Boeing 717
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Delta nimmt Abschied von ihrem Secondhand-Jet

Boeing 717
Neu verschmäht, als Gebrauchter gesucht: Boeing 717, © Aero Icarus, CCBYSA

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ATLANTA - Delta Air Lines mistet die Flotte aus. Neben der Boeing 767-300 und der Bombardier CRJ-200 muss auch Boeings Stiefkind 717 die Airline verlassen. Dabei war es einst Delta, die der erfolglosen 717 zu einer überraschenden Renaissance auf dem Gebrauchtmarkt verhalf.

Das Timing der Boeing 717 war – ähnlich wie beim Airbus A380 – ziemlich schlecht. Als sie 1999 auf den Markt kam, wandten sich die Airlines auf der Kurzstrecke gerade von 100-Sitzern ab und größeren Flugzeugen zu.

Lange fristete die 717 deshalb ein Mauerblümchendasein – auch deshalb, weil Boeing selbst sich mit dem Hecktriebler nie so richtig anfreunden konnte. Schließlich war er das letzte von Konkurrent McDonnell Douglas entwickelte Passagierflugzeug, bevor Boeing den Rivalen aus St. Louis 1997 schluckte – und aus dem als MD-95 gelaunchten Sprössling der DC-9-Familie die Boeing 717 wurde.

Nur 156 Exemplare des geerbten Kurzstreckenjets verließen in den Folgejahren die Werkshallen im kalifornischen Long Beach – inklusive des inzwischen verschrotteten ersten Prototypen. 2006 stellte Boeing die Produktion mangels Nachfrage ein.

Doch dann trat Delta Air Lines auf den Plan – und bescherte der 717 einen zweiten Frühling als Gebrauchtflugzeug. 91 der 155 Maschinen fliegen heute für Delta. 88 davon stammen aus dem Nachlass der AirTran, die 2014 von Southwest Airlines übernommen worden war.

AirTran hatte die 717 wiederum selbst gebraucht von American Airlines übernommen. Ursprünglich waren sie von TWA gekauft worden, die 2001 von American geschluckt wurde.

Delta machte die 717 zu einem zentralen Mitglied der Kurzstreckenflotte – und sorgte damit für unerwartete Wertzuwächse bei dem einstigen Ladenhüter. Wegen der geringen Stückzahl blieb das Angebot zeitweise weit hinter der Nachfrage zurück.

Damals rissen sich Delta sowie die anderen 717-Betreiber Hawaiian, Qantas und Volotea geradezu um gebrauchte 717. "Jeder will sie auf lange Sicht behalten", zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg 2015 den Delta-Flottenchef Dan Pietrzak.

Und Pietrzak wusste auch, wieso: "Sie sehen brandneu aus. Sie sind großartig!" Bei Passagieren erwarb sich der 110-Sitzer dagegen vor allem wegen seiner geräumigen Kabine Sympathien, die durchweg mit Fünferreihen bestückt ist.

Liaison mit Ablaufdatum

Doch auch schöne Geschichten gehen zu Ende, und so hat die Liaison zwischen Delta und der 717 nun ein offizielles Verfallsdatum bekommen: Im Dezember 2025 soll die letzte Maschine die Delta-Flotte verlassen, erklärte Delta Ende September.

Der US-Carrier wird auf der Kurzstrecke künftig vor allem auf den Airbus A220 setzen, von dem Delta beide Varianten einsetzt. Dass die 91 Delta-717 nach ihrer Aussonderung allesamt auf dem Schrottplatz landen, ist allerdings längst nicht ausgemacht. Schließlich hat sich der einstige Ladenhüter schon einmal als Jet mit langem Atem erwiesen – vielleicht hat Hawaiian ja noch Platz?
© FLUGREVUE - Patrick Zwerger | Abb.: Delta Air Lines | 04.10.2020 08:17

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Beitrag vom 05.10.2020 - 12:42 Uhr
Die A220 200 und 300 werden diese Segment in Zukunft erfolgreich beackern. In Anbetracht des derzeitigen Rückgangs des Luftverkehrs und voraussichtlicher Stagnation auf mittlere Sicht könnte eine 717 jedoch durchaus bei finanzschwächeren Airlines eine Zukunft haben oder als Ersatzteilspender für die wenigen verbliebenen Betreiber.


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