredings im April zur Rückzahlung fällig.

Laut "Handelsblatt" sind Apollo und Greybull zu Direktinvestition von 250 Millionen Euro bereit - den übrigen Kreditbetrag müsste Condor aus Eigenmitteln stemmen. Condor hat sich in den vergangenen Wochen mit Gewerkschaften auf einen Arbeitsplatzabbau in Kabine und Verwaltung verständigt, um Kosten zu senken.

Der US-Airlineinvestor Apollo ist in Europa bereits mit einer Beteiligung an Volotea aktiv. Bei Condor brauchen die Amerikaner zur Sicherung der Verkehrsrechte einen europäischen Teilhaber. Greybull Capital ist als Firmensanierer in Erscheinung getreten. Die Briten gehörten zum Investorenkreis von Monarch Airlines, die 2017 Insolvenz anmelden musste.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Condor | 23.01.2020 14:18

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Beitrag vom 24.01.2020 - 10:24 Uhr
P.S.: So schnell ändert sich manchmal die Nachrichtenlage: Ich habe gerade eben geschrieben: "Noch ist nichts entschieden". Sollte die Eilmeldung sich bewahrheiten, dann ist es wohl inzwischen entschieden, jedenfalls wer unter den Bewerbern den Zuschlag erhält und jetzt in die Einzelverhandlungen geht.

Sollte dieser Deal zustandekommen, dann wird sich am deutschen Luftfahrtmarkt Einiges verändern, mit nicht unerheblichen Auswirkungen auf den europäischen Luftfahrtmarkt.
Beitrag vom 24.01.2020 - 09:54 Uhr
Ich bin da bei @Contrail.

Frei nach dem indianischen Sprichwort: Wenn du ein totes Pferd reitest, steig ab.

Ich sehe nicht wie ein Finanzinvestor Condor profitabel kriegt - und mehr als das aktuelle +/- 0 rausbekommen soll.
Die Flieger gehen auch nicht ewig, enweder man holt sich A330 oder B789, oder ein paar A321XLR.
Condor ist viel anfälliger als die LH gegen LCC.

Condor hat kaum Skaleneffekte.

Was soll LOT damit? Verstehe ich nicht, nicht mal im Ansatz.

Also dann doch noch einmal die einzelnen Punkte, warum es für LOT sinnvoll wäre, Condor zu übernehmen (entweder als Mehrheits- oder als Alleineigentümer, spätestens Anfang nächster Woche wissen wir wohl, ob sie der Bewerber sind, mit dem dann in die Einzelverhandlungen gegangen wird):

1.) LOT hat nach einer schweren Krise nach "Nine/ Eleven" und zu Zeiten der internationalen Finanzkrise eine mit rabiaten Methoden durchgeführte, aber nach allem, was an Zahlen öffentlich bekannt ist, erfolgreiche Sanierung hinter sich und ist in den letzten Jahren auf massivem Expansionskurs. Vor nicht langer Zeit wurde von LOT am Flughafen Budapest nach Warschau Chopin ein zweiter Hub eröffnet, der übrigens dem konkurrierenden LCC-Carrier Wizz Air an dessen Heimat-Airport direkt vor die Nase gesetzt wurde.
- Mit der Übernahme von Condor bekäme LOT einen wichtigen Fuß in die Tür des deutschen Luftfahrtmarktes, nach Großbritannien und Spanien der drittgrößte Luftfahrtmarkt des europäischen Kontinents - für LOT in dieser Größenordnung eine einmalige Chance.
- Mit Condor hätte LOT die Chance, in Frankfurt einen eigenen, dritten Hub zu installieren, wie bereits in Budapest der Konkurrenz direkt vor die Nase. Lufthansa hat in letzter Zeit ja massiv von Frankfurt nach München verlagert, das wäre also auch eine Win-Win-Situation mit der FRAPORT, die dadurch erheblichen Verhandlungsspielraum gegenüber Lufthansa gewinnen würde.
- Die derzeit gut 90 Maschinen von LOT zusammen mit den derzeit rund 50 Maschinen von Condor würden LOT zu einer "kritischen Größe" (wie das ein Luftfahrtexperte kürzlich einmal nannte) verhelfen, die es vom traditionell rein polnisch-nationalen Legacy-Carrier - zwar als deutliche Nr. 4, aber immerhin - zur europäischen Legacy-Carrier-Group nach der Lufthansa Group, der IAG und Air France-KLM aufrücken ließe. Das ist für LOT eine einmalige Chance und würde den europäischen Luftfahrtmarkt tatsächlich verändern.

2.) LOT ist nur eine von zwei mittelosteuropäischen Airlines, die Langstrecke anbieten (die andere Airline ist Ukraine International) - und die einzige EU-Airline aus Mittelosteuropa. Mit der Condor-Langstrecke würde sich das Portfolio an Langstrecken-Destinationen, das LOT anzubieten hat, schlagartig erweitern. Dies gilt insbesondere für Langstrecken-Feriendestinationen, wo in ganz Mittelosteuopa bisher lediglich Ukraine International mit Phuket und Dubai lediglich zwei Ziele anbietet und in die Karibik bisher buchstäblich nichts angeboten wird. Als Hintergrundinformation: Insbesondere Polen hat in den letzten zehn Jahren einen massiven Wirtschaftsaufschwung erlebt und immer mehr Menschen in diesem 40-Millionen-Land können sich Urlaubsreisen leisten, die früher aus finanziellen Gründen unmöglich gewesen wären.

3.) Das Thema Ferienflug-Angebote: Dieses ist bisher die schwache Seite von LOT. In Polen dominiert hier die Ryanair-Group, in Ungarn Wizz Air, in Tschechien und Slowakei Smartwings. Im Ferienfluggeschäft hat in Polen bisher sogar die kleine Enter-Air mehr Marktanteile als LOT. Mit Condor würde sich LOT hier Kompetenz, Markterfahrung und auch Marktanteile einkaufen (und zwar nicht nur für Polen und die übrigen Länder Mittelosteuropas sondern auch für den deutschen Markt).

4.) Seit dem Ende des Kalten Krieges ist LOT einer der treuesten europäischen Boeing-Kunden. Entsprechend massiv ist LOT derzeit auch vom Grounding der 737 MAX betroffen und muss nach dem Sommerflugplan 2019 nun auch im laufenden Winterfugplan massiv auf teueren Wetlease zurückgreifen, um den Flugplan bedienen zu können. Mit den Airbussen von Condor wäre dieses Problem kurzfristig gelöst und mittelfristig hätte man eine deutlich verbesserte Verhandlungsposition gegenüber Boeing.

5.) Die anstehende Erneuerung der überalterten Condor-Langstreckenflotte, insbesondere die Ablösung der 767, wäre für LOT verhältnismäßig kostengünstig und schnell zu bewerkstelligen. LOT baut derzeit seine Langstreckenflotte mit Dreamlinern aus, von denen die 787-9 von ACG im Drylease kommen. Hier könnten sukzessive "Dreamliner" zu Condor "rübergeschoben" werden, was auch für Condor eine Win-Win-Situation wäre und deren womöglich größtes Problem lösen würde.

6.) Mit Condor kauft sich LOT eine Tochter ein, die im Bereich der schwarzen Zahlen operiert - angesichts all der anderen Vorteile für LOT wäre auch eine derzeitige "schwarze Null" von Condor absolut befriedigend, weil es die Chance eröffnen würde, durch das Nutzen von Synergieerffekten da noch mehr draus zu machen.

Ergänzend dazu dann auch noch ein kurzer Blick darauf, warum darüber hinaus LOT für Condor ein attraktiver neuer Eigentümer sein könnte (wie erwähnt: noch ist nichts entschieden, zwei weitere finanziell starke Bewerber sind immer noch im Rennen):

1.) Nach EU-Recht wäre das eine absolut wasserdichte Konstellation. Irgendwelche Monita aus Brüssel sind bei diesem Investor nicht zu befürchten.

2.) Der neue Eigentümer wäre ein erfahrener und erfolgreicher Player am Markt, dessen Investition definitiv langfristigen Charakter hätte (im Gegensatz zu den beiden Finanzinvestoren). Man würde wesentlicher Teil einer neuen Airline-Group werden und sich neue, profitable Geschäftsfelder eröffnen (während Apollo lediglich die kleine Volotea als Partnerin anzubieten hätte und Greybull im Augenblick gar nichts).

3.) Die beiden größten Probleme von Condor ließen sich einer zeitnahen Lösung zuführen:
- Wie bereits erwähnt: Die überfällige Erneuerung der Langstreckenflotte.
- LOT hat eine umfangreiche Regional- und Kurzstreckenflotte (eigene Embraer-Maschinen und seit Jahren darüber hinaus geleaste Maschinen von Nordica (Regional Jet). Als Feeder-Flüge könnten diese Condor unabhängig von der Zubringerfunktion der Lufthansa machen und böten sogar die Chance, ein eigenes, auf eigene Bedürfnisse abgestimmtes Feeder-Netz aufzubauen, woran bisher überhaupt nicht zu denken war und was Condor der TUI dann voraus hätte (und was dann umgekehrt LOT die Chance böte, auf den deutschen Regionalflugmarkt zu expandieren).

4.) Wenn LOT bereit sein sollte, Condor in der Personalwirtschaft, insbesondere bei den Tarifverträgen, entgegenzukommen (die eigene Sanierung bei LOT war wie erwähnt rabiat, gerade auch im Umgang mit den eigenen Mitarbeitern), dann dürfte diese Option womöglich tatsächlich auch die attraktivste für Condor sein und eine reale Chance, sich am Markt zu behaupten.

Das letzte Wort wird aber natürlich in jedem Fall die Gläubigerversammlung haben, die nach derzeitigem Stand wohl am 5. März zusammentreten soll. Erst dann werden wir wissen, ob Condor "durch" ist und wer gegebenenfalls tatsächlich den Zuschlag erhält, ob nun die LOT oder einer der beiden anderen Bewerber.


Dieser Beitrag wurde am 24.01.2020 10:15 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 24.01.2020 - 06:27 Uhr
Ich bin da bei @Contrail.

Frei nach dem indianischen Sprichwort: Wenn du ein totes Pferd reitest, steig ab.

Ich sehe nicht wie ein Finanzinvestor Condor profitabel kriegt - und mehr als das aktuelle +/- 0 rausbekommen soll.
Die Flieger gehen auch nicht ewig, enweder man holt sich A330 oder B789, oder ein paar A321XLR.
Condor ist viel anfälliger als die LH gegen LCC.

Condor hat kaum Skaleneffekte.

Was soll LOT damit? Verstehe ich nicht, nicht mal im Ansatz.


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