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Fraport rechnet auch 2021 mit starken Einbußen

Dr. Stefan Schulte
Fraport-Chef Dr. Stefan Schulte, © Fraport AG

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FRANKFURT - Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport zeichnet nach dem herben Geschäftseinbruch durch die Corona-Pandemie ein noch düstereres Bild von den nächsten Jahren. Nach Einschätzung von Vorstandschef Stefan Schulte dürfte sich der Flugverkehr deutlich langsamer von der Krise erholen als bisher gedacht.

"Wir gehen aktuell davon aus, dass wir im kommenden Jahr in Frankfurt nur etwa 35 bis 45 Prozent des Passagieraufkommens von 2019 erreichen werden", sagte der Manager am Mittwoch bei Vorlage der Quartalsbilanz in Frankfurt. Im Mai hatte er noch auf rund 50 Prozent gehofft.

Steigende Infektionszahlen, neue Reisewarnungen und neue Lockdowns in vielen Ländern haben die leichte Erholung im Flugverkehr wieder abgewürgt. Im Oktober zählte Fraport in Frankfurt 83,4 Prozent weniger Passagiere als ein Jahr zuvor.

Für 2020 rechnet Schulte in Frankfurt daher nur noch mit 18 bis 19 Millionen Passagieren - ein Einbruch von mehr als 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit verbunden sind ein erwarteter Umsatzrückgang um bis zu 60 Prozent und ein Verlust von 600 bis 670 Millionen Euro.

Selbst in den Jahren 2023 und 2024 dürfte das Passagieraufkommen noch 10 bis 20 Prozent niedriger liegen als vor der Pandemie, schätzt Schulte. Bisher hatte er dieses Niveau etwa ein Jahr früher erwartet. Dem Fraport-Chef zufolge konzentrieren Airlines ihre Flüge künftig stärker auf einzelne Drehkreuze. Hier sei Frankfurt mit seinen starken Wirtschaftsräumen und der sehr guten Bahn-Anbindung hervorragend aufgestellt, um für die Verbindungen hohe Passagierzahlen sicherzustellen.

An der Börse wurden die Nachrichten negativ aufgenommen. Die Fraport-Aktie verlor am Morgen zunächst rund sechs Prozent, lag um die Mittagszeit aber nur noch mit 1,19 Prozent im Minus bei 33,12 Euro im Mittelfeld des MDax <DE0008467416>. Seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als die Hälfte eingebüßt. Größte Anteilseigner des Konzerns sind das Land Hessen und die Stadt Frankfurt. Zusammen halten sie gut die Hälfte der Fraport-Aktien.

Analysten bewerteten die Neuigkeiten unterschiedlich. William Fitzalan Howard von der Privatbank Berenberg schrieb am Morgen, Fraport schwimme erfolgreich gegen den Strom. So habe der Konzern seine Kosten effizient gesenkt. Seine Expertin Stephanie D'Ath vom Analysehaus RBC zeigte sich hingegen von den hohen Rückstellungen für den Personalabbau negativ überrascht. Zudem könnten die Aussagen des Vorstands zur weiteren Geschäftsentwicklung die Markterwartungen weiter nach unten drücken.

Im Sommer riss der Einbruch des Flugverkehrs den Flughafenbetreiber tief in die roten Zahlen. In den sonst besonders wichtigen Reisemonaten Juli bis September sackte der Umsatz im Jahresvergleich um 62 Prozent auf 407 Millionen Euro ab. Unter dem Strich stand im dritten Quartal ein Verlust von 304 Millionen Euro. Damit verfehlte Fraport die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Ein Jahr zuvor hatte der Konzern unter dem Strich noch 222 Millionen Euro verdient.

Besonders teuer schlug diesmal der Abbau von bis zu 4.000 Arbeitsplätzen zu Buche. Fraport bezifferte die Belastung auf rund 280 Millionen Euro. Mit dem Stellenabbau ist der Konzern bereits weit vorangekommen. 1300 Jobs fielen weg, weil Fraport Zeitverträge nicht verlängerte oder Mitarbeiter das Unternehmen ohnehin verließen. Weitere 2400 Beschäftigte sollen etwa mit Abfindungen, durch Altersteilzeit oder durch Eintritt in den Ruhestand sowie Aufhebungsverträge größtenteils bis Ende 2021 aus dem Konzern ausscheiden.

"Die Wahrscheinlichkeit für betriebsbedingte Kündigungen hat sich deutlich reduziert, wenn es gelingt, einen Notlagen-Tarifvertrag abzuschließen", erläuterte Schulte die weiteren Schritte. Damit sollen Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich möglich werden. Zum Jahreswechsel will Fraport die Organisation mit weniger Abteilungen und Führungskräften verschlanken. Wieder intensiver wird die Kurzarbeit genutzt, über die volle mögliche Zeit bis Ende 2021. Rund 18 000 Beschäftigte reduzierten die Arbeitszeit im Schnitt um die Hälfte.

Mit dem Stellenabbau will Fraport die jährlichen Personalkosten bis Ende nächsten Jahres um 250 Millionen Euro senken. Kürzungen bei den Sachkosten sollen ab sofort jährliche Einsparungen von bis zu 150 Millionen Euro bringen.

Um durch die Krise zu kommen, hat sich Fraport in diesem Jahr 2,7 Milliarden Euro an zusätzlichen Finanzmitteln gesichert. Dadurch verfügt der Konzern nach eigenen Angaben über flüssige Mittel und zugesagte Kreditlinien von mehr als drei Milliarden Euro. Der Vorstand sieht Fraport damit gut aufstellt, um die Krise zu bewältigen und in beschränktem Umfang in die Zukunft zu investieren. Allerdings hat das Unternehmen viele Investitionen gestrichen oder verschoben und die Ausgaben mittel- bis längerfristig um eine Milliarde Euro reduziert.

Dennoch baut Fraport das Terminal 3 in Frankfurt weiter, wenn auch langsamer als ursprünglich geplant. Aus heutiger Sicht will Fraport das Gebäude im Süden des Flughafens zum Sommerflugplan 2025 in Betrieb nehmen. Letztlich hänge dies aber von der Entwicklung der Nachfrage ab, hieß es.
© dpa-AFX | Abb.: Fraport AG | 04.11.2020 07:36


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