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Steuerzahlerbund besorgt über Situation der Regionalflughäfen

Flughafen Münster/Osnabrück
Flughafen Münster/Osnabrück, © Flughafen Münster/Osnabrück

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DÜSSELDORF - Der Bund der Steuerzahler sieht die Entwicklung der Regionalflughäfen in Nordrhein-Westfalen mit Sorge. "Traditionell schreiben fast alle Airports rote Zahlen, wie eine Untersuchung des Deutschen Steuerzahlerinstituts vom Frühjahr 2020 zeigt", sagte ein Sprecher des Bundes der Steuerzahler NRW der dpa.

Auch die Aussichten für die Regionalflughäfen zwischen Rhein und Weser seien nicht günstig. In vier Jahren, im April 2024, ende eine Übergangsfrist der EU-Kommission. Ab dann müssten Regionalflughäfen zumindest operativ profitabel sein, also ohne Betriebszuschüsse auskommen. Es sei jetzt höchste Zeit für einige Regionalflughäfen und ihre öffentlichen Eigentümer, durchgreifende Reformen anzugehen.

Für die Airports Paderborn/Lippstadt, Dortmund und Münster/Osnabrück könnte ein erster Schritt in einer vertieften Zusammenarbeit liegen, erklärte der Bund der Steuerzahler NRW. Eine solche intensivere Kooperation der Flughäfen untereinander sollte auch ein wesentlicher Bestandteil des Luftverkehrskonzeptes für Nordrhein-Westfalen sein.

Der finanziell schwer angeschlagene Flughafen Paderborn-Lippstadt steuert unterdessen auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zu. Beim Hauptgesellschafter des Flughafens, dem Kreis Paderborn, gibt es eine politische Mehrheit für einen solchen Schritt. Der Paderborner Kreis- und Finanzausschuss hatte sich in der vergangenen Woche für ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung des Airports ausgesprochen.

Die Corona-Krise hatte den Airport Paderborn-Lippstadt, wie auch andere NRW-Regionalflughäfen, in schwere Turbulenzen gestürzt. Das Sanierungskonzept sieht eine deutliche Verkleinerung der Kapazitäten auf 300 000 Passagiere im Jahr und einen Personalabbau vor. Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist eine Variante, die statt einer Abwicklung auf die Sanierung zielt. Die Geschäftsleitung bleibt im Amt. Ihr wird ein sogenannter Sachwalter zur Seite gestellt.

Der Kreis Paderborn hatte erklärt, eine sofortige Insolvenz würde zur sofortigen Schließung des Flughafens, zum Verlust aller Rechte und eines wichtigen Stücks Infrastruktur führen, das "über 50 Jahre zur Prosperität und zur positiven wirtschaftlichen Entwicklung der Region beigetragen" habe. Der Eigenanteil des Kreises Paderborn bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung wird mit 13,7 Millionen Euro beziffert.

Am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) ist die Zahl der Fluggäste 2020 bis einschließlich August um 72 Prozent auf 178 000 gesunken. Die Zahl der Flugbewegungen nahm allerdings nur um 21 Prozent ab, da die Geschäfts-, Privat-, Ambulanz- und Hilfsflüge kaum rückläufig waren, erklärte ein Sprecher. Die Entwicklung des FMO sei damit etwas besser als im Durchschnitt der Airports in Deutschland. Etwa 85 Prozent der knapp 500 Mitarbeiter der Flughafengesellschaft seien in Kurzarbeit.

Der zusätzliche Liquiditätsbedarf aufgrund von Corona von 10 Millionen Euro solle im Rahmen der Verabschiedung des Wirtschaftsplanes 2021 als zusätzliches Eigenkapital zugeführt werden. Der Aufsichtsrat habe das der Gesellschafterversammlung empfohlen. Größte Gesellschafter sind die Stadtwerke Münster und die Beteiligungsgesellschaft des Kreises Steinfurt. Seit dem Ausbruch der Pandemie verliert der FMO nach eigenen Angaben wegen Corona rund eine Million Euro pro Monat.

Der Verkehrsausschuss des Landtages beschäftigt sich an diesem Mittwoch auf Antrag der Grünen mit dem Thema Luftverkehrskonzept. NRW habe als Bundesland mit der höchsten Flughafendichte die Verantwortung, die Weichen für einen nachhaltigen Luftverkehr zu stellen. Es sollte keine öffentlichen Zuschüsse mehr für defizitäre Flughäfen geben, heißt es unter anderem. Regionale Unternehmen sollten sich finanziell an Flughäfen beteiligen, wenn sie darin eine notwendige Infrastruktur für ihren wirtschaftlichen Erfolg sähen.
© dpa | 02.09.2020 05:21

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Beitrag vom 02.09.2020 - 17:10 Uhr
Ich sehe das auch so wie Oggy.

Trotzdem entsteht an so einem Regionalflughafen mit 500 direkten Mitarbeitern und den Geschäften, Taxis, und Diensleistern und den Arbeitsplätzen bei der Airline selbst und die drum herum ja auch einiges an Wertschöpfung welche in der Bilanz von so einem Flughafen gar nicht einfließt.

Ja, aber da muss man auch relativieren. Wenn ich mir ein Geschäft in Kassel Calden am Flughafen anschaue, dann bezweifel ich, dass das groß zum wirtschaftlichen Wachstum in der Region beiträgt. Natürlich gibt es da solche und solche Flughäfen, aber es gibt nunmal welche, die sind einfach überflüssig und machen nichts anderes als Steuergeld zu verbrennen.

Gerade in einer ländlichen Region nicht unwichtig.


Da muss man aber diskutieren, ob ein Flughafen das richtige Instrument ist um eine ländliche Region zu entwickeln...Ich denke eher nicht.

Sonst wird un jeden Arbeitsplatz gekämpft, egal was für einer und hier sollen gleich 1.000 einfach so eingestampft werden, weil es schlichtweg nicht zur Ideologie passt.


Da ist immer die Frage, in welchem Verhältnis das denn steht. 1.000 Arbeitsplätze für wie viele Millionen?

Und das Klima allein durch die Flugzeuge so schlecht 😅 ist. Die Luftfahrt ist der kleinste Anteil am CO2, 0,3 %.
Immer schön alles auf einen Sündenbock schieben, ist halt schön einfach.

Das Thema Klimaschutz kommt in dem Artikel und der Argumentation des Steuerzahlerbundes gar nicht vor, oder? Das wurde hier von Oggy ins Spiel gebracht. Den Steuerzahlerbund interessiert in erster Linie doch erstmal nur das Steuergeld.



Wenn nur ums Geld geht, dann müsste man aber auch den gesamten ÖPNV in Deutschland stillegen, der rechnet sich auch nicht und ist auch ein Zuschussposten der Städte. Nur nutzen den halt mehr Menschen, aber den Flughafen nutzen ja auch welche, nur halt weniger, aber warum dann gleich schließen.

Naja, wir bauen aber ja auch keine S-Bahn Kiel oder Flensburg...weil es sich einfach nicht lohnt und schlicht und ergreifend keinen Sinn ergibt. Von daher auch hier wieder: Es muss halt in der Gesamtheit stimmig sein. Also wie viele Leute wohnen im Umkreis? Wie viele potenzielle Kunden gibt es also und wie viele Alternativen gibt es? Das alles muss man abwägen und dann sieht es für viele der Flughäfen einfach schlecht aus, weil es auch Alternativen gibt. Natürlich freut sich jeder, wenn er in 20 Min am Flughafen ist und die ganze Welt erreichen kann, dann soll aber bitte auch derjenige dafür zahlen und nicht die Allgemeinheit.


Mit vielen Zoos, Theater, Fußballvereinen, Schwimmbäder genauso, ok, mache wir alles dicht, rechnet sich nicht.


Die erfüllen einen anderen Zweck und sind deswegen kaum vergleichbar mit einem Flughafen. Und auch hier, es gibt viele Theater, Schwimmbäder etc. die tatsächlich dicht gemacht wurden. Ich kenne ad hoc mehr Beispiele davon als Flughäfen, die geschlossen wurden ;-)

Flughäfen gehören gensuso zur Infrastruktur wie die oben genannten.


Erfüllen aber unterschiedliche Zwecke und haben unterschiedliche Kundenkreise. Und einen Zoo in Kassel Calden kenne ich auch nicht.

Und rechnet es sich fürs Klima eher, wenn ich anstatt 30 km zum FMO fahre, 175 bis nach Düsseldorf und das dann auf 1. Mio Fluggäste, in 2018/knapp in 2019, hochrechne 🤔 glaub ich nicht so ganz.


Die Klimadiskussion kam von Oggy auf, nicht vom Steuerzahlerbund. Warum wird das hier also immer wieder angebracht?

Es müssen keine neuen Regionalflughäfen entstehen, aber alle einfach zu schließen ist auch nicht richtig.

Es will doch auch keiner ad-hoc alle schließen. Es geht darum, dass man darüber redet und schaut, was man da besser machen kann. Da fehlt so ein bisschen das ganzheitliche Konzept im Bund.

Beitrag vom 02.09.2020 - 14:05 Uhr
Ich sehe das auch so wie Oggy.

Trotzdem entsteht an so einem Regionalflughafen mit 500 direkten Mitarbeitern und den Geschäften, Taxis, und Diensleistern und den Arbeitsplätzen bei der Airline selbst und die drum herum ja auch einiges an Wertschöpfung welche in der Bilanz von so einem Flughafen gar nicht einfließt.

Gerade in einer ländlichen Region nicht unwichtig.

Sonst wird un jeden Arbeitsplatz gekämpft, egal was für einer und hier sollen gleich 1.000 einfach so eingestampft werden, weil es schlichtweg nicht zur Ideologie passt.

Und das Klima allein durch die Flugzeuge so schlecht 😅 ist. Die Luftfahrt ist der kleinste Anteil am CO2, 0,3 %.
Immer schön alles auf einen Sündenbock schieben, ist halt schön einfach.


Wenn nur ums Geld geht, dann müsste man aber auch den gesamten ÖPNV in Deutschland stillegen, der rechnet sich auch nicht und ist auch ein Zuschussposten der Städte. Nur nutzen den halt mehr Menschen, aber den Flughafen nutzen ja auch welche, nur halt weniger, aber warum dann gleich schließen.

Mit vielen Zoos, Theater, Fußballvereinen, Schwimmbäder genauso, ok, mache wir alles dicht, rechnet sich nicht.

Flughäfen gehören gensuso zur Infrastruktur wie die oben genannten.

Und rechnet es sich fürs Klima eher, wenn ich anstatt 30 km zum FMO fahre, 175 bis nach Düsseldorf und das dann auf 1. Mio Fluggäste, in 2018/knapp in 2019, hochrechne 🤔 glaub ich nicht so ganz.

Es müssen keine neuen Regionalflughäfen entstehen, aber alle einfach zu schließen ist auch nicht richtig.
Beitrag vom 02.09.2020 - 11:26 Uhr
Ich kann die Standpunkte meiner beiden Vorredner beide verstehen, daher hier ein Lösungsvorschlag wie ein NRW Flughafenkonzept aussehen könnte:
Als im Rheinland lebender, habe ich den einmaligen Luxus, gleich vier Flughäfen in erreichbarer Nähe zu haben (DUS, CGN, Weeze und DTM). Dies ist unbestritten oft durch kommunale Interessen getrieben gewesen, was zumindest „merkwürdig“ ist. Um den volkswirtschaftlichen Nutzen eins Flughafens auszurechnen, sollte man mindestens das verursachte CO2 auf der Kostenseite mit einpreisen.
Demnächst wird das rheinische Braunkohlerevier stillgelegt und es werden Milliarden Strukturmittel fließen und gleichzeitig wird zwischen Düsseldorf und Köln eine riesige Brachfläche entstehen. Hier könnte ein neuer Großflughafen gebaut werden, der den Vorteil hätte, in einem dünn besiedelten Gebiet zu sein, aber mit schlauer Autobahn und Zuganbindung trotzdem auch aus dem Ruhrgebiet sehr gut erreichbar wäre. Nachtflug müsste hier möglich sein und dieser Flughafen könnte die Flughäfen DUS, CGN, DTM und PAD ablösen. Flankieren hätte man noch Weeze im Westen und Münster Osnabrück im Nordosten, beide haben vor Corona operativ Geld verdient. Dann hätte man 3 statt 6 Flughäfen und hätte gleichzeitig einer Region, der der Abstieg droht geholfen. Dieser Flughafen hätte eine hervorragen Frachtnutzung, da er das Geschäft von CGN übernehmen würde und von beginn an über 35 Mio. Pax und somit vielleicht sogar eine Chance auf nennenswerte Langstrecke. Als Nebeneffekt würden die Städte Düsseldorf und Köln dringend benötigte Flächen für Wohnraum auf den ehemaligen Flughafen Arealen erhalten!


Jawollja, BER 2.0. Eröffnung 17 MRD Euro später im Jahre 2089 :D


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