Baby Boom
Älter als 7 Tage  

Boom kündigt Rollout-Termin für seine XB-1 an

Blake Scholl, Chef von Boom Supersonic
Blake Scholl, Chef von Boom Supersonic, © Andreas Spaeth

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COLORADO - Das Flugzeugbau-Startup Boom Supersonic arbeitet weiter an seinem Traum, einen zukunftsfähigen Überschall-Passagierjet in die Luft zu bringen. Das Projekt hängt zwar weit hinter dem Zeitplan, aber immerhin der Technologieträger steht wohl kurz vor der Fertigstellung.

Der Rumpf ist fertig, die Tragflächen sind montiert – und auch die drei J85-Turbojets von General Electric sind startbereit: Die Boom XB-1, genannt "Baby Boom", nähert sich der Fertigstellung.

Und der erste öffentliche Auftritt ist ebenfalls fixiert: Für den 7. Oktober hat Hersteller Boom Supersonic das Rollout seines Überschall-Technologieträgers festgesetzt. Damit rückt das Startup aus Colorado seinem erklärten Ziel, einen Mach 2,2 schnellen Airliner zu bauen, ein weiteres Stück näher – auch wenn der Erstflug der XB-1 wohl erst 2021 stattfinden wird. Ursprünglich war er für 2019 geplant gewesen.

Testflugzeug für "Schlüsseltechnologien"

Mit dem eigentlichen Projekt, dem Airliner "Overture", hat die XB-1 grundsätzlich nicht allzu viel gemeinsam. Der aus Verbundwerkstoffen gefertigte Zweisitzer ähnelt in der Auslegung eher einem großen Kampfjet denn einem Airliner.

Mit rund 21 Metern Länge und nur etwas mehr als fünf Metern Spannweite besitzt er in etwa ein Drittel der für die Overture angestrebten Größe. Laut seinen Entwicklern soll die XB-1, wenn sie endlich fliegt, allerdings das schnellste aktive Zivilflugzeug der Welt sein – und damit als Erprobungsträger für wichtige "Schlüsseltechnologien" den weiteren Weg zur Renaissance des kommerziellen Überschallverkehrs ebnen. "Der Countdown für eine neue Überschall-Zukunft beginnt hier", verkündete Boom-Chef Blake Scholl in einer Mitteilung seines Unternehmens.

76 Vorbestellungen für Overture

An Ehrgeiz und Selbstvertrauen hat es dem US-Startup noch nie gemangelt. Für die Entwicklung der Overture, die einmal 55 Passagiere mit doppelter Schallgeschwindigkeit in alle Welt beförden soll, konnte Boom außerdem einige namhafte Partner ins Boot holen.

Auch Japan Airlines unterstützt das Projekt finanziell – und hat sich Optionen auf 20 Exemplare des Überschalljets gesichert. Insgesamt sollen für die Overture 76 Vorbestellungen von insgesamt zehn Airlines vorliegen.

Noch viele offene Fragen

Während der Technologieträger XB-1 langsam auf die Zielgerade einbiegt, stehen hinsichtlich der Verwirklichung des Airliners aber noch viele offene Fragen im Raum. Wie Boom den unvermeidlichen Überschallknall reduzieren will zum Beispiel. Oder – nicht weniger wichtig – welche Triebwerke die Overture einmal antreiben sollen.

Auf durstige Turbojets von der Stange, wie sie bei der XB-1 zum Einsatz kommen, wird man jedenfalls nicht setzen können. Schließlich soll die Overture nicht nur schnell, sondern vor allem effizient fliegen.

Antworten auf diese Fragen hat Boom bislang nicht geliefert. Das angekündigte Rollout der XB-1 unterstreicht allerdings, dass es Blake Scholl und sein Team mit ihrem Vorhaben durchaus ernst meinen.
© FLUG REVUE - Patrick Zwerger | Abb.: Boom | 14.07.2020 07:41

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Beitrag vom 14.07.2020 - 21:26 Uhr
Zumindest exponentiell. Pro ca. 5,5km Höhe halbiert sich der Luftdruck. Also hätte man bei 22km gegenüber 11km ca ein Viertel des Luftwiderstandes. So hoch wird es wahrscheinlich nicht werden, und 11km ist ja auch fast schon eher die untere Grenze. Also wird es vielleicht auf etwas weniger als die Hälfte des (dichtebedingten) Luftwiderstands hinauslaufen. Bei allerdings rund 6,5-fachem (geschwindigkeitsbedingtem) Luftwiderstand (M2,2/M0,85). Also ist unterm Strich 3-4 Mal soviel Widerstand nicht ganz daneben. Bliebe noch cw und A zu berücksichtigen, da ist der Flieger wiederum durch Form und Größe im Vorteil.
Beitrag vom 14.07.2020 - 16:51 Uhr
Bei mindestens 4-fachen Luftwiderstand und 1/6 der Kapazität üblicher Passagiermaschinen ist die finanzielle Effizienz offensichtlich nicht das Ziel.

4 fach? Nee, nee, die fliegt ja auch höher und der Luftdruck nimmt ebenso quadratisch mit der Höhe ab wie der Widerstand quadratisch mit der Geschwindigkeit zunimmt. Wird sich in etwa gleich gestalten. Concorde hatte eine Dienstgipfelhöhe von 18.300m.
Beitrag vom 14.07.2020 - 11:55 Uhr
Auf durstige Turbojets von der Stange, wie sie bei der XB-1 zum Einsatz kommen, wird man jedenfalls nicht setzen können. Schließlich soll die Overture nicht nur schnell, sondern vor allem effizient fliegen.

"Effizient" ist bei Mach2 aber etwas interpreationsbedürftig...
Bei mindestestens 4-fachen Luftwiderstand und 1/6 der Kapazität üblicher Passagiermaschinen ist die finanzielle Effizienz offensichtlich nicht das Ziel.
Bleibt als "Effizienz" also nur die reine Verbrauchsrechnung um nicht zu viel mögliche Reichweite an durstige Triebwerke zu verlieren.
Nicht umsonst war die Concorde eigentlich ein fliegender Tank, in dessen Aussparungen man ein paar Sitze eingebaut hatte...

Antworten auf diese Fragen hat Boom bislang nicht geliefert. Das angekündigte Rollout der XB-1 unterstreicht allerdings, dass es Blake Scholl und sein Team mit ihrem Vorhaben durchaus ernst meinen.

Ich hätte jetzt gesagt, das unterstreicht höchstens, dass sie aktuell noch Geld haben.
Hätten sie diese technische Meisterleistung bereits vollbracht, hätten sie das wahrscheinlich die Welt schon wissen lassen..


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