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ICAO stellt Klimaprojekte auf den Prüfstand

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Corsia, © aero.de

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MONTREAL - Ab 2020 will die Luftfahrt CO2-neutral wachsen. Zunächst soll dies auch über die Kompensation überschüssiger Emissionen geschehen. Doch welche Projekte sind dafür geeignet? Die Luftfahrtorganisation der Vereinten Nationen ICAO muss dies im März festlegen - und dürfte einige aussortieren.

Die Idee war einfach: Industrieländer sollten für übermäßige Treibhausgasemissionen bezahlen. Entwicklungs- und Schwellenländer konnten entsprechende Credits auf den Markt bringen, wenn sie zum Beispiel Windkraftanlagen oder Wasserkraftwerke bauten und damit rechnerisch CO2 einsparten.

Mit diesem Mechanismus wollten die Unterzeichner des Kyoto-Protokolls 1997 zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: sie wollten die nachhaltige Entwicklung vorantreiben und den weltweiten CO2-Ausstoß verringern.

Schwellenländer wie Brasilien, China und Indien haben insofern davon profitiert, als sie gewaltige Mengen sogenannter CERs, also Emissionscredits, auf den Markt brachten und verkaufen konnten.

Sie hoffen nun, dies auch im Rahmen des CO2-Kompensationsprogramms Corsia tun zu können, zu dem die Luftfahrtbranche sich selbst verpflichtet hat: Airlines sollen mit dem Kauf von Credits die Emissionen ausgleichen, die sie ab 2020 durch Wachstum mehr ausstoßen.

Doch 13 Jahre später sind einige der Projekte, die bis dato als geeignet galten, Emissionen rechnerisch zu kompensieren, in die Kritik geraten. Dazu zählen etwa gigantische Staudammprojekte in Brasilien und China, deren ökologischer Nutzen wegen der Zerstörung der umliegenden Natur und der tatsächlichen Effizienz der Anlagen als fraglich gelten darf.

Corsia soll der Luftfahrt durch Kompensation helfen, CO2-neutral zu wachsen, © ICAO

Umweltschützer kritisieren zudem, dass der im Kyoto-Protokoll erdachte Clean Development Mechanism (CDM) zuviele Projekte berücksichtigt, die es schon gab oder die ohnehin gebaut worden wären - die also nicht aus dem zusätzlichen Ansporn heraus entstanden, Emissionen weiter einzudämmen und nachhaltige Entwicklung zu fördern.

In der Kritik steht nicht zuletzt auch der Preis der Kompensation: so können Emitenten eine Tonne CO2 teilweise schon für nur 22 Cent ausgleichen.

Im März tagt der Rat der ICAO mit dem Ziel, die Auswahlkriterien für geeignete Kompensationsprojekte festzulegen. Denn Corsia soll 2020 mit einer freiwilligen Pilotphase starten.

Und die Vorzeichen haben sich verändert: Inzwischen hat das Pariser Abkommen das Kyoto-Protokoll abgelöst, auch Schwellen- und Entwicklungsländer sind nun zur Einsparung von CO2 verpflichtet.

Zudem ist der Druck von Umweltschützern auf politische Entscheidungsträger im Vergleich zu 1997 gewachsen. Sie hoffen, dass der Rat der ICAO nach ökologischem Nutzen und nicht aus politischen Erwägungen heraus entscheidet.
© aero.de (boa) | Abb.: aero.de (boa) | 09.03.2020 06:15

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Beitrag vom 09.03.2020 - 11:59 Uhr
Kompensationsgeschäfte sind nicht der richtige Weg.
Der Klimawandel erfordert die Vermeidung von CO2 Emissionen und zwar weltweit und gerade auch in Entwicklungsländern mit hohen CO2 Emissionen im Alltag der Menschen. Beispiel in vielen Ländern wird noch mit Holz und oder Öl gekocht und geheizt. Wenn man dann hingeht und diesen Menschen Gaskocher zur Verfügung stellen würde um CO2 einzusparen und diese eingesparte Menge anschließend Airlines als CO2 Rechte verkaufen würde, dann wäre dem Klima und damit allen Menschen überhaupt nicht geholfen, denn es würde sich am Gesamtausstoß CO 2 nichts ändern, es würde nur der Verursacher ausgetauscht. Im Falle von Airlines wäre es sogar noch schlimmer, denn bei der Verbrennung von Kerosin wird durch den Radiativ Forcing Index der Klimaschaden pro Tonne CO2 sogar um das 2 bis 3 fache verstärkt. Man würde durch solche Kompensationsgeschäfte damit den Klimaschaden verschlimmern.
Auch das pflanzen von Bäumen ist eine fragwürdige Methode, denn wie lange dauert es, bis ein Wald wächst und soviel CO2 bindet damit tatsächlich eine CO2 Kompensation eintritt. Wer garantiert, dass der Wald bei den aktuellen Klimabedingungen überhaupt ausreichend wächst, in Deutschland allein gibt es durch das Waldsterben ein Beispiel, wie problematisch Co2 Kompensationen durch Aufforstungen sein wird und wie lange es dauern wird, bis der ursprüngliche Waldbestand wieder nachgewachsen ist.
Nochmals , nur durch massive Einsparung von Kerosin sind die Klimaziele zu erreichen, nicht durch fragwürdige Kompensationsgeschäfte. Das Urteil zum Ausbau des Flughafens London Heathrow ist ein richtiger Schritt und sollte auch für Deutschland umgesetzt werden.


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