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"Wir möchten lieber am Kapitalmarkt verschuldet sein"

Carsten Spohr
Carsten Spohr, © Lufthansa

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ZÜRICH - Lufthansa verteidigt Staatshilfen gegen Kritik von Außen. Der Konzern will das Geld für eine Wiederbelebung der Langstrecke und Investitionen in neue Flugzeuge nutzen. Konzernchef Carsten Spohr sieht Chancen für Lockerungen im wichtigen USA-Verkehr - und warnt vor Wettbewerbsverzerrungen.

Lufthansa wird neun Milliarden Euro Staatshilfe ausschöpfen. "Wir werden dieses Volumen tatsächlich brauchen", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ). "Die erste Milliarde ist gerade eingetroffen."

Spohr rechnet mit längeren Verlusten auf der Langstrecke - denn die werde deutlich langsamer wieder "auf Touren" kommen als der Europaverkehr. "Für unsere Kurzstrecken-Tochter Eurowings würden wir keine staatliche Stabilisierung brauchen."

Während Lufthansa inzwischen die Hälfte der Kurzstrecke wieder bedient, sei das Interkontnetz erst zu "maximal 20 Prozent" wieder hergestellt.

Bis Herbst werde Lufthansa "90 Prozent der kontinentalen und 70 Prozent der interkontinentalen Destinationen" wieder anbieten. Gegen September könnten sich Reisebeschränkungen für die USA - einem Schwerkpunkt im Lufthansa-Netz - wieder lockern und mehr Transatlantikflüge ermöglichen, hofft Spohr.

Teile der Staatshilfen hat Lufthansa für Investitionen in eine effizientere Flotte verplant. Zeitgleich werde der Konzern "den Anteil der geleasten Flugzeuge erhöhen, um liquider zu sein", stellte Spohr klar. "Derzeit besitzen wir 86 Prozent der Flugzeuge selbst."

Lufthansa will staatliche Kredite bis 2023 ablösen und das Geld dafür bei Banken und Investoren aufnehmen. "Wir möchten lieber am Kapitalmarkt verschuldet sein als beim Steuerzahler", sagte Spohr der "NZZ".

Ryanair-Chef Michael O`Leary will Staatshilfen für Lufthansa und Air France-KLM vor Gericht anfechten. Auch Spohr sieht in einigen Hilfspaketen die "Gefahr" für eine Verzerrung des Wettbewerbs: "Die amerikanischen, aber auch die chinesischen Airlines sind auf der Sonnenseite, wenn es um staatliche Hilfen geht."
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 04.07.2020 11:43

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Beitrag vom 08.07.2020 - 13:20 Uhr
" Zeitgleich werde der Konzern "den Anteil der geleasten Flugzeuge erhöhen, um liquider zu sein"

Der Anfang vom Ende. Fast alle Airlines die in letzter Zeit pleite gingen hatten überteuerte Leasingraten.
Dann wird es wohl nicht nur an den Leasingraten gelegen haben. Wobei, wer weiß denn ob die überteuert waren? Im Moment ist einiges überteuert, aber Leasingraten sicher nicht. Die sind seit März um teilweise über 20% eingebrochen. Unter dem Strich ist das eine einfache Rechnung, Flieger behalten und Zinsen für die Kredite zahlen oder Flieger Sale/Leaseback und die Gebühren für die Leasings bezahlen. Die werden das schon machen.
Beitrag vom 08.07.2020 - 12:54 Uhr
" Zeitgleich werde der Konzern "den Anteil der geleasten Flugzeuge erhöhen, um liquider zu sein"

Der Anfang vom Ende. Fast alle Airlines die in letzter Zeit pleite gingen hatten überteuerte Leasingraten.
Beitrag vom 06.07.2020 - 10:12 Uhr
Es geht ja nicht darum, ob EW Unterstützung braucht oder nicht. Das werden sie wohl noch eine Weile, es geht darum, ob EW die Liquidität auch auf dem Kapitalmarkt beschaffen könnte. Das könnte sie nach Aussagen Spohrs wohl. Bei EW ist man in der Neuausrichtung am weitesten, Reduzierung der AOC, der teure TUI Vertrag ist weg, Personal ist effizienter eingesetzt, die Konkurenz hat sich innerdeutsch zurückgeszogen usw. Vor diesem Hintergrund scheint es da wohl Möglichkeiten zu geben Geld zu beschaffen.

Das mag sein aber EW würde nur Geld auf dem Kapitalmarkt bekommen weil LH im Hintergrund (quasi als Sicherheit) ist, welche wiederum durch Staatshilfen gerettet wurde. EW alleine wäre jetzt Geschichte.
Würde und quasi scheinen mir da sehr spekulativ. Daher, wieviel Geld bräuchte EW denn um Liquidität abzusichern? 50Mio, 100Mio, 200Mio? Nur darum geht es bei den Staatshilfen. Hier nimmt man nur was man unbedingt braucht, da das Geld teuer ist. Wenn die Vorstand einer AG solche Aussagen macht, dann muss da eine Validität dahinter stecken, sonst kommt man in juristische Schwierigkeiten.
Wo fließt denn aktuell bei EW Liquidität ab, nachdem man große Kostenblöcke reorganisiert hat und jetzt ein Großteil der verbliebenen Flotte bereits wieder aktiv ist oder demnächst wird?


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