Corona-Krise
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BDL fordert Sofortmaßnahmen der Politik

Matthias von Randow
BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow, © BDL

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BERLIN - Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft sieht wegen der Corona-Epidemie einen immensen wirtschaftlichen Schaden für die Branche. Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow sagte der dpa, es sei jetzt schon sichtbar, dass die Folgen der Coronakrise auf den Luftverkehr gravierender seien als bei früheren Krisen.

Als vergleichende Beispiele aus der Vergangenheit nannte von Randow den Nachfrageeinbruch in der Finanz- und Wirtschaftskrise oder in Folge des Sars-Virus. "Unsere Unternehmen passen mit großen Anstrengungen ihr Flugangebot an die einbrechenden Buchungen an, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen und Arbeitsplätze zu sichern."

Trotz dieses Gegensteuerns aber sei der wirtschaftliche Schaden immens, sagte von Randow. Deswegen müsse die Politik die Unternehmen unterstützen, "damit diese ein für Deutschland wichtiges Mobilitätsangebot aufrecht erhalten und gravierende Strukturbrüche in der Luftverkehrswirtschaft vermieden werden können". Der Verband hält Sofortmaßnahmen der Politik für erforderlich.

Die Spitzen der schwarz-roten Koalition wollen am Sonntagabend über mögliche Maßnahmen sprechen, um wirtschaftliche Auswirkungen des Coronavirus zu begrenzen. Im Gespräch sind etwa eine Ausweitung des Kurzarbeitergeldes sowie eine Aufstockung von Kreditprogrammen.

Der Lufthansa-Konzern hatte am Freitag mitgeteilt, wegen des heftigen Nachfrageeinbruchs infolge der Corona-Epidemie seinen Flugplan noch stärker zusammenzustreichen. In den nächsten Wochen solle die Kapazität um bis zu 50 Prozent reduziert werden. Die Maßnahme diene dazu, die finanziellen Folgen des Nachfragerückgangs abzumildern. Das Unternehmen berichtete von drastischen Buchungsrückgängen und zahlreichen Stornierungen.

Nach Ansicht des Bundesverbandes der Luftverkehrswirtschaft gehört zu den von ihm geforderten Sofortmaßnahmen, dass die Beantragung des Kurzarbeitergelds unter möglichst einfachen Bedingungen erfolgen könne. Außerdem solle die sogenannte 80/20-Regel für die Slotvergabe an slotkoordinierten Flughäfen zeitlich befristet ausgesetzt werden.

Fluggesellschaften, die an einem Airport fliegen wollen, brauchen dafür sogenannte Slots, also Zeitfenster. Flughäfen haben laut Verband abhängig von ihrer Infrastruktur nur eine begrenzte Anzahl von Zeitfenstern für Start und Landung. Große Flughäfen, die an ihrer Kapazitätsgrenze operieren, unterliegen daher der 80/20-Regelung. Das bedeute, wenn eine Fluggesellschaft einen Slot hat, müsse sie ihn in einer Flugplanperiode auch mindestens zu 80 Prozent nutzen, sonst verfalle der Slot und könne gegebenenfalls an einen Wettbewerber gegeben werden.

Grundlage dafür sei die europäische Slotverordnung. Diese Regelung solle verhindern, dass Fluggesellschaften Slots beantragen, aber nicht nutzen, und so Wettbewerber fernhalten.

In einer akuten Krise wie der jetzigen sei die Regelung kontraproduktiv, da nun ein Riesenanteil der Slots zu verfallen drohe. Die Fluggesellschaften könnten die Slots entweder verfallen lassen, was wirtschaftlich schade - oder sie ließen leere Flugzeuge fliegen, nur um die Slots zu halten, was ökonomisch wie ökologisch unverantwortbar wäre. Aus diesem Grund sei diese Regelung auch bei vergangenen Krisen vorübergehend ausgesetzt worden.

Zudem forderte der Verband, Bund und Länder sollten bei ausgewählten Gebührenarten wie Luftsicherheitsgebühren die Kosten zeitlich befristet übernehmen, um die Liquidität der Unternehmen zu schützen. Dies wäre eine Entlastung bei fixen Kosten.

Mit zunehmender Dauer der Coronakrise würden sich die Folgen für den Flugbetrieb weiter verschärfen und zu strukturellen Verwerfungen in der Luftverkehrswirtschaft führen, hieß es. Deswegen könne es notwendig werden, weitergehende Unterstützungsmaßnahmen zu realisieren.
© dpa, aero.de | Abb.: BDL | 07.03.2020 05:05


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