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Blindflug in die Sommersaison

Ryanair Cabin Crew
Ryanair Cabin Crew, © Ryanair

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FRANKFURT - Europäische Airlines machen ihre Flugzeuge wieder startklar und wagen sich ab Juni zurück auf die ersten Strecken. Die Hoffnung der Manager ruht auf Urlaubern, die Pandemie-Einschränkungen auf dem Weg an den Strand nicht scheuen. Wie viele dies am Ende tatsächlich sein werden, steht in den Sternen.

Entsprechend vorsichtig zeigen sich insbesondere Full-Service-Airlines. "Sobald du dein Flugzeug wieder fliegen lässt, hast du auch wieder hundert Prozent der Kosten", sagte SAS-CEO Rickard Gustafson. "Es wird dauern, bevor du alle Passagiere zurück hast."

Bisher konzentrieren sich Airlines bei ihren Neustart-Plänen auf Urlaubsziele und Kurzstrecken. Bis sich der zu Vorkrisenzeiten lukrative Markt der Geschäftsreisen erholt, dürfte es dauern.

Die Chefs der größten Billigairlines schätzen die Reisewilligkeit der Europäer unterdessen trotz aller Ungewissheiten optimistisch ein. Easyjet-Flugzeuge sollen am 15. Juni wieder abheben, Ryanair-Jets wenige Wochen später folgen. Beide wollen im dritten Quartal 2020 die Hälfte ihrer Vorkrisenkapazität erreicht haben.

Wizz Air-Chef Jozsef Varadi peilt für die Sommersaison sogar 60 Prozent des ursprünglichen Flugvolumens an, in der Wintersaison sollen es 80 Prozent sein. "Wir denken, dass es viel mehr Nachfrage geben wird, als wir bedienen können", sagte er. "Es ist nicht der Unwille (der Reisenden, Red.), ein Flugzeug zu besteigen, der uns aufhält. Es sind die anhaltenden Reisebeschränkungen."

SAS und andere Full-Service-Airlines zeigen sich weit vorsichtiger in ihrer Planung. Laut Gustafson wird SAS ab Mitte Juni den Betrieb mit 20 von 163 Flugzeugen "sehr, sehr vorsichtig" wieder hochfahren. 

Air France-KLM will während der Sommersaison 80 Prozent der Flugzeuge eingemottet lassen. Virgin Atlantic wird beis August lediglich fünf Strecken bedienen. Im Zuge der Coronavirus-Pandemie gleicht die Planung einem Glücksspiel. Die Verlockung, auf die Sommersaison zu setzen, ist groß.

Analyst Jarrod Castle schätzt, dass die Urlaubsreisen 50 Prozent unter dem normalen Niveau liegen werden. 

Weltweit steigt die Nachfrage nach Flugreisen langsam wieder an, insbesondere in China, wo die Coronavirus-Pandemie ihren Ursprung hat und inzwischen weitgehend abgeklungen ist.

So schwierig eine Vorhersage über die tatsächliche Nachfrage ist, so einig sind sich Branchenkenner in einem: Billigflieger sind in Europa höchstwahrscheinlich die ersten Profiteure einer langsamen Erholung. Laut IATA-Chef Alexandre de Juniac werden Passagiere zunächst in den Urlaub fliegen oder Verwandte und Freunde besuchen.
© Bloomberg, aero.de (boa) | Abb.: Wizz Air | 07.06.2020 08:40

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Beitrag vom 07.06.2020 - 14:24 Uhr
Es ist jetzt wichtig das psychologische Angstklima abzubauen und den Kopf aus dem Sand zu nehmen.

Richtig. Und dazu tragen entscheidend Konzepte bei, die ein Wiederaufflammen des Infektionsgeschehen vermeiden helfen - selbst wenn das für Passagiere etwas unbequemer oder etwas teurer wird.

Nichts wäre für die gesamte Wirtschaft ( also: Nicht nur Airlines und Touristik, sondern wirklich alle) schädlicher, als ein zweiter weltweiter Konsum-Einbruch wie er die letzten 3 Monate stattfand, weil irgendwo wirtschaftliche Optimierungen Vorrang vor notwendigen Schutzmassnahmen hatte.

Dieser Beitrag wurde am 07.06.2020 14:25 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 07.06.2020 - 13:29 Uhr
Hinzu kommt viele haben oder müssen noch ihre Überstunden und Urlaubskonten abbauen, sitzen aber auf Stand-by, sodaß sich eine Reise auch nicht sicher planen läßt. Aus meiner Erfahrung bis jetzt, sieht es für den Kernsommer eher mau aus, während der Spätsommer gut nachgefragt wird. Ich beziehe dies jedoch auf Flugreisen und nicht auf Urlaube im Inland. U. U. entscheiden sich deshalb viele Urlauber eher kurzfristig für eine Flugreise, wenn die Konditionen stimmen. Es bleibt schon ein vor allem für Selbstsicher eine Art Russisches Roulette, ob die Reise am Ende nicht doch ins Wasser fällt und das Geld eventuell futsch ist, denn einige Anbieter von Reisenebenleistungen wird die schwache Nachfrage eher früher als später in die Insolvenz treiben. Gut das Lufthansa da eine Rückreisegarantie gibt, wenn das Außenministerium erneute Rückholaktionen bereits ablehnt. Für Reiseveranstalter wird diese Reisesaison ebenfalls hochgradig risikobehaftet. Sollte es zu einem weiteren Lockdown kommen, werden die Deckungssummen aus Reiseabsicherung bestimmt nicht reichen. Dies sah man ja bereits bei Thomas Cook vor Corona.

Es ist jetzt wichtig das psychologische Angstklima abzubauen und den Kopf aus dem Sand zu nehmen. Ohne Hoffnung geht eh nichts voran. Die sollten wir schnellstens wieder gewinnen. Corona ist keine Geisel der Menschheit.
Beitrag vom 07.06.2020 - 12:32 Uhr
Die Frage ist ja nicht nur ob sich die Menschen in den Urlaub trauen, die Frage ist IMHO viel mehr ob sie sich das auch leisten Wollen bzw können.
Allein hier im Land sind bzw waren Millionen Arbeiter in Kurzarbeit, und sind somit zusätzlich auch mit Arbeistlosigkeit bedroht oder sind es evtl. sogar schon.
Hier sehe ich leider die wahren herausforderungen


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