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Iberia und die Europa-Frage

Iberia Airbus A350-900
Iberia Airbus A350-900, © Airbus

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MADRID - Während seine französischen, niederländischen, italienischen und deutschen Kollegen schon Kredite in der Tasche haben, wartet der spanische Iberia-CEO Luis Gallego händeringend auf ein klares Signal der Hilfsbereitschaft seitens der Regierung. Dabei geht es nicht nur darum, die Krise gut zu überstehen.

Seit Wochen tüftelt die spanische Regierung an einem Rettungspaket für ihren Luftfahrtsektor. 900.000 Arbeitsplätze hängen in dem Land davon ab, 900 wird das Airbus-Management streichen.

Iberia und Vueling haben sich mit Gewerkschaftsvertretern und Mitarbeitern auf Maßnahmen geeinigt, welche die Finanzen der Airlines um 750 respektive 260 Millionen Euro entlasten sollen. Die Iberia-Flotte wird laut CEO Luis Gallego in den kommenden Jahren deutlich verkleinert. Doch offenbar reicht das nicht.

"Alleine schaffen wir es nicht", sagte Iberia-Chef Luis Gallego Mitte Juni an die Regierung gewandt. Ein erster günstiger Kredit zu Beginn der Krise sei zwar hilfreich gewesen, bei Weitem aber nicht genug. Insbesondere im Vergleich zu den Stützen in Milliardenhöhe, die andere Regierungen ihren Airlines angedeihen lassen.

Im Juli soll es nun soweit sein, spätestens am 15. will die Regierung ihr "strategisches" Rettungspaket vorstellen. Laut einem Bericht des Portals "ElEspanol" hat Air Nostrum Unterstützung in Höhe von 130 Millionen Euro erbeten, Air Europa knapp 140 Millionen und Volotea 100 Millionen Euro. Die International Airlines Group-Airlines Iberia und Vueling wünschen sich demnach gemeinsam gut eine Milliarde Euro.

Trotz der offenbaren Schwere der Verhandlungen dürfte bei ihren CEOs Luis Gallego und Javier Sánchez-Prieto eine gewisse Erleichterung darüber herrschen, dass ihre Airlines den Besitzstrukturregeln der Europäischen Union genügen - und so trotz Brexit die Chance haben, vom EU-Aufbauprogramm zu profitieren.

Bei der Schwesterairline British Airways biss sich CEO Willie Walsh im Ringen um staatliche Unterstützung die Zähne an der Regierung aus.

Platzt die Übernahme von Air Europa?

Wie es indes mit der geplanten Übernahme der Air Europa durch Iberia weitergeht, ist unklar. Das Interesse ist nach wie vor groß, heißt es bei Iberia. Das Airline-Management hatte erst im vergangenen November einen Deal mit Air Europa angekündigt - und sie damit Air France-KLM buchstäblich vor der Nase weggeschnappt.

Selbstbewusst hatten die bestens nach Lateinamerika vernetzten Air Europa-Eigner damals einen Preis von einer Milliarde Euro mit dem Iberia-Management ausgehandelt.

Das schien ihm die Air Europa vor der Krise ohne Weiteres wert - denn es ging darum, sich einen bedeutenden Marktanteil über dem Südatlantik und im Hoffnungsmarkt Lateinamerika zu sichern. Und nebenbei Madrids Position als europäischen Hub zu stärken.

Momentan ist Lateinamerika allerdings nicht der Hoffnungsträger der Luftfahrt sondern der Kontinent, der dank Brasilien das aktuelle Epizentrum der Pandemie bildet. Bis auf Uruguay sind die meisten lateinamerikanischen Länder vom internationalen Flugverkehr noch weitgehend abgeschottet.

Durch die Krise hat sich zudem die Bilanz der Air Europa entscheidend verschlechtert. Das Managemen rechnet für 2020 mit einem Verlust von bis zu 380 Millionen Euro. Kurzum: Iberia will keine Milliarde mehr für die Airline zahlen.

Spanische Medien berichten von einer frostigen Stimmung zwischen den Führungsebenen und spekulieren darüber, ob die spanische Regierung die Übernahme unterstützt, indem sie Air Europa finanziell auf die Sprünge hilft.

Zusammen mit einem Preisnachlass, über den ebenfalls gemunkelt wird, könnte Iberia sich eine günstige Startposition nach Lateinamerika für die Zeit nach der Krise sichern.

Platzt der Deal und Air Europa schafft es nicht durch die Krise treten im Anschluss drei staatlich gestützte Konkurrentinnen im Wettkampf um den Südatlantik-Verkehr und die dann frei gewordenen Marktanteile an.
© aero.de (boa) | Abb.: Airbus | 04.07.2020 08:16

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Beitrag vom 08.07.2020 - 18:14 Uhr
Wieso muss der Staat Iberia und Vueling retten? Die gehören dier IAG und damit wäre das die Aufgabe der Regienrung in London.
Die IAG ist eine spanische Holding. Headoffice ist in London, IAG ist aber in Spanien registriert.
Aber unabhängig davon, man stützt, was dem eigenen Land dient, siehe Austrian, Brussels und Swiss. Auch wenn deren Mutter in Deutschland sitzt.

Dieser Beitrag wurde am 08.07.2020 18:21 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 08.07.2020 - 12:56 Uhr
Wieso muss der Staat Iberia und Vueling retten? Die gehören dier IAG und damit wäre das die Aufgabe der Regienrung in London.


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