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Keine schnelle Lufthansa-Entscheidung zu Rettungspaket

Carsten Spohr
Carsten Spohr, © Lufthansa

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FRANKFURT - Die angepeilten Staatshilfen in Milliardenhöhe für die Deutsche Lufthansa sind noch nicht in trockenen Tüchern. Der Dax-Konzern hielt sich am Freitag zurück, das von der Bundesregierung vorgeschlagene Rettungspaket mit einem Gesamtvolumen von 9 Milliarden Euro zu bewerten.

Eine schnelle Entscheidung werde es voraussichtlich nicht geben, weil der Aufsichtsrat an diesem Freitag nicht zusammenkomme, verlautete aus Kreisen.

Nur das Kontrollgremium kann die außerordentliche Hauptversammlung einberufen, die für die geplanten Kapitalmaßnahmen bei einem Staatseinstieg notwendig wäre. Für dieses Aktionärstreffen gibt es laut Lufthansa eine Ladungsfrist von vier Wochen.

Zunächst müssten sich der Vorstand des Unternehmens und der Lenkungsausschuss des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) mit der komplizierten Materie befassen, hieß es weiter. Danach benötige der Aufsichtsrat weitere Zeit. Nach dpa-Informationen soll der von Finanzstaatssekretär Jörg Kukies geleitete WSF-Ausschuss an diesem Freitag das offizielle Hilfsangebot unterbreiten.

Neben Krediten und stillen Einlagen will sich der Bund mit 20 Prozent direkt an der Airline beteiligen. Dies läge unterhalb der Sperrminorität, mit der wichtige Entscheidungen blockiert werden könnten. Geplant ist außerdem eine sogenannte Wandelschuldverschreibung im Wert von fünf Prozent plus einer Aktie. Diese Anleihe könnte jederzeit in Stammaktien umgewandelt werden, etwa um die Lufthansa im Notfall vor einer feindlichen Übernahme zu schützen.

Laut einer Börsen-Pflichtmitteilung der Lufthansa vom Donnerstag will der Bund seine Anteile zum Nennwert von 2,56 pro Aktie erwerben, deutlich unter dem aktuellen Aktienkurs von gut 8 Euro. Diese Kapitalmaßnahmen einschließlich einer möglichen vorherigen Teil-Entwertung der Altaktien (Kapitalschnitt) müssten von der Hauptversammlung beschlossen werden.

Der am Mittwoch bekannt gewordene Plan traf auf einige Kritik. So vermisst die Kabinengewerkschaft Ufo staatliche Vorgaben zur Beschäftigungssicherung. "Da hat die Lufthansa jetzt freie Hand", sagte Ufo-Geschäftsführer Nicoley Baublies in Frankfurt.

Der Umgang mit den rund 1.400 Beschäftigten der Teilgesellschaft Germanwings zeige die Härte, mit der das Unternehmen nun vorgehen werde. Die Germanwings-Mitarbeiter würden bislang nicht in die Verhandlungen einbezogen, die Unternehmen und Gewerkschaften bereits zu den künftigen Arbeitskonditionen im Lufthansa-Konzern führten.

Linken-Parteichefin Katja Kipping kritisierte im "NTV-Frühstart", die aus ihrer Sicht viel zu hohen Beihilfen bei einem gleichzeitigen Verzicht auf Einflussmöglichkeiten. "Man hätte mit vier Milliarden Euro das ganze Unternehmen übernehmen können und dann gemeinsam mit den Beschäftigten die Mitbestimmung ausweiten und was für die Klimaschutzziele tun können", sagte Kipping.

Vor zu viel staatlicher Einflussnahme warnte hingegen der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Frank Sitta. Es drohe sonst, dass der Kranich bei Eingriffen etwa in die Streckenplanung im internationalen Wettbewerb schnell eine Ente werde. Die beiden geplanten Aufsichtsratsposten des Bundes müssten zwingend mit unabhängigen Fachleuten besetzt werden.
© dpa | Abb.: Lufthansa | 22.05.2020 10:39

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Beitrag vom 25.05.2020 - 09:23 Uhr
@ Viri
Ich denke sie zeigt ein Beispiel auf zwischen einer dringenden Standard-Situation für die bereits Erfahrungen und feste Handlungsempfehlungen existieren und einer völlig neuen, unbekannten Situation, in der man improvisieren muss.

Solche Dinge können auch einem Piloten passieren. Da kann auch mal eine Situation eintreten, für die keine Checkliste existiert. Nur gehts da um Menschenleben und nicht nur um Geld oder politischen Einfluss...

Falls Sie es nicht gesehen haben, auch noch einmal exklusiv für Sie, wie Tina Glaab, mediengeschulte LH-Flugkapitänin A320, ihren Berufsstand beschreibt:

„Ich kann nur in irgendeiner Form hoffen, dass es LH schafft – und wie auch – denn nur, dass es LH schafft, heißt nicht, dass wir an Bord bleiben dürfen. Wir sind so ein bisschen - wenn ich das sagen darf - Fachidioten ...."

Quelle: ZDF Reportage: "Airlines am Boden" vom 24.05.2020,
 https://www.zdf.de/dokumentation/zdf-reportage

Verfügbar bis 24.5.2021, Sie können sich also mit der Überprüfung Zeit lassen ...


Beitrag vom 22.05.2020 - 22:14 Uhr
Die schnelle Lösung, die Gordon immer wieder will,
ist dass das KuG "einzelner Berufsgruppen" nicht mehr aufgestockt wird, damit im Falle eines Schutzschirmverfahrens mehr Geld im Pot liegt.
Deswegen sein ständiger Panikmodus hier.
Mit der Realität kommen Sie nicht so gut zurecht?
Beitrag vom 22.05.2020 - 22:01 Uhr
Ja was nun? Sonst sind Sie sich ja auch nie zu schade, darauf hinzuweisen, wie schlecht es ja angeblich um die LH steht und das man schnell eine Lösung brauche und jetzt soll man sich ruhig Zeit nehmen. Also hat die LH doch mehr als genug Rücklagen, um sich für die Entscheidungsfindung Zeit zu lassen! Oder doch nicht? Dann muss beizeiten eine Entscheidung her und nicht erst in 4 Wochen.

Die schnelle Lösung, die Gordon immer wieder will, ist dass das KuG "einzelner Berufsgruppen" nicht mehr aufgestockt wird, damit im Falle eines Schutzschirmverfahrens mehr Geld im Pot liegt.

Nein, nicht "einzelner Berufsgruppen", sondern aller bis auf die am geringsten bezahlten. Ich hatte hier immer junge Flugbegleiter genannt.

Deswegen sein ständiger Panikmodus hier.

Wenn einer in Panik ist, dann doch wohl Sie. Sie vertehen doch die Ruhe nicht, die der Vorstand in dieser Frage hat. Sie wollen doch eine schnelle Einigung.

Ich habe keine Panik, weil ich Kompetenzen habe, die auch nach Corona nachgefragt und gut bezahlt werden.

Edit: Typo

Dieser Beitrag wurde am 22.05.2020 22:42 Uhr bearbeitet.


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