"Süddeutsche Zeitung"
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Lufthansa könnte Zubringer für Condor streichen

LOT Polish Boeing 787
LOT Polish Boeing 787, © LOT Polish

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FRANKFURT - Der Deal zwischen LOT Polish Airlines und Condor ist Lufthansa ein Dorn im Auge - nach Medieninformationen stellt Lufthansa Zubringerflüge an das Frankfurter Drehkreuz in Frage. Nicht nur bei Lufthansa wachsen Zweifel an der Rechtmäßigkeit polnischer Staatshilfen, mit denen die Regierung LOT päppelt.

Lufthansa stellt ihre Bande zu Condor auf den Prüfstand: nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" steht Lufthansa kurz davor, Condor Zubringerflüge an die Frankfurter Langstrecke zu entziehen. Condor drohe zudem der Ausschluss aus dem Lufthansa-Meilenprogramm.

Der staatseigene LOT-Konzern PGL hatte sich im Bieterverfahren um Condor gegen zwei private Interessenten durchgesetzt. Laut Branchenkreisen ist PGL die Übernahme 600 Millionen Euro wert. Condor, PGL und Sachwalter Lucas Flöther halten sich zum genauen Kaufpreis bedeckt.

Condor kann mit dem Geld aber in jedem Fall einen staatlichen Brückenkredit ablösen, mit dem Bund und Hessen den Ferienflieger nach dem Zusammenbruch von Thomas Cook stützten.

Lufthansa hatte im Sommer 2019 selbst einen Anlauf auf Condor unternommen - ist dem Vernehmen nach aber an europäischem Wettbewerbsrecht gescheitert. Inzwischen arbeitet der Konzern an einem eigenen Ferienflieger - die Rede ist von bis zu 16 Großraumflugzeugen, die Cityline für Lufthansa betreiben soll.

Lufthansa prüft Beschwerde

Laut "Süddeutscher Zeitung" prüfen Lufthansa-Juristen derzeit die Erfolgsaussichten einer möglichen Beschwerde bei der EU Kommission gegen den PGL-Condor-Deal.

"Der polnische Staat finanziert diese Transaktion", hatte LOT-Chef Rafal Milczarski bei Bekanntgabe der Condor-Übernahme eingeräumt.

Doch damit könnte eine Grenze zu unerlaubten Beihilfen überschritten werden. Denn Polen hatte LOT erst 2014 mit 200 Millionen Euro selbst vor der Pleite gerettet.

Nicht nur Lufthansa mutmaßt, dass die polnische Regierung LOT über die PGL weitere Beihilfen und wettbewerbsverzerrende Vorteile einräumt. Die Billigairline Wizz ist offenbar schon einen Schritt weiter und hat sich bereits bei der EU Kommission über PGL beschwert.

In der PGL laufen seit Oktober 2018 die Fäden polnischer Luftfahrtpolitik zusammen: Polens nationalkonservative Regierung hat die Gruppe mit einem Kapitalstock von 580 Millionen Euro ausgestattet - und Milczarsk zum Chef ernannt.
© aero.de | Abb.: LOT Polish Airlines | 03.02.2020 12:54

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Beitrag vom 04.02.2020 - 15:39 Uhr
Ich hab Verständnis dafür wenn LH seine Füllerfunktion für Condor in FRA und MUC aufgeben würde. Dann wäre aber gleich die Auslastung um bis zu 20% geringer als heute, und ob sich der Polnische Staat auf Dauer nur halbvoller Condorflieger leisten will ist eine andere Frage. Und wenn die LH-Group auch noch eine art Edeweißair hier in FRA aufmacht, dann kann Condor gleich vom Deutschen Markt leider verschwinden, weil es sich nicht mehr lohnt. Nur das einzige was der LH-group auf die Beine fallen könnte ist, dass sie keine Hotelketten im Hintergrund haben die sich auf dem Tourismus konzentriert haben. Sie arbeiten ja mit Ketten wie Best-Western zusammen, diese sind aber mehr auf Geschäftsleute spezialisiert. Deshalb müsste die LH-Group erst einmal dort wieder alles aufbauen, und ob ein Carsten-Spohr so Langfristig denkt, dass weiß ich nicht. Ich wünsche mir aber, dass die LH-Group nun auf Condor reakgiert, damit steigt die Wahrscheinlichkeit doch wieder an, dass man sich Airbus A330-NEO ins Haus stellt, weil damit könnte man alle verbliebenen Arbus A340-300 eins zu eins ersetzen. Und die LH-Group würde auch mehr in Florida ausbauen, dann würden neben Orlando, Tampa und Miami auch Fort-Myers hinzukommen und man würde auch mal wieder nach Portland, Edminton und Pittsbought fliegen.
Beitrag vom 04.02.2020 - 14:09 Uhr
Es geht primär um Führungsstile und damit verbunden Denkstile. Führungsstile: Welche Entscheidungen werden wie getroffen, wie implementiert und wie kommuniziert und welche Handlungsdispositionen werden präferiert?
Das würde ich als Managementstil definieren. Unter Führung verstehe ich etwas anderes, aber sei es drum.
Denkstile: Wie wird mit Sprache umgegangen (Sprache als kommunikatives Urmedium und zugleich als Denkmedium = Wir Menschen können nur in Sprache denken, der individuelle Sprachgebrauch lässt deshalb auf das Denken rückschließen), wie erfolgen in welchen Situationen öffentliche Selbstinszenierungen und welche Rückschlüsse lässt das auf habituelle und mentale Dispositionen zu? Es geht dabei primär nicht um persönliche charakterliche Eigenschaften einzelner Protagonisten sondern um die Führungskultur, die sich aus den Führungsstilen und Denkstilen der relevanten (Manager-)Elite ergibt (Kultur und Elite als analytisch-neutrale Begriffe verwendet, nicht im moralisch-wertenden Sinne).
Vor dieser Definition wiederhole ich meine Frage, was wissen Sie genau über MOL, Spohr und jetzt noch Herrn Milzcarski um über deren Stile zu urteilen und diese gegeneinander zu vergleichen?
Das derzeitige Problem der LH-Group ist im Übrigen doch wohl vor allem, dass primär auf der kurzfristig-taktischen Ebene agiert wird und dass man deshalb immer wieder mit situativ negativen Vorgängen konfrontiert wird, auf die man dann nur reagieren kann - und von denen man immer wieder negativ überrascht wird. Das Beispiel Condor ist da doch nur das letzte einer inzwischen jahrelangen Geschichte - und das hat zumindest nach meinem Dafürhalten sehr viel damit zu tun, dass der Führungskultur der LH-Group die strategische Perspektive fehlt, die die genannten Konkurrenten (leider für die LH Group) besitzen und auch konsequent proaktiv implementieren.
Ich würde sagen, "das derzeitige Problem der Luftfahrt ist im Übrigen doch wohl vor allem" die Dynamik. Die Situation ändert sich doch beinahe täglich und was gestern war passt heute nicht mehr, manchmal genau in diesem Zeitfenster. Nehmen Sie nur die letzten 12 Monate, von MAX bis Corona alles dabei. Alles was Sie hier gegen LH aufführen passiert, oder ist passiert, bei den anderen doch auch. Manche sind gescheitert, manche habe rechtzeitig umgesteuert. Nehmen Sie AF/KL, BA, SK, DY, FI oder wen auch immer. Kaum haben sie sich gesetzt passiert das Nächste. Beispiel DL und LATAM. Das zwingt LH dazu die Italien Tür für diese Gruppe zu schließen, sonst ist diese von Ihnen aufgeführte Hausmacht in DACH + B nur noch Makulatur. Jetzt eben Condor vor der Haustür.
Nur nebenbei: Herr Teckentrup hat im Übrigen in den ganzen letzten Jahren und dann auch in der akuten Krise seit der Insolvenz von Thomas Cook aus der Situation der Condor Hervorragendes, man kann sogar sagen: das Bestmögliche gemacht. Dass es heute überhaupt noch eine Condor am Markt gibt und sie eine Perspektive auf Fortbestehen hat ist tatsächlich eine herausragende Managementleistung - und manchmal ist eine solche nur möglich, wenn man sich dem Teufel verkauft, um zu vermeiden, vom Beelzebub gefressen zu werden.
Hier wiederhole ich mich gerne, was ist Condor genau? Flieger mit dem Logo oder eine Airline mit Sitz und Jobs in D so wie wir sie kannten? Wenn das klar ist können wir sehen wie das Fortbestehen ausgegangen ist. Vor diesem Hintergrund und im aktuellen Umfeld, was wäre denn das Bestmögliche für die LHG, und wie wird es erreicht? Bin gespannt.

Dieser Beitrag wurde am 04.02.2020 14:15 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 04.02.2020 - 13:51 Uhr
Zitat @Nicci72: "...Der "polnische Staatskapitalismus" bietet übrigens immerhin die Möglichkeit, dass seine Gewinne in der Staatskasse landen und so der Allgemeinheit zugute kommen..."

Diese Möglichkeit scheint mir eher theoretisch denn praktisch zu sein. Hat LOT jemals Gewinn erzielt UND diesen an den Staat abgeführt, insbesondere NACH Verrechnung mit der vorher dem Unternehmen zugeflossenen Staatsmitteln / -zuschüssen, und falls ja und ich hätte dies übersehen: WANN war das? Und wo sollen in Zeiten des aktuellen Preisverfalls, verbunden mit dem nicht unerheblichen Investitionsbedarf in die Condor-Flotte die dann abzuführenden Gewinne herkommen? So viel Personal in Deutschland kann man vermutlich gar nicht kurzfristig in die Wüste schicken, um de eine schwarze Betriebsergebniszahl schreiben zu können.
Oder haben Sie andere Informationen über bisher abgeführte Gewinne oder deren künftige Erzielung?


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