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Austrian Airlines rüstet sich für den Neustart

Hoensbroech und Spohr
Austrian CEO Alexis von Hoensbroech und Lufthansa-CEO Carsten Spohr, © Martin Dichler

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WIEN - Mitarbeiter, Systempartner, Österreich und Eigentümer Lufthansa haben zusammen über eine Milliarde Euro locker gemacht, um Austrian Airlines nach drei Monaten Stillstand wieder in die Luft zu hieven. Kleiner als zuvor, aber mit klarem Auftrag: das Star Alliance Drehkreuz Wien muss erhalten bleiben.

Anders als bei der Konzernmutter Lufthansa wird sich der österreichische Staat nicht an der AUA beteiligen, sichert sich aber über einen Aufsichtsrat ein Mitspracherecht. Gleich zwei Vertreter wird der Staat in die Eigentümer-Holding entsenden.

Das staatliche Rettungspaket ist über Pfandrechte abgesichert. Schafft die AUA den Neustart nicht, geht sie in das Eigentum der Republik über.

Auf zwei getrennten Presseterminen stellten Regierung und der Lufthansa-Konzern am Montag die Eckpunkte des Rettungsplans vor. Zu einer Kapitalhilfe von 300 Millionen Euro, die jeweils zur Hälfte von der Lufthansa und dem österreichischen Staat gestellt wird, und einem zu 90 Prozent abgesicherten Bankenkredit über weitere 300 Millionen Euro kommt auch noch ein Beitrag der Belegschaft in Form eines zeitlich begrenzten Gehaltsverzicht im Wert von ebensfalls 300 Millionen Euro.

Im Gegenzug verzichtet Austrian auf Kündigungen, trotz eines unvermeidbaren Rückbaus ihres Netzwerks. Weitere Mittel werden auch von Systempartnern wie dem Flughafen Wien, der Austro Control und zahlreichen Zulieferern aufgebracht.

Den nicht rückzahlbaren Staatszuschuss verbucht die Lufthansa-Tochter als Schadensabdeckung aufgrund der durch staatliche Reiseeinschränkungen bedingten Einstellung des Luftverkehrs.

Schwerpunkt Ökologisierung

Die staatliche Unterstützung ist an zahlreiche Auflagen gebunden. Neben einer Standortgarantie für zehn Jahre (bis 2030) inklusive des Erhalts der Marke "Austrian Airlines" und der Aufrechterhaltung der Langstrecken verpflichtet sich Austrian Airlines für eine Ökologisierung des Flugbetriebs.

Dazu zählt neben einer Modernisierung der Flotte auch die Senkung der CO2-Emmissionen um jährlich 1,5 Prozent. Bis 2030 soll der Ausstoß von CO2 pro 100 Passagierkilometer von derzeit 9,55 Kilogramm auf 8,5 reduziert werden.

Eine weitere Auflage der Regierung ist der Rückbau des Kurzstreckenverkehrs. Flüge auf Strecken unter drei Stunden Fahrzeit sollen künftig auf die Bahn verlegt werden. Ultrakurzstrecken will der Staat künftig mit einer erhöhten Ticketabgabe von 30 Euro pro Strecke besteuern.

Erstmalig in Europa will Österreich auch einen Minimalflugpreis durchsetzen. Laut Umweltministerin Leonore Gewessler dürfen künftig in Österreich keine Tickets mehr unter dem Gebührenwert von 40 Euro verkauft werden. Die Zeit der Ultrabilligflüge sei damit vorbei, betont Gewessler in Richtung Billigairlines. Zu wenig, urgiert die Gewerkschaft vida am Dienstag, sie will eine Untergrenze auf Höhe der Selbstkosten.

Bereits im Vorfeld kündigte Austrian Airlines eine deutliche Verkleinerung ihrer Flotte an. So sollen beschleunigt alle 14 Turboprops vom Typ Q400 ausgeflottet werden sowie sieben Airbus A319 und drei der ältesten Langstreckenmaschinen vom Typ Boeing 767-300ER.

Keine Priorität sieht Austrian-CEO Alexis von Hoensbroech derzeit für die Erneuerung der Langstreckenflotte, dazu würden die aktuellen Kapitalzuschüsse auch nicht reichen, fügte Lufthansa-Chef Carsten Spohr hinzu, betont aber die Verfügbarkeit aus offenen Bestellungen bei den Herstellern.

Lufthansa plane  jährliche Investitionen in Höhe von 3 Milliardfen Euro, die je nach Rentabilität an die Airlines der Lufthansagruppe verteilt werden. Mit einem gestrafften Netz will Austrian bis 2023 wieder zu einen Wachstumskurs zurück kehren und dann auch Flotte und Belegschaft aufstocken.

"Wir wollen wieder fliegen", dem Credo der Mitarbeiter folgt Austrian Airlines ab 15. Juni, zunächst im Nachbarschaftsverkehr sowie zu den wichtigsten Euroropazielen. Zwar ziehe die Nachfrage bereits wieder an, das Angebot bleibe aber vorerst auf fünf Prozent der ursprünglich für Sommer 2020 geplanten Kapazität beschränkt.

Bis 1 .Juli will Austrian ihr Zubringernetz soweit hochfahren, dass sie auch wieder auf Langstrecke gehen kann. Geplant sind Anfang Juli erstmal wieder Flüge nach New York EWR, Washington und Chicago in den USA, sowie Bangkok in Südostasien, vorerst auf niedrigem Niveau.
© Bob Gedat, aero.at | Abb.: Ingo Lang | 09.06.2020 13:21

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Beitrag vom 10.06.2020 - 13:48 Uhr
Der Mindestpreis gilt nur für den billigsten Platz im Flieger. Wie viele es davon gibt, bleibt offen. Was man unten zugibt, kann man oben wegnehmen. Interessant ist der Durchschnittspreis pro Sitz beim konkreten Flug von VIE nach XXX bzw. zurück. Und die Auslastung. Ob AUA den gleichen Preis bieten kann wie alle anderen?
Ich wäre ja bescheuert, wenn ich oben was wegnehmen würde. Wenn mir jemand 200€ pro Ticket gibt, wieso sollte ich es ihm für 170€ verkaufen.
Weil er dann vielleicht bei mir mitfliegt und nicht bei demjenigen der ihn für 180 Euro befördert. Das meinte ich damit.
Das Ziel ist doch, soviel wie möglich pro Flug zu erlösen. Entscheidend ist nicht der Durchschnittspreis pro Sitz, entscheidend ist der Durchschnitserlös pr Flug.
Ja da ist noch mehr als nur der Sitz. Aber der gehört eben in erster Linie mit dazu.
Zum Erlös gehören auch die Ancillaries und ein Gast der nicht da ist, dem kann ich auch nichts verkaufen. Durch den Wegfall der Superdiscount Tickets werden die Gäste fehlen, die durch die billigen Tickets gesagt haben "ach komm, wir fliegen da mal hin" und deren Umsätze fehlen nun, Ticket wie Zusatzverkäufe.
Diese Kunden sind aber nicht nur mit den LCC unterwegs gewesen, solche Tickets haben auch AUA und Co verramscht. Besser 120 Euro kassieren als einen leeren Stuhl durch die Gegend transportieren. Diese Kundschaft fehlt nicht nur bei den LCC, und das Buhlen um die Kunden wird nicht weniger werden. Sicher wird man verlangen was man kann aber die LCC geben die Marke vor, und das wird wohl auch so bleiben. Die Billigstpassagiere fallen hinten runter, egal ob man einen Mindestpreis festlegt oder nicht. Warum hat man 40 Euro genommen und nicht 140?
Wer 50€+ für ein Ticket zahlt, der wollte oder musste fliegen und shoppt nach einen guten Deal. Wieviel da unter den Strich rauskommt, ein Minus oder auch ein Plus, wissen wir nicht.
Wer weniger als 50 Euro bezahlt hat, der ist auch nicht gegen seinen Willen geflogen, oder?
Aber wenn man sich den Aufschrei der Ryan und Wizz anschaut, dann sind die nicht sehr glücklich.
Wann schreit Ryanair mal nicht auf? Klappern gehört zum Geschäft.
Einmal weil ihnen der Zugriff auf die Spontanreisenden fehlt, auf die, die einfach mal ein billiges langfristigest Ticket kaufen und es dann notfalls verfallen lassen und weil sie den Etablierten wie AUA schwerer Gäste abjagen können. Der USP ist einfach weg.
Beitrag vom 10.06.2020 - 08:45 Uhr
Der Mindestpreis gilt nur für den billigsten Platz im Flieger. Wie viele es davon gibt, bleibt offen. Was man unten zugibt, kann man oben wegnehmen. Interessant ist der Durchschnittspreis pro Sitz beim konkreten Flug von VIE nach XXX bzw. zurück. Und die Auslastung. Ob AUA den gleichen Preis bieten kann wie alle anderen?
Ich wäre ja bescheuert, wenn ich oben was wegnehmen würde. Wenn mir jemand 200€ pro Ticket gibt, wieso sollte ich es ihm für 170€ verkaufen. Das Ziel ist doch, soviel wie möglich pro Flug zu erlösen. Entscheidend ist nicht der Durchschnittspreis pro Sitz, entscheidend ist der Durchschnitserlös pr Flug. Zum Erlös gehören auch die Ancillaries und ein Gast der nicht da ist, dem kann ich auch nichts verkaufen. Durch den Wegfall der Superdiscount Tickets werden die Gäste fehlen, die durch die billigen Tickets gesagt haben "ach komm, wir fliegen da mal hin" und deren Umsätze fehlen nun, Ticket wie Zusatzverkäufe. Wer 50€+ für ein Ticket zahlt, der wollte oder musste fliegen und shoppt nach einen guten Deal. Wieviel da unter den Strich rauskommt, ein Minus oder auch ein Plus, wissen wir nicht.
Aber wenn man sich den Aufschrei der Ryan und Wizz anschaut, dann sind die nicht sehr glücklich. Einmal weil ihnen der Zugriff auf die Spontanreisenden fehlt, auf die, die einfach mal ein billiges langfristigest Ticket kaufen und es dann notfalls verfallen lassen und weil sie den Etablierten wie AUA schwerer Gäste abjagen können. Der USP ist einfach weg.

Dieser Beitrag wurde am 10.06.2020 08:46 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 09.06.2020 - 22:47 Uhr
Der Mindestpreis gilt nur für den billigsten Platz im Flieger. Wie viele es davon gibt, bleibt offen. Was man unten zugibt, kann man oben wegnehmen. Interessant ist der Durchschnittspreis pro Sitz beim konkreten Flug von VIE nach XXX bzw. zurück. Und die Auslastung. Ob AUA den gleichen Preis bieten kann wie alle anderen?


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