Lufthansa ringt mit Piloten
Älter als 7 Tage

"Der Tarifdschungel brennt an allen Ecken"

Lufthansa Airbus A320neo
Lufthansa Airbus A320neo, © Lufthansa

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FRANKFURT - Die Verhandlungen zwischen Lufthansa und ihren Piloten über ein Krisenpaket traten lange auf der Stelle - ein eng gefasster Zwischenstand sorgt nun bis Jahresende für Burgfrieden. Die großen Themen sind nur aufgeschoben - die Piloten argwöhnen eine dauerhafte Aushebelung von Tarifstrukturen.

Lufthansa und Ufo sind im Ziel: ein Krisenbeitrag der Kabine wird den hart von der Luftfahrtkrise getroffenen Konzern bis Ende 2023 um mehr als eine halbe Milliarde Euro entlasten.

Mit den Piloten der Vereinigung Cockpit hat Lufthansa diese Woche allenfalls ein Etappenziel erreicht. Ein "Tarifvertrag Übergangsregelung" verschafft Lufthansa bis Jahresende finanzielle Linderung, vertagt die Klärung heikler Punkte aber in die Zukunft - lange Bank statt runder Tisch.

Konkret darf Lufthansa die Aufstockung des Kurzarbeitsgelds zurückfahren und den Arbeitgeberzuschuss zur Entgeltumwandlung einbehalten - 500 Euro pro Monat und Pilot.

Eine tarifliche Gehaltserhöhung zum 01. August wird bis Jahresende ausgesetzt - weil die Piloten von Germanwings und Lufthansa Cargo bereits seit 01. April das höhere Gehalt erhielten, zieht Lufthansa ihnen mit der Abrechnung für September 7,75 Prozent der Bruttobezüge rückwirkend vom Lohnzettel ab.

Im Gegenzug verzichtet Lufthansa bis 31. März 2021 auf betriebsbedingte Kündigungen. Ein großer Wurf sieht anders aus.

Tarifliches Minenfeld Ocean

Ein Punkt, an dem sich die Verhandlungsteams in den letzten Terminen die Zähne ausgebissen haben, ist der geplante Ferienflieger Ocean - die Piloten fürchten, dass Lufthansa die Personalkörper bei der Bereederung der neuen Plattform gegeneinander ausspielt.

Viel drang über die Ocean-Pläne bislang nicht nach außen, intern kursieren Zahlen, die Ocean bei einer anfänglichen Flottenstärke zwischen zwölf und 16 Flugzeugen sehen. In der ersten Ausbaustufe will Lufthansa für Ocean Piloten der aufgelösten Sun Express Deutschland und des Düsseldorfer Ablegers von Brussels Airlines anheuern.

Erst am 04. August hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr den A330-Piloten von Sun Express Deutschland per Mail (liegt aero.de vor) versichert, dass sie bei Ocean-Bereederung in erster Reihe stehen werden, um ihre "gute Arbeit auch in Zukunft auf der Langstrecke fortzuführen".

Piloten von Germanwings will Lufthansa erst in späteren Ausbaustufen zu Ocean holen - wenn überhaupt. Für Cockpit ist das ein rotes Tuch, denn Germanwings, mit der sich Lufthansa einst in den Günstigmarkt vorwagte, wird ebenfalls abgewickelt. Unter den Germanwings-Piloten geht die Angst vor einer Entlassungswelle um.

"Die Übergangsregelung nimmt den Zeitdruck aus den Verhandlungen, mehr aber auch nicht", sagte ein Insider aero.de. "Der über Jahre bei Lufthansa gezüchtete Tarifdschungel brennt gerade an allen Ecken - es geht nicht einmal mehr um Pfründe einzelner Gruppen, sondern unmittelbar um Arbeitsplätze."

Lufthansa droht mit Entlassungen

Das spiegeln auch Äußerungen der Beteiligten aus dieser Woche wieder. Selbst durch ein langfristig angelegtes Krisenpaket könnten "betriebsbedingte Kündigungen" nur noch " in ihrer Anzahl begrenzt werden", steckte Lufthansa das Feld für die nächsten Verhandlungsrunden eng ab.

"Wenn Lufthansa glaubt, mitten in der Krise die Leisure-Plattform Ocean ins Leben rufen zu müssen, ist das natürlich ihr gutes Recht", pampte Cockpit zurück. "Genauso wie es das gute Recht des Cockpitpersonals ist, diese Plattform angemessen tarifieren zu wollen."

Zeitgleich schwelt bei der zuletzt hochprofitablen Lufthansa Cargo schon seit 2019 weiteres Konfliktpotenzial. Lufthansa hat die geplante Verkleinerung der Frachtsparte in der Krise nur ausgesetzt. Im Zuge der Ausflottung der MD-11F erwartet das Management bei Lufthansa Cargo spätestens 2021 "höhere Remanenzen".

Ein Wechsel zum Joint Venture Aerologic ist den LCAG-Piloten derzeit verwehrt, obwohl Lufthansa Cockpitjobs eigentlich nur noch intern besetzen will. "Das wird ein heißer Herbst für unsere Lufthansa", sagte der Insider.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 22.08.2020 09:24
#16213
Beitrag vom 25.08.2020 - 21:35 Uhr

Modhinweis
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Der aktuelle Verlauf des Threads zeigt auf, dass nach 177 Beiträgen wohl der Stoff ausgegangen zu sein scheint, um noch lesenswerte, Thema-bezogene Beiträge einstellen zu können. Der Threadverlauf beweist dies eindeutig.
Aus diesem Grund wird der Thread auf -read-only- gesetzt.
Für diejenigen User, die Ihren, ich nennst jetzt mal höflich, ihren Meinungsaustausch mit gewissen Usern unbedingt fortsetzen möchten, besteht die Möglichkeit durch Nutzung der PM-Funktion .
Fly-away Moderator

Beitrag vom 25.08.2020 - 21:35 Uhr

Ich habe für Gewerkschaften nicht viel übrig, das sollte auch bei Ihnen mittlerweile angekommen sein.

Ist CS eigl auch ein Fachidiot? Wenn nein warum nicht? Ist doch Pilot oder nicht?
Nee, ganz im Gegenteil. Manche sind NUR Pilot. Das ist der Unterschied.

Und was ist dann mit Tischler, Maurer, Maler, KFZ Mech, BWLer, Doktor, Anwalt, Steuerberater usw?

Wie sieht’s mit ner Antwort aus 100-58?
Beitrag vom 25.08.2020 - 21:17 Uhr
Hab grad mal kurz nachgeschaut. Dirty Harry, wie er hier schon genannt wurde, war knapp sieben Jahre CEO bei swiss. TK ist seit Anfang 2016 im aktuellen Amt. Manche kommen auch nach cirka fünf Jahren weiter, und wenn TK so gut ist, kann man sich schon das ein oder andere vorstellen.

Jetzt spekuliere ich tatsächlich mal:
Vielleicht wird ja der Bruder von CS Ihr nächster CEO, wer weiß ...


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